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kurzbiografien

218 Kurzbiografien der politische Akteure und ihre Inspiratoren

Alexandrowitsch, Petr Alexandrowitsch -1918
Das Bauernkind aus der Provinz Rjasan wurde 1917 sozialrevolutionäres Mitglied des Exekutivkomitees des Petrograder Sowjets. Von den Linken Sozialrevolutionären als Gründungsmitglied der Tscheka nominiert. 1918 wurde er verdächtigt, in die Ermordung des deutschen Botschafters Mirbach verwickelt zu sein. Im Juli 1918 spielte er eine bedeutende Rolle beim versuchten Putsch der Linken Sozialrevolutionäre. Er wurde verhaftet und erschossen. 1)

Alexejew, Michail Wassiljewitsch 1857 – 1918
alexejew_michail.jpg Der Sohn eines Soldaten trat in die zaristische Armee ein, machte eine Offiziersausbildung und wurde 1903 zum General. Er kommandierte an der Front und wurde 1915, als Zar Nikolaus II. persönlich das Kommando übernahm, zum Stabschef; damit faktisch zum Oberkommandierenden der Armee. 1917 übte er Druck auf den Zaren aus zurück zu treten. Von der Provisorischen Regierung wurde er zum Stabschef ernannt, er sanktionierte die Verhaftung Kornilows am 1.September 1917 nach dessen Putschversuch gegen die Regierung Kerenskis. Nach der Oktoberrevolution organisierte er am Don den Aufbau der Weißen Armee. Als Kornilow eintraf, entmachtete der ihn. Er starb im Oktober an einem Herzanfall. 2)


Alexinski, Grigori Alexejewitsch 1879 - 1965
Er wurde in Dagestan geboren und studierte in Moskau, als er 1902 als Organisator einer sozialistischen Studentengruppe verhaftet und exiliert wurde. 1905 arbeitete er als Propagandist der RSDRP in Moskau, später in Sankt Petersburg. 1906 wurde er in die zweite Duma gewählt und trat für den Boykott der dritten Duma ein. Mit Bogdanow und Lunatscharski gründete er die RSDRP-Zeitung Wjerpod (Vorwärts) und unterrichtet an den Parteischulen auf Capri und Bologna. Auf der Augustkonferenz 1912 vertrat er die Wjerpod-Gruppe. 1914 trat er für Vaterlandsverteidigung ein und schloss sich Plechonows Jedinstwo-Gruppe an. er griff Lenin und Trotzki an, sie würden von der deutschen Regierung finanziert. 1917 wiederholte er die Vorwürfe in Russland. Nach der Oktoberrevolution floh er nach Frankreich und unterstützte konterrevolutionäre Aktivitäten. 3)

Antonow, Alexandr Stepanowitsch 1882 - 1922
antonow._aleksandr.jpg Seit 1906 Mitglied der Sozialrevolutionäre, arbeitete er in der Lokomotivenfabrik von Tambow. Er wurde Mitglied der militärischen Abteilung und beteiligte sich an Expropriationen. Dafür wurde er zu Zwangsarbeit verurteilt. In der Februarrevolution wurde er amnestiert und kehrte in die Provinz Tambow zurück und schloss sich der Miliz an, 1918 wurde er ihr Leiter. Er organisierte 1921 die Rebellion der Bauern von Tambow und wurde im Juni 1922 im Kampf gegen die Tscheka getötet. 4)




Antonow-Owsejenko, Wladimir Alexandrowitsch 1883 - 1938
antonow-_wladimirowsejeneko.jpg Der Offizierssohn besuchte eine Kadettenschule, wo er den Eid auf den Zaren verweigerte. 1902 schloss der sich der RSDRP an, bei der Spaltung 1903 wurde der Menschewik. 1905 war er einer der Organisatoren der Militärrevolte in Polen. In Sewastopol gab er eine illegale Soldatenzeitung heraus, dafür wurde er 1907 zum Tode verurteilt, er konnte aber fliehen. 1908/9 arbeitete er illegal in Moskau. 1910 emigrierte er nach Paris. Er schloss er sich dem internationalistischen Flügel der Menschewiki an, er arbeitete an Nasche Slowo mit. Nach seiner Rückkehr im Mai 1917 schloss er sich den Bolschewiki an, wurde er Mitglied der bolschewistischen Militärorganisation und agitierte in Finnland unter den Matrosen der Baltischen Flotte und der Nordarmee. Im Juli 1917 wurde er festgenommen und kam im September frei. Er wurde zum Mitglied des Revolutionären Militär-Komitees in Petrograd, bei der Erstürmung des Winterpalais am 25. Oktober verhaftete er die Minister der Provisorischen Regierung. Im ersten Rat der Volkskommissare war er einer der drei 'Minister' für die Armee und Flotte. Er wurde er Kommandeur des Petrograder Militärbezirks und organisierte die Zerschlagung des Angriffs von Truppen Kerenskis. Er wurde Kommandant der Roten Armee und kämpfte während des Bürgerkriegs, 1920/21 bekämpfte er den Bauernaufstand von Tambow. 1923 wandte es sich der Linken Opposition um Trotzki zu. Er wurde aus seinen militärischen Ämtern entfernt und in den diplomatischen Dienst gesteckt. 1925 wurde er aus dem ZK ausgeschlossen. Er gab seine oppositionelle Haltung auf, wurde 1934 Oberstaatsanwalt, 1936/37 wurde er während des spanischen Bürgerkriegs Sondergesandter der Sowjetunion in Barcelona. 1937 war er kurzzeitig Volkskommissar der russischen Teilrepublik, nach den Moskauer Prozessen wurde er erschossen. 5)

Armand, Inessa 1874 - 1920
armand_inessa.jpg Als Tochter französischer Künstler kam sie als Kind nach Russland, unterrichtete lange Bauernkinder in der Nähe Moskaus und engagierte sich für die Frauenfrage. 1903 trat sie der RSDRP bei. 1905 war sie als Propagandistin aktiv und wurde 1907 nach Nordrussland verbannt. Sie floh nach Westeuropa, 1909 lernte sie Lenin kennen, 1911 wurde sie Sekretärin der Auslandsorganisationen der Bolschewiki und war für die Koordination der Gruppen verantwortlich. Sie half bei der Errichtung der Parteischule der Bolschewiki in Longjumeau, 1912 ging sie nach Petersburg und organisierte den Wahlkampf der Partei für die Duma, sie wurde verhaftet und floh 1913 wieder. Sie arbeitete an der Frauenzeitung der Bolschewiki mit und kämpfte antimilitaristisch. 1915 lebte sie wieder in der Schweiz, organisierte die Internationale Frauenkonferenz und reiste mit Lenin im verplombten Zug 1917 durch Deutschland nach Petersburg zurück. Nach der Oktoberrevolution arbeitete sie in der Exekutive des Moskauer Arbeiterrates, arbeitete im Frauensekretariat der KPR, opponierte mit den Linken Kommunisten gegen den Vertrag von Brest-Litowsk und leitete die erste Internationale Kommunistische Frauenkonferenz 1920. 6)

Artjom, siehe Sergejew, Fjodor

Arschinow, Pjotr Alexejewitsch 1887 - 1938
arschinow_pjotr.jpg Der ukrainische Arbeitersohn schloss sich 1904 den Bolschewiki an, in der Revolution 1905 wurde er Anarcho-Kommunist. 1907 wurde er zum Tode verurteilt, da er den Leiter einer Eisenbahnwerkstatt erschoss, der Arbeiter denunziert hatte. Anarchisten befreiten die Insassen des Gefängnisses. 1909 wurde er erneut verhaftet und lernte Nestor Machno kennen. Die Februarrevolution befreite beide, sie gingen in die Ukraine und gründeten eine Partisanenarmee, die in der Ukraine und eine libertäre Gesellschaft anstrebte. 1921 ging er 1921 nach Berlin und veröffentlichte eine Geschichte der Machno-Bewegung. In Paris versuchte er 1926 eine anarchistische Partei zu gründen. 1931 kehrte er nach Russland zurück, wurde 1938 verhaftet und erschossen. 7)


Asew, Jewno Fischelewitsch 1869 - 1918
asef_jewno.jpg Er wurde als Sohn einer armen jüdischen Familie in Weißrussland geboren. Er wurde Mitglied einer revolutionären Gruppe und setzte sich vor seiner drohenden Verhaftung 1892 nach Deutschland ab. Er wurde Agent Mitarbeiter der Ochrana. 1899 kehrte er nach Russland zurück und trat der Sozialrevolutionären Partei bei. Er wurde Mitglied ihres ZKs, 1903 wurde Kopf ihrer bewaffneten Kampfgruppen. Er organisierte 1904 die Ermordung des Innenministers Plehwe und 1905 des Großfürsten Sergei Romanow, einem Onkel des Zaren. Auch an die Tötung von Gapon 1906 organisierte er. Innerhalb der Sozialrevolutionäre gab es Gerüchte über seine Agententätigkeit, erst 1909 wurde er von einem Ehrengericht entlarvt, was einen riesigen politischen Skandal über seine Tätigkeit als Doppelagent gab. Er floh nach Deutschland und ließ sich als Geschäftsmann nieder. 8)

Awksentjew, Nikolai Dmitriewitsch 1878 - 1943
awksentiew_nikolai.jpg Der Sohn eines Rechtsanwalts in Pensa studierte in Moskau, als er 1899 wegen seiner politischen Aktivitäten exmatrikuliert wurde. Er ging nach Deutschland und gründete eine Gruppe, aus der ein Kern der Sozialrevolutionäre hervorging. 1905 kehrte er nach Russland zurück und unterstützte die ‘Bankett-Kampagne‘ der Liberalen. Er wurde einer der Führer des Petersburger Arbeiterrates, bis er verhaftet wurde und wieder ins Exil ging. 1907 wurde er ins ZK der Sozialrevolutionären Partei kooptiert. Er wandte sich gegen den Terrorismus und unterstützte seinen Freimauerer-Kollegen Kerenski in der vierten Duma. Im Krieg war er Vaterlands-verteidiger. In der Februarrevolution wurde er ein führendes Mitglied des Petrograder Arbeiterrates, des Allrussischen Exekutivkomitees der Sowjets und gleichzeitig Vorsitzender des Allrussischen Bauernsowjets. Im Juli und August 1917 wurde er Innenminister der Provisorischen Regierung. Als Vorsitzender des Vorparlaments versuchte er die Petrograder Garnison gegen die Bolschewiki zu gewinnen. 1918 wurde er Vorsitzender des Direktoriums in Omsk, bevor es von Koltschak abgesetzt wurde. Er versuchte Unterstützung für den Kronstadter Aufstand 1921 zu organisieren, ging dann in die USA. 9)

Axelrod, Pawel Borissowitsch 1850 - 1928
axelrod_pavel.jpg Axelrod war Narodonik, der aus Russland fliehen musste. Im Exil kam es mit dem Marxismus in Kontakt und gründete mit Plechanow 1893 die Gruppe Befreiung der Arbeit, die erste russische sozialdemokratische Organisation. Bei der Spaltung 1903 wurde er Menschewik. 1917 unterstützte er die provisorische Regierung und ging ins Exil. 10)





Badajew, Alexei Jeorowitsch 1883 - 1951
badajew_alexander_.jpeg Als Bauernkind in der Provinz Orel geboren. Bolschewiki seit 1904, Dreher in einer Eisenbahn-Reparaturwerkstatt in Sankt Petersburg. 1912 als Arbeiter-Abgeordneter in die vierte Duma gewählt. Mitglied der Parteiführung, Prawda-Herausgeber. Als Mitglied der bolschewistischen Duma-Fraktion 1914 verhaftet und zum Exil in Sibirien verurteilt. In der Revolution 1917 Organisator der Gewerkschaften. Mitglied der Vereinigten Opposition, 1926 Rückzug zusammen mit der Krupskaja. 1923/1924 Kandidat des ZK, ZK-Vollmitglied ab 1925. Vizepräsident des Obersten Sowjet ab 1938, dann Wirtschaftsfunktionär. Er einer der wenigen 'alten' Bolschewiki, die nicht den Säuberungen Stalins zum Opfer fielen. 11)


Bakunin, Michail Alexandrowitsch 1814 - 1877
bakunin_mikhail.jpg Das Kind von Kleinadligen wurde Offizier verließ die Armee, studierte in Deutschland und nahm an der Revolution 1848 in Paris und 1849 in Dresden teil, saß bis 1861 in russischen Gefängnissen und in der sibirischen Verbannung, hatte Kontakt mit der Gruppe Semlja i Wolna (Land und Freiheit), trat 1868 der Ersten Internationale bei, die sich nach seinem Bruch mit Marx und Engels 1872 spaltete. Er propagierte als Vertreter des Anarchismus einen antiautoritären Sozialismus auf föderativer Ebene, die Revolutionäre sollten alle, auch terroristische Mittel einsetzen. Sein Anarchismus und Panslawismus hatten Einfluss auf die russischen Sozialrevolutionäre. 12)



Balabanoff, Angelica 1878 - 1965
balabanoff_angelica.jpg Die Tochter einer wohlhabenden russischen Familie studierte in Brüssel, wo sie sich den Sozialisten anschloss. Sie zog nach Rom und organisierte eingewanderte Textilarbeiter. Sie wurde 1900 zu einer Führerin der PSI und stand in engem Kontakt zur RSDRP. Mit Clara Zetkin arbeitete sie in der internationalen sozialistischen Frauenbewegung. Sie war Kriegsgegnerin und Teilnehmerin der Zimmerwalder Konferenz. Nach der Oktoberrevolution ging sie nach Russland und arbeitete in der Kommunistischen Internationale. Nach ihrem Bruch mit der Komintern 1922 kehrte sie nach Italien zurück und arbeitete im maximalistischen Flügel der PSI, ging dann in die Schweiz ins Exil. 13)



Bauer, Otto 1881 - 1938
bauer_otto.jpg Der Sohn eines jüdischen Textilunternehmers wurde Führer des österreichischen Sozialdemokratie SDAP und ein führender Theoretiker des Austromarxismus. Er theoretisierte die Weigerung der SDAP, nach dem Sturz der österreichisch- ungarischen Monarchie eine sozialistische Revolution anzustreben. Er war 1918 Minister. 14)





Bauman, Nikolai Ernestowitsch 1873 - 1905
bauman_nikoloi.jpg Der Sohn eines Handwerkers arbeitete als Tierarzt 1896/1897 arbeitete er in Sankt Petersburg im Bund zur Befreiung der Arbeiterklasse. 1897 bis 1899 war er in der Peter- und Paulsfestung gefangen und musste in die Verbannung. Er floh in die Schweiz und lernte Lenin kennen und arbeitete an der Verbreitung der Iskra mit. 1901 ging er nach Moskau und leitete die Partei. 1903 wurde er wieder verhaftet und konnte wieder ins Exil entkommen. Als Teilnehmer am zweiten Parteitag der RSDRP unterstützte er den Flügel Lenins. Wieder in Russland wurde er 1904 wieder verhaftet. In der Revolution von 1905 kam er frei. Im Oktober 1905 wurde er während einer Demonstration von einem Anhänger der Schwarzhundertschaften erschlagen. Seine Trauerfeier wurde eine machtvolle Demonstration der Moskauer Bolschewiki und bereitete den Moskauer Aufstand vor. 15)



Bebel, August 1840 - 1913
bebel_august.jpg Der Drechsler wurde zu einem der Gründer und Führer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, er repräsentierte gegen den rechten und linken Flügel das Parteizentrum der Sozialdemokratie. Für russische Revolutionäre war er ein Vorbild, sie strebten danach ‘russische Bebels‘ zu werden. 16)





Bernstein, Eduard 1850 - 1932
bernstein_eduard.jpg Der deutsche Sozialdemokrat entwarf zusammen mit Karl Kautsky das Erfurter Programm der SPD. Zwischen 1896 und 1898 eröffnete er in einer Artikelserie den ‘Revisionismusstreit‘. Er bezeichnete die Dialektik Hegels als metaphysisch, sie sei durch den Neukantismus zu ersetzen. Da es keine Unternehmenskonzentration wie bei Marx gebe und die Arbeiter auch nicht verarmten, werde keine Revolution stattfinden, die Sozialdemokratie solle sich für Reformen innerhalb des kapitalistischen Systems einsetzen. Seine Auffassungen wurden vor allem von August Bebel und Rosa Luxemburg bekämpft. In Russland bezogen sich die Ökonomisten in der RSDRP auf ihn. 17)



Berzin, Jan Karlowitsch 1888 - 1938
berzin_jan.jpg Der Sohn eines lettischen Landarbeiters schloss sich während der Revolution 1905 den Bolschewiki an. In der Revolution 1905 war er Mitglied einer Kampfgruppe und wurde zum Tode verurteilt und 1909 begnadigt. Er arbeitete in Riga und wurde 1911 verhaftet und verbannt. Er floh im Frühjahr 1914, wurde in die russische Armee eingezogen und desertierte 1915, arbeitete illegal in Petrograd. Nahm an der Revolution 1917 teil und wurde Redakteur der lettischen Parteizeitung der Bolschewiki. Mitglied des Parteikomitees von Wiborg. Im Dezember 1917 trat er in die neu gegründete Tscheka ein. Teilnehmer bei der Niederschlagung des Aufstandes der Sozialrevolutionäre in Jaroslawl 1918. 1919 im Volkskommissariat des Inneren Lettlands, nach der Niederlage in Lettland Arbeit in der Roten Armee. Mit den Lettischen Schützen verteidigte er Petrograd gegen die Offensive von Judenitsch, Teilnehmer am Krieg gegen Polen. 1921 an der Niederschlagung des Kronstadter Aufstandes beteiligt. 1921 Chef der Auslandsspionage. War am deutschen Oktober 1923 beteiligt und einem fehlgeschlagenen Aufstand in Estland 1924. 1924 Chef des Militärischen Geheimdienstes. Organisierte Agentenringe im faschistischen Deutschland, 1936/37 sowjetischer Militärberater im spanischen Bürgerkrieg. 1937 mit den Armeeführern verhaftet, zum Tode verurteilt und erschossen. 18)

Blanqui, Louis-Auguste 1895 - 1881
blanqui_louis.jpg Blanqui wirkte in Frankreich an der Revolution von 1830, an der Junirevolution 1848 und an der Pariser Commune 1870 mit. Er vertrat die Einrichtung von Geheimgesellschaften zum Sturz der Herrschenden als Weg für die proletarische Revolution. Für seine Verschwörungen saß er 28 Jahre in Gefängnissen und Zuchthäusern. Der Vorwurf des ‘Blanquismus‘ wurde immer wieder den Anhängern einer zentralisierten Partei von den Vertretern legal arbeitender Parteien gemacht, so von den Menschewiki an Lenin und die Bolschewiki. 19)




Bleikman, Joseph Solomonowitsch 1868 - 1921 auch: Bleichmann
In Litauen als Sohn eines Schusters geboren. Der Anarcho-Syndikalist war 1914 in Petersburg in der Gewerkschaftsbewegung tätig, wurde verhaftet und nach Sibirien verbannt. 1917 wurde er Mitglied des Petrograder und Kronstadter Sowjets, im Juni an der Mobilisierung der bewaffneten Demonstrationen zum Sturz der Provisorischen Regierung beteiligt, daraufhin verhaftet. Im Oktober Mitglied des Revolutionären Militärkomitees. Seit dem Januar 1918 stand er in Opposition zu der Sowjetregierung, Mitglied der Anarchistische Föderation. 1918 bis 1920 Freiwilliger der Roten Armee. Im Oktober verhaftet, dann möglicherweise Waldarbeiter, starb in Moskau. 20)

Blumkin, Jakow Grigorjewitsch 1898 - 1929
blumkin_jakow_grigorhewitsch.jpg Der Sohn jüdischer Eltern aus Odessa trat 1914 der Sozialrevolutionären Partei bei. Er bildete eine sozialrevolutionäre Kampfgruppe, schloss sich den LSR an, die ihn im Frühjahr 1918 für die Arbeit in der Tscheka nominierten. Die LSR beschlossen, den deutschen Botschafter in Russland, Wilhelm Graf von Mirbach-Harff, aus Protest gegen den Vertrag von Brest-Litowsk zu ermorden. Mit einem Tschekisten verschafften sie sich am 6. Juli 1918 Zugang zur Botschaft und erschossen Mirbach. Es sollte gleichzeitig das Fanal für einen bewaffneten Aufstand der LSR gegen die Bolschewiki sein, der schnell niedergeschlagen wurde. Blumkin wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, wurde Kommunist und 1920 amnestiert. Er kämpfte im Bürgerkrieg, arbeitete weiter in der GPU. 1929 besuchte er Trotzki heimlich in dessen Exil in Prinkipo. Als Anhänger der Linken Opposition wurde er zum Tode verurteilt. 21)

Bogdanow, Alexandr Alexandrowitsch 1873 - 1928
bogdanov_alexander.jpg Der Lehrersohn aus Tula trat 1896 der Sozialdemokratie bei. 1900 wurde der Arzt nach Wologda verbannt. Er schloss sich 1903 den Bolschewiki an und wurde Herausgeber der Prawda in Moskau. Mit Lunatscharski veröffentlichte er ‘Essay über 'eine realistische Konzeption der Welt‘. 1905 wurde er ins ZK der Bolschewiki gewählt sowie ins ZK des Petrograder Arbeiterrates, er war ein wichtiger Führer in der Revolution 1905. Im Dezember 1905 floh er nach Finnland und arbeitete eng mit Lenin zusammen. 1907 trat er mit der Mehrheit der Bolschewiki für den Boykott der Dumawahlen ein. Bogdanow war Anhänger des Philosophen Mach. 1908 wandte sich Lenin in seiner Schrift ‘Materialismus und Empirio-Kritizismus‘ gegen die philosophischen und politischen Konzeption Bogdanows. 1909 wurde er aus dem bolschewistischen Zentrum ausgeschlossen, er organisierte die Parteischulen in Capri und Bologna 1909/1910. 1911 wurde er nicht mehr ins ZK gewählt und ging nach Italien und Frankreich ins Exil, mit der Zeitschrift Wperjod war er einer der schärfsten innerparteilichen Kritiker Lenins innerhalb der Bolschewiki. Er verließ die Wperjod-Fraktion 1911 und kehrte 1913 nach einer Amnestie nach Russland zurück. An Krieg beteiligte er sich als Militärarzt. 1918 gründete er die Proletkult-Bewegung, die er 1921 verließ. 1928 beging er Selbstmord, was als Tod nach einem medizinischen Selbstversuch dargestellt wurde. 22)

Bogdanow, Boris Ossipowitsch 1884 - 1956
bogdanow_boris_ossipowitsch.jpg Trat 1905 den Menschewiki in Odessa bei, zwischen 19056 und 1917 war er in Petersburg, 'Liquidator' der illegalen Arbeit der RSDRP, war er in der legalen Presse und Arbeiterorganisationen aktiv. Während des Krieges war er Vaterlandsverteidiger, Sekretär der Arbeitergruppe des Kriegsindustrie-Komitees, Gründer des Petrograder Sowjets 1917. Als Führer der Gruppe der Revolutionären Vaterlandsverteidiger lehnte er jeden Kompromiss mit den Bolschewiki nach der Oktoberrevolution ab, verbrachte mehrere Jahrzehnte im Gefängnis und im Exil. 23)






Bontsch-Brujewitsch, Wladimir Dimitrijewitsch 1873 - 1955
bontsch-brujewitsch_wladimir.jpg 1893 Mitglied des Arbeiterbundes in Moskau, er war Spezialist für religiöse Minderheiten. 1903 wurde er Bolschewiki und Herausgeber des Wperjod 1904-1905. In der Februarrevolution wurde er Mitarbeiter der Zeitung des Petrograder Sowjets Iswestija. Er wurde enger Mitarbeiter Lenins, der sich nach den Juli-Tagen auf seiner Datscha in Finnland verbarg. Während der Oktoberrevolution war er Mitglied des Militär- Revolutionären Komitees, dann Sekretär des Rats der Volkskommissare, er entwarf das Dekret zur Enteignung der Banken und organisierte den Umzug der Regierung nach Moskau. Er editierte Tolstois Werke. 24)



Borochow, Ber 1881 - 1917
borochow_ber.jpg Der jüdische Schüler hatte keine Möglichkeit, die Universität zu besuchen. Er war Sozialist und Führer der Jüdischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Poale Zion (Arbeiter Gottes), 1900 in Jekaterinoslaw gegründet. Den Jüdischen Arbeiterbund (Bund) warf er die Ignoranz gegenüber dem Judentum vor. Die Arbeiter erst für ihre nationale und danach für ihre soziale Befreiung kämpfen. Für die Juden könne das Ziel weder in der Assimilation noch in der Emanzipation sondern nur in einem eigenen Staat Eretz Israel liegen. Hier könne das jüdische Proletariat einen ‘normalen‘ Klassenkampf führen und eine arbeitende Bevölkerung auf dem Lande bilden und landwirtschaftliche Kooperativen bilden. Im Gegensatz zu den Zionisten sah er das Problem der palästinensischen Bauern und Landarbeiter, dank der Arbeiter-Zionisten erhoffte er sich ‘normale‘ Beziehungen. 1914 ging er in die USA und wurde Sprecher der US-amerikanischen Poale Zion und des Jüdischen Kongresses. 1917 kehrte er nach Russland zurück und trat für die Gründung sozialistischer Siedlungen in Palästina ein. 25)

Bosch, Jewgenija Bogdanowna 1879 - 1925
bosch_jewgenija_clements_p.61.jpg Jewgenija Maisch, die Tochter eines aus Luxemburg immigrierten Handwerkers war früh mit einem Kleinunternehmer verheiratet, trat 1901 der RSDRP bei, studierte in Paris, ließ sich von ihrem Ehemann scheiden und leistete in Kiew Untergrundarbeit für die Bolschewiki. 1912 verhaftet und zur Verbannung nach Sibirien verurteilt, floh sie im gleichen Jahr über Wladiwostok nach Westeuropa. Nach der Februarrevolution kehrte sie nach Russland zurück und leistete Parteiarbeit in der Ukraine, sie wurde ins Zentralexekutivkomitee des Sowjets der Ukraine gewählt und gehörte nach der Oktoberrevolution der Sowjetregierung der Ukraine an. Als Linkskommunistin lehnte sie den Vertrag von Brest-Litowsk ab. Im Bürgerkrieg leistete sie politische Arbeit in der Roten Armee. 1923 unterschrieb sie die 'Erklärung der 46'. An Tuberkulose erkrankt, nahm sie sich 1925 das Leben. 26)



Bronski, Mieczyslaw 1882-1938
bronskiy_m_g.jpg Der in Lodsch geborene Pole war Mitglied der SDKPiL und stand auf der internationalen Konferenz von Kienthal 1916 auf der Seite Lenins. 1918 verteidigte er das russische Außenhandelsmonopol und die Streichung der Schulden der Zarensystems durch die Sowjetregierung. Der Linke Kommunist war Mitglied des Obersten Wirtschaftsrates. Nach der Unterzeichnung des Vertrages von Brest-Litowsk führe er Wirtschaftsverhandlungen in Deutschland, 1920 bis 1922 war er Botschafter in Wien, später in der Leitung des Finanz- Kommissariats. 27)




Bubnow, Andrei Sergejewitsch 1883 - 1940
bubnow_andrei.jpg In Iwanow-Wosnessensk geboren, schloss sich der Student der Landwirtschaft den Bolschewiki an,und wurde im Zarenreich dreizehn Mal verhaftet. 1909 war er 'Otsowist' und forderte mit Bogdanow den Boykott der dritten Duma. Im Februar 1917 kehrte er aus dem sibirischen Exil zurück. Auf dem 6.Parteitag im August 1917 wurde er ins ZK gewählt. Als Mitglied des Revolutionären Militärkomitees war er an Vorbereitung der Revolution in Moskau beteiligt. 1918 war er als Linker Kommunist Gegner der Unterzeichnung des Friedens von Brest-Litowsk. Im Bürgerkrieg kämpfte er in der Ukraine. 1920/21 war er Demokratischer Zentralist, was ihn nicht hinderte, auf dem 10. Parteitag 1921 gegen den Aufstand von Kronstadt zu kämpfen. 1924 unterstütze er Trotzkis Linke Opposition, brach aber schnell mit ihm. Er wurde Leiter der politischen Verwaltung der Roten Armee und erneut ins ZK gewählt. 1929 ersetzte er Lunatscharski als Volkskommissar für das Bildungswesen. 1937 wurde er aus dem ZK ausgeschlossen, verhaftet und vermutlich 1940 erschossen. 28)

Buchanan, George William 1854 - 1924
buchanan_george_william.jpg Der Sohn eines Botschafters wurde ebenfalls Diplomat. 1910 wurde er britischer Botschafter in Petrograd, er hatte enge Kontakte zu Zar Nikolaus und drängte ihn gegen den Widerstand der Zarin zu Reformen. Die guten Beziehungen übertrug er auf die Provisorische Regierung und Alexander Kerenski, dem er im Oktober zur Flucht im Botschaftsauto verhalf. Im Januar 1918 verließ er Russland. 29))





Bucharin, Nikolai Iwanowitsch 1888 - 1938
Bucharin wurde als Kind jüdischer Lehrer in Moskau geboren. Schon als Schüler radikalisierte er sich während des russisch-japanischen Krieges und schloss sich 1906 den Bolschewiki an. Er publizierte zu politischen ökonomischen und philosophischen Themen. Mitglied der Moskauer Parteileitung, verhaftet und 1911 verbannt. Er floh nach Westeuropa,und studierte.Im Weltkrieg war er revolutionärer Defätist und arbeitete in Westeuropa für sozialistische Zeitungen und zur Theorie des Imperialismus. Nach der Februarrevolution konnte er nach Russland zurückkehren, er wurde ins ZK der Bolschewiki gewählt und war von 1918 bis 1929 Herausgeber der Parteizeitung Prawda. Seit dem 7.Parteitag 1918 Mitglied des Zentralkomitees. 1918 war er Führungsmitglied der Linken Kommunisten, die sich innerhalb der KPR gegen den Friedensvertrag von Brest- Litowsk aussprach. 1920/21 war er Mitglied des Politbüros. Als er die Isolation der russischen Revolution erkannte, schwenkte er zum Befürworter der Neuen Ökonomischen Politik und zur Unterstützung eines Bündnisses mit den Bauern um und wurde Vertreter des ‘rechten‘ Parteiflügels. Nach dem Tode Lenins wurde er ins Politbüro gewählt; er verbündete sich mit der Stalinfraktion im Kampf gegen die Vereinigte Opposition und vertrat wie Stalin die These vom ‘Aufbau des Sozialismus in einem Lande‘. Ihm wurde 1925 die Parole, 'Bereichert euch' für die Bauern zugeschrieben.1926 wurde er anstelle von Sinowjew zum Vorsitzenden der Kommunistischen Internationale bestimmt, mit seiner Unterstützung wurden Sinowjew, Kamenew und Trotzki aus der Partei ausgeschlossen. Nach der Ausschaltung der Linken schwenkte Stalin zur bürokratischen Kollektivierung der Landwirtschaft um und brach mit den Rechten um Bucharin. Bucharin durfte in der KPSU bleiben und widerrief seine Positionen 1934. 1937 wurde er verhaftet und der Spionage beschuldigt, im dritten Moskauer Prozess gegen den ‘Block der Rechten und Trotzkisten‘ wurde er zum Tode verurteilt. 30)

Budjonny, Semjon Michailowitsch 1883 – 1973
budjonny_semjon.jpg Der Bauernsohn war im ersten Weltkrieg Wachtmeister in der Zarenarmee. Im Bürgerkrieg stieg er zum Reitergeneral auf, er kämpfte an der Spitze der 1.Roten Reiterarmee gegen General Denikin. In seiner Armee gab es Pogrome gegen Juden. Im russisch-polnischen Krieg war er Befehlshaber einer Armee. Als Anhänger Stalins bildete er mit Woroschilow eine ‘militärische Opposition‘ gegen Befehlshaber Trotzki. 1935 wurde er Marschall, er war einer der Richter, der Tuchatschewski im Rahmen der Säuberungen der Führer der Roten Armee zum Tode verurteilte. 31)




Bulygin, Alexandr Grigorjewitsch 1851 – 1919
bulygin_aleksandr_g..jpg Der Sohn eines Gutsbesitzers und Jurist war Gouverneur mehrerer Provinzen, als er nach dem Blutsonntag 1905 als Nachfolger von Swjatopolk-Mirski zum russischen Innenminister ernannt wurde. Er entwickelte die Verfassung vom August 1905, welche die Einberufung einer Duma als Zugeständnis an die Opposition machte, die sie als zu wenig weit gehendes Zugeständnis wertete. Im Oktober 1905 wurde er durch Petr N. Durnowo als Innenminister ersetzt. Während der Revolution wurde er im September 1919 erschossen. 32)




Chrustaljow-Nossar, Georgii Stepanowitsch 1879- 1919
Ein Arbeiter namens Chrustaljow wurde nach dem Blutsonntag 1905 in die Schidlowski-Kommission gewählt, er gab sein Mandat an den Anwalt Georgii Nossar weiter, der unter Chrustaljows Namen agierte. Er nahm als Delegierter der Druckergewerkschaft an den Sitzungen des neu gegründeten Petersburger Rats der Arbeiter-Deputierten, dem Sowjet, teil, zu dessen Vorsitzenden er gewählt wurde. im Dezember 1905 wurde er verhaftet. Er trat den Menschewiki 1907 bei, gab die Politik auf und wurde Journalist der Rechtspresse. 1917 tauchte er im Petrograder Sowjet auf und verlangte als der frühere Präsident seine Zulassung, wurde aber abgewiesen. Während des Bürgerkriegs in der Ukraine führte er eine kurzlebige ‘Chrustaljow-Republik‘ und wurde erschossen. 33)

Cromie, Francis 1882-1918
cromie_francis.jpg Der britische Marineoffizier hatte sich 1900 bei der Unterdrückung des Boxeraufstandes ausgezeichnet. 1916 versenkte er als U-Boot-Kommandant deutsche Schiffe in der Ostsee. Als Militärattaché in Petrograd stellte er 1918 Kontakte zu Konterrevolutionären her und finanzierte sie. Am 31. August 1918 stürmte die Tscheka die britische Vertretung in Petrograd, dabei wurde Cromie erschossen. 34)





Dan, Fjodor Iljich 1871-1949 (Gurwitsch)
dan_fjodor.jpg Er wurde in einer jüdischen Familie in Petersburg geboren. Als Jugendlicher schloss er sich dem Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse an. 1896 wurde er verhaftet und zur Verbannung verurteilt. Bei seiner Rückkehr schloss er sich der RSDAP an und nahm am Parteitag 1903 in London teil. Er schloss sich den Menschewiki an. 1912 kehrte er nach Petersburg zurück, beim Kriegsausbruch wurde er wieder verbannt. Nach der Februarrevolution war er im Präsidium des Moskauer Arbeiter- und Soldatenrates und trat für den Eintritt der Menschewiki in die Provisorische Regierung und die Fortsetzung des Krieges an der Seite der Alliierten ein. In der Provisorischen Regierung wandte er sich gegen die Bolschewiki. Nach dem Oktober schloss er sich den Menschewiki-Internationaisten an und suchte einen Ausgleich mit den Bolschewiki. 1921 wurde er exiliert. 35)

Denikin, Anton Iwanowitsch 1872 - 1947
denikin_anton.jpg Der General war 1917 Oberbefehlshaber der russischen Truppen an der West- und Südwestfront. Er war im August am Kornilow-Putsch beteiligt. Nach der Oktoberrevolution kämpfte er mit Kornilow im Bürgerkrieg in Südrussland gegen die Bolschewiki, nach dessen Tod übernahm er die Führung der Weißen Truppen, im Sommer und Herbst 1919 versuchte auf Moskau vorzustoßen und wurde von der Roten Armee zurück geschlagen. 1920 zog er sich auf die Krim zurück und ging ins Exil. 36)




Deutsch, Lew Grigoriewitsch 1855 – 1941
deutsch_lew.jpg Der Sohn eines jüdischen Händlers wurde Narodnik und Mitglied von Semlja i Wolja (Land und Freiheit) und der Tschorni Peredel (Schwarze Umteilung), die unter Bauern und Arbeitern Propaganda machten. Gemeinsam mit Plechanow, Axelrod und Sassulitsch gründete er 1883 in Genf die Gruppe Befreiung der Arbeiter, die einen Bruch mit den Volkstümlern machte und die marxistische Gruppe in Russland war. 1884 wurde er in Deutschland verhaftet und nach Russland ausgeliefert und zu 13 Jahren Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt. Er entkam 1901 und schloss sich der RSDRP an, er nahm an ihrem 2.Parteitag 1903 in London teil, dort stand er auf dem rechten Flügel der Menschewiki. 1905 kehrte er nach Russland zurück, wurde wieder festgenommen und zum Exil in Sibirien verurteilt, konnte wieder fliehen. Die Februarrevolution 1917 beendete sein Exil. Er schloss sich der Gruppe Jedinstwo (Einheit) von Plechanow an, die auf dem rechten Flügel der sozialdemokratischen Bewegung stand, er war Gegner der Oktoberrevolution. 37)

Dimanstein, Semjon Markowitsch 1886 – 1938
dimanstein_semjon.jpg Der Sohn eines jüdischen Blechschmieds aus der Provinz Witebsk schloss sich 1904 der RSDRP an, als Bolschewik führte er Auseinandersetzungen mit dem Bund und den anderen jüdischen und zionistischen Parteien. 1908 wurde er zur Verbannung nach Sibirien verurteilt und entfloh nach Frankreich. Im März 1917 konnte er nach Russland zurückkehren, er war Mitherausgeber der bolschewistischen Soldatenzeitung, im Januar 1918 wurde er zum Vorsitzenden der Jüdischen Sektion der KPR (Jewsektija); der Stalin- Anhänger arbeitete in zahlreichen jüdischen Zeitungen und war in den zwanziger Jahren Vorsitzender der jüdischen Landkommunen. 1938 wurde er verhaftet und zum Tode verurteilt. 38)



Dserschinski Feliks Edmundowitsch 1877 – 1926
Der Sohn eines kleinen Landadligen wurde in Weißrussland geboren. Als Schüler wurde er wegen revolutionärer Aktivität vom Gymnasium relegiert. 1900 wurde er Mitbegründer der SDKPiL, 1902 übernahm er die Auslandsleitung und 1903 wurde er in die Führung gewählt. In der Revolution 1905/1906 war er ein führender Aktivist der Partei in Kongresspolen und vertrat die SDKPiL im Zentralkomitee der RSDRP. Der enge Mitarbeiter von Rosa Luxemburg wurde sechs mal inhaftiert und zweimal nach Sibirien verbannt. 1917 trat er der Bolschewistischen Partei bei, er wurde Mitglied des ZKs. Während der Oktoberrevolution war er ein Führer des bewaffneten Aufstands, es gründete die politische Polizei Tscheka, deren Leiter er bis zu seinem Tod blieb. Er bekämpfte Lenin bei der Ablehnung des Friedens von Brest-Litowsk. Zeitweise war er Volkskommissar für Innere Angelegenheiten und für Verkehr. Er war ab 1924 Präsident des Nationalen Wirtschaftsrates. Auf der ZK-Sitzung über die Frage der Vereinigten Opposition 1926 erlitt der Anhänger Stalins einen Herzinfarkt. Der Chef der Tscheka war er bei seinen Gegnern verhasst, persönlich integer. 39)

Dubrowin, Alexander Iwanowitsch 1855 – 1921
dubrowin_aleksandr.jpg Der Arzt war Führer des orthodox-nationalistischen monarchistischen Bunds des Russischen Volkes, Der Antisemit und Anti-Freimaurer beteiligte sich an der Organisierung der Schwarzhundertschaften. Sein Bund hatte großen Anhang unter Bauern, dem Kleinbürgertum und Lumpenproletariat. In der Duma befürwortete er die absolute Herrschaft des Zaren. Seine Partei spaltete sich über die Frage der Unterstützung des Oktobermanifestes des Zaren 1905. 40)




Dubrowinski, Josif Federowitsch 1877-1913 (Innokenti)
In der Provinz Orel geboren, trat er 1877 dem Volkswillen bei, wurde dann Marxist. 1897 verhaftet und in die Provinz verbannt, im Exil wurde er Agent der Iskra. 1903 ging er nach Samara und leitete das dortige Komitee, er wurde für die Bolschewiki ins ZK der RSDRP gewählt. Er gehörte zur Gruppe der Versöhnler. In der Revolution 1905 arbeitete er in Sankt Petersburg und Moskau, wo er sich am Aufstand beteiligte. 1906 und 1907 im Gefängnis, kam er frei und beteiligte sich am 5.Parteitag, von dem er wieder ins ZK gewählt wurde. 1908 verbannt, floh er nach Paris und beteiligte sich an der Herausgabe des Proletari. Er setzte sich für die Versöhnung der Fraktionen der RSDRP ein. 1910 kehrte er nach Russland zurück und arbeitete im Russischen Büro des Zentralkomitees. Möglicherweise auf Denunziation von Malinowski wurde er festgenommen und verbannt. Schwer tuberkulosekrank beging er Selbstmord. 41)

Durnowo, Pjotr Nikolajewitsch 1843/45 - 1915
durnowo_pjotr_nikolajewitsch.jpg Der adlige Offizier wurde nach dem Oktobermanifest des Zaren 1905 von Witte zum Innenminister berufen, er leitete die Unterdrückung des Moskauer Aufstandes und schloss oppositionelle Zeitungen. Nach der Absetzung Wittes im April 1906 verlor er seinen Ministerposten, im Senat war er Unterstützer der Schwarzhundertschaften. Im Frühjahr 1917 wandelten Anarchisten die Villa des Verstorbenen in ein ‘alternatives Zentrum‘ um, das politische Gruppen und die Bewohner der Umgebung nutzten. Die Provisorische Regierung ließ es militärisch räumen. 42)





Dybenko, Pawel Jefimowitsch 1889- 1938
dybenko_pawel.jpg Der ukrainische Bauernsohn wurde 1907 Bolschewiki, 1911 Matrose der Baltischen Flotte. 1912 trat er in Riga der Bolschewistischen Partei bei. 1915 beteiligte er sich an einer Meuterei, wurde wegen antimilitaristischer Propaganda inhaftiert. Die Februarrevolution befreite ihn, er kehrte zur Baltischen Flotte zurück, wurde Mitglied im Sowjet von Helsingfors und im April Führer des Zentrobalt. Nach der Unterstützung der Kronstadter Matrosen für die Demonstrationen im Juli 1917 wurde er von der Provisorischen Regierung inhaftiert. Im Oktober freigelassen, beteiligte er sich im RMK Petrograds an der militärischen Vorbereitung der Oktoberrevolution. Als erster Volkskommissar für Militär- und Marineangelegenheiten führte er die Truppen zur Verteidigung Petrograds und zerschlug die Gegenoffensive Kerenskis. Als Gegner des Vertrages von Brest-Litowsk ging er in die Ukraine kämpfte er die Invasion, wurde verhaftet und aus der Partei ausgeschlossen, aber wieder aufgenommen.Im Bürgerkrieg war er Kommandeur der Roten Armee. Nach der Verurteilung Tuchatschewskis 1937 wurde er selbst verurteilt und erschossen. 43)

Engels, Friedrich 1820 – 1895
engels_1858.jpg Der Sohn eines Elberfelder Baumwollfabrikanten wandte sich als Student den Junghegelianern zu, lernte Karl Marx kennen und beteiligte sich an der Revolution 1848. In der Schrift ‘Die deutsche Ideologie‘ und in ‘Die Lage der arbeitenden Klassen in England‘ formulierte er mit Marx die auf eine Revolution der internationalen Arbeiterklasse ausgerichtete Theorie. Für den Bund der Kommunisten verfassten beide 1848 das ‘Kommunistische Mainfest‘. Er musste bis 1870 als Unternehmer arbeiten und finanzierte Marx‘ Studien zum ‘Kapital‘. Die materialistische Geschichtsauffassung popularisierte er mit der Schrift 'Herrn Eugen Dürings Umwälzung der Wissenschaft' (dem Anti-Düring)., er gab den zweiten und dritten Band vom ‚Kapital‘ heraus. Auf die entstehende Sozialdemokratie hatte Engels einen großen Einfluss.


Erlich, Henryk 1882 - 1942
In einer jüdischen Familie in Lublin (Russisch-Polen) geboren, 1902 studierte er in Warschau und wurde Mitglied des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes (Bund). 1904 wurde er verhaftet und ging nach seiner Freilassung nach Berlin. 1905 nahm er an der Revolution teil. 1913 wurde er in das ZK des Bundes berufen. 1917 wurde er als Menschewiki in die Exekutive des Petrograder Arbeiterrats gewählt. In der Oktoberrevolution spaltete sich der Bund in Befürworter und Gegner des Bolschewismus, Erlich ging nach Warschau. In Polen führte er seine Partei ins parlamentarische System. Beim Einmarsch der Sowjetunion in Polen 1939 wurde er vom NKWD festgenommen, zum Tode verurteilt und freigelassen, er war im jüdischen antifaschistischen Komitee tätig, 1941 wieder festgenommen, erhängte er sich. 44)

Frunse, Michail Wassiljewitsch 1885 – 1925
frunse_mikhail.jpg Der Sohn einer bessarabischen Bauernfamilie schloss sich 1903 den Bolschewiki an. 1905 führte er die streikenden Textilarbeiter von Iwanowo-Wosnessensk an, er war Teilnehmer des Moskauer Aufstandes 1905. 1907 wurde er verhaftet und zum Tode verurteilt, seine Strafe wurde zu Zwangsarbeit in Sibirien umgewandelt, 1914 konnte er fliehen. Nach der Februarrevolution wurde er in Minsk Chef der Miliz und dann zum Präsidenten des Sowjets von Weißrussland gewählt. Nach Iwanowo zurück, organisierte er während der Oktoberrevolution eine Streitmacht von 2.000 Männern, die sich an den Kämpfen in Moskau beteiligten. Während des Bürgerkriegs wurde er 1918 Kommandant der Südfront, später der Ostfront. Er zerschlug die anarchistische Bewegung Machnos und die Nationalisten Petljuras. 1921 wurde er ins ZK gewählt, 1925 war er Trotzkis Nachfolger als Volkskommissar für Verteidigung. Er gehörte zur Sinowjew-Fraktion im Fraktionskampf der zwanziger Jahre. Er starb während einer Operation. 45)

Fürstenberg siehe Ganezki

Ganezki, Jakub 1879 - 1937
ganezki-hanecki_jakub.jpg Jakow Stanislawoitsch Fürstenberg stammte aus einer polnischen Industriellenfamilie. 1896 trat der Sozialdemokratie bei. 1901 studierte er in Deutschland. Er war Mitbegründer der SDKPiL und nahm in Polen an der Revolution von 1905 teil, 1907 wurde er ins ZK der RSDRP gewählt. 1912 bis 1914 organisierte er den Kontakt Lenins in Krakau mit Polen und Russland. Während des Krieges ging er nach Skandinavien und organisierte den Untergrund-Kontakt zwischen Lenin in der Schweiz und Schljapnikow, dem verantwortlichen Kontaktmann in Petrograd. Er war Teilnehmer der Konferenz von Zimmerwald. Von Skandinavien aus unterstützte er 1917 mit einer Handelsgesellschaft, an der Parvus beteiligt war, die Bolschewiki möglicherweise mit Geld des deutschen Außenministeriums. Nach der Revolution wurde er Notenbankchef und stellvertretender Volkskommissar für Finanzen. Er verhandelte 1920 den Frieden von Riga zwischen Russland und Lettland. Bis 1935 war in exekutiven Funktionen tätig. 1937 wurde er der Spionage verdächtigt und zum Tode verurteilt. 46)

Gapon, Georgi Apoolonowitsch 1870 – 1906
Der orthodoxe Priester war als Gefängnispfarrer tätig, er rief 1903 mit staatlicher Genehmigung die Versammlung der Russischen Fabrikarbeiter in Sankt Petersburg ins Leben, die von der Ochrana unterwandert war. Am 9. Januar 1905 führte Gapon einen Demonstrationszug von mehreren zehntausend Arbeitern zum Winterpalais, um dem Zaren eine Bittschrift mit Forderungen nach sozialen Reformen zu überreichen. Dieser ließ auf die friedliche Versammlung mit Zarenbildern schießen, wobei über tausend Demonstranten ums Leben kamen. Der ‘Blutsonntag‘ war der Anfang der Revolution von 1905. Er trat den Sozialrevolutionären bei, kehrte nach einer Zarenamnestie aber nach Russland zurück, um in legalen Arbeiterorganisationen zu arbeiten. 1906 wurde er als Agent der Ochrana von einer sozialrevolutionären Gruppe getötet. 47)

Gastew, Alexei Kapitonowitsch 1882 - 1939
Geboren als Sohn eines Lehrers und einer Näherin geboren. Vom Studium wegen revolutionärer Aktivitäten relegiert, schloss er sich 1901 der RSDRP an, organisierte Arbeiter in Kostroma, mehrmals in Verbannung geschickt und Flucht. Während der Revolution 1905 organisierte er 1906 die Metallarbeiter-Gewerkschaft in Sankt Petersburg. Im Exil in Frankreich arbeitete er als Metallarbeiter und schloss sich den Syndikalisten an. 1907 distanzierte er sich von den Bolschewiki und schloss sich der Wperjod-Gruppe um Bogdanow an. 1913 kehrte er nach Russland zurück, wurde wieder festgenommen und floh. 1917 und 1918 wurde er erster Vorsitzende der Gesamtrussischen Metallarbeiter-Gewerkschaft. Mitglied des Proletkult. Er beschäftigte sich mit der von Frederick Taylor begründeten Arbeitswissenschaft. Er wurde erst 1931 Mitglied der KPSU. 1938 wegen konterrevolutionärer Tätigkeiten verhaftet und erschossen. 48)

Golitsyn, Nikolai Dimitijewitsch 1850 – 1925
golitsyn_nikolai_dimitriewitsch.jpg Der aus den galizischen Adel stammende Beamte machte eine Karriere in der zaristischen Verwaltung. Im Januar 1917 wurde er der letzte Ministerpräsident des Zaren. Nach der Revolution blieb er in Russland und soll keine politische Position bezogen haben. Er wurde auf Initiative der GPU erschossen. 49)






Goremykin, Iwan Logginowitsch 1839 – 1917
goremykin_iwan.jpg Der adlige Grundbesitzersohn machte im Staatsdienst Karriere. Er wurde Innenminister im April 1906 wurde er als Nachfolger Wittes zum Ministerpräsidenten ernannt, er war gegen die Agrarreform des Innenministers Stolypin, der im Juli sein Nachfolger wurde. Im Februar 1914 ernannte ihn der Zar wegen seiner Loyalität erneut zum Ministerpräsidenten. Als einziger Minister unterstützte er die Übernahme des Oberbefehls der Armee durch den Zaren im September 1915. Als er im Februar 1916 das Vertrauen der Zarin Alexandras und ihres Günstlings Rasputin verlor, wurde er durch Boris Stürmer ersetzt. Nach der Februarrevolution wurde er verhaftet und in seinem Haus in Sochi unter Hausarrest gestellt, wo er im Dezember 1917 bei einem Raubüberfall ermordet wurde. 50)


Gorki, Maxim 1868 – 1936
gorki_maxim.jpg In ärmlichen proletarischen Verhältnissen geboren kam er mit Sozialisten in Kontakt. Er wurde als Schriftsteller populär, nach dem Blutsonntag 1905 wurde er festgenommen und auf öffentlichen Druck wieder freigelassen. Bei der Zeitschrift Nowaja Schism (Neues Leben) lernte er Lenin kennen. Er ging ins Exil, auf Capri gründete er eine Parteischule der Bolschewiki. Er schloss sich mit Alexandr Bogdanow den Theorien der ‘Gotterbauer‘ an, die Lenin als Abweichung vom Marxismus bekämpfte. 1913 konnte er nach Russland zurück kehren. Als Revolutionär war er 1917 der Meinung, dass das russische Volk noch nicht reif für die Revolution sei. Er gründete die Tageszeitung Nowaja Schism, die 1918 verboten wurde. 1920 wurde seine Frau Maria Fjordorowna Andrejewa zur Volkskommissarin fürs Theater- und Kunstwesen. er unterstützte notleidende Intellektuelle. Er zog zur Behandlung seiner Tuberkulose ins Ausland 1927 kehrte der gefeierte Schriftsteller in die Sowjetunion zurück und wurde zeitweise Mitglied des Zentralkomitees. 51)

Gots, Avram Rafailowitsch 1882 – 1940 (?)
gots_avram.jpg Er kam aus einer wohlhabenden Moskauer Familie. Er schloss er sich während seines Studiums in Deutschland den Sozialrevolutionären an. Er nahm an der Revolution 1905 teil und war zeitweise Mitglied der Kampforganisation der PSR, die Terrorakte und ‘Enteignungen‘ durchführte. 1907 wurde er verhaftet und zu Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt. Nach der Februarrevolution kehrte er nach Petrograd zurück und wurde ein führendes Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats. Der erste allrussische Sowjetkongress im Juni 1917 wählte ihn seine Exekutive. Er stand auf dem rechten Flügel der PSR, unterstützte die Vaterlandsverteidigung und arbeitete eng mit den Menschewiki zusammen. Er wandte sich gegen die Oktoberrevolution und war Mitglied des Komitees zur Rettung des Vaterlandes und der Revolution. Er unterstützte die Weißen nicht im Bürgerkrieg. 1920 wurde er mit 33 anderen PSR-Führern verhaftet, 1922 stand er im Prozess gegen die rechten Sozialrevolutionäre vor Gericht, wurde zum Tode verurteilt, die Strafe wurde in Haft umgewandelt. Später arbeitete er in Alma-Ata. 1937 wurde er wieder verhaftet, es ist nicht geklärt, ob er 1937 erschossen wurde oder bis 1940 überlebte. 52)

Grigoriew, Nikifor Aleksandrowitsch 1885 - 1919
grigoriew_nikifor.jpg Das ukrainische Bauernkind war im Krieg ein für seine Tapferkeit ausgezeichneter Soldat, 1917 wurde er Sozialrevolutionär. Er unterstützte die ukrainische Rada, nach dem Staatsstreich von Skoropadski im April 1918 diente als Oberst. Im Sommer 1918 rebellierte er und gründete eine Partisanentruppe, schloss sich dann der Armee Petljuras an. Im Februar 1919 lief er mit seiner Truppe zu den Bolschewiki über. Er stand den Sozialrevolutionären nahe, er bekämpfte die französisch-griechische Interventionsarmee und besetzte im April 1919 Odessa. Die Bolschewiki protestierten gegen seine Willkürherrschaft und die Disziplinlosigkeit seiner Truppe. Er war militanter Antisemit, seine Soldaten veranstalteten Pogrome. Er desertierte mit seiner Truppe im Mai 1919, nach Niederlagen gegen die Rote Armee hielten seine und Machnos Anhänger eine Versammlung ab. Als Grigoriew sich für den Übertritt zu Denikin aussprach, wurde er von einem Mann Machnos erschossen, 53)



Grimm, Robert 1881-1958
grimm_robert.jpg Der Buchdrucker und Typograph trat 1899 der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz bei, 1909 wurde er Chefredakteur der Berner Tagewacht. Während des Krieges organisierte er die Konferenzen von Zimmerwald und Kienthal sowie 1917 die Rückkehr der russischen Revolutionäre in plombierten Eisenbahnwagen durch Deutschland. Im Frühsommer wurde er von der Provisorischen Regierung als deutscher Agent aus Russland ausgewiesen. Als Vertreter des linken Flügels der schweizer Sozialdemokratie lehnte er 1920 den Beitritt zur Kommunistischen Internationale ab. 54)



Gusew, Sergei Iwanowitsch 1874 – 1933
gusew_sergei.jpg Als Sohn eines Lehrers in Rostow-am-Don geboren, ging er zum Studium nach Sankt Petersburg, schloss sich den Bolschewiki an, musste zeitweise ins Ausland. ab Dezember 1904 war er Sekretär der Petersburger Organisation der Bolschewiki, er war ein wichtiges Leitungsmitglied während der Revolution 1905. 1917 war er Sekretär des Petersburger Revolutionären Kriegskomitees. Im Bürgerkrieg wurde er General im Revolutionären Militärrat der Roten Armee und arbeitete dann im Apparat der Komintern.




Gutschkow, Alexandr Iwanowitsch 1862 - 1936
gutschkow_aleksandr.jpg Der Fabrikbesitzersohn war 1905 Gegner der Revolution. Er war Mitbegründer der Oktobristen-Bewegung, und trat für eine konstitutionelle Monarchie nach britischem Vorbild ein. Er wurde die dritte Duma und zum Präsidenten der Duma gewählt, 1913 gründet er die Progressive Partei. Im Krieg unterstützt er imperialistische Ziele und wurde Vorsitzender des Kriegs-Industrie-Komitees, einer Organisation von Industriellen zur Belieferung des Krieges, in dem auch Arbeitervertreter saßen. Nach der Februarrevolution wurde er Kriegs- und Marineminister in der ersten Provisorischen Regierung. Er konnte Nikolaus II. zum Thronverzicht bewegen. Als Unterstützer der Fortsetzung des Krieges musste er im Mai 1917 zurücktreten. Er unterstützte die Weißen und emigrierte nach Deutschland. 55)



Gwosdew, Kusman Antonowitsch 1883 -
Bäuerlicher Herkunft, sozialrevolutionärer Metallarbeiter bis 1905, im Gefängnis wurde er Menschewiki, Vorsitzender der Petersburger Gewerkschaft der Metallarbeiter 1909 bis 1911 bis zu seiner zweiten Verhaftung. Im Krieg in Konsumgenossenschaft tätig, Vorsitzender der Arbeitergruppe des Zentralen Kriegsindustrie-Komitees. Mitbegründer des Petrograder Arbeiterrats, revolutionärer Vaterlandsverteidiger, Arbeitsminister in der Provisorischen Regierung. Er suchte nach der Oktoberrevolution eine Verständigung mit den Bolschewiki, arbeitete in Wirtschaftsorganisationen. 56)

Hanecki siehe Ganezki

Helphand siehe Parvus

Herzen, Alexander Iwanowitsch 1812-1870
herzen_aleksandr.jpg Er wurde früh vom Dekabristenaufstand 1825 beeinflusst und schloss sich oppositionellen Studentenzirkeln an. 1834 wurde er verhaftet und verbannt, trat dann in den Staatsdienst ein, als Mitglied eines Oppositionellen-Zirkels wurde er von Hegel beeinflusst. 1847 emigrierte er, erlebte in Paris die Februarrevolution. 1852 ging er nach London und engagierte sich für die demokratische Bewegung, zwischen 1857 und 1867 gab er die Zeitschrift Kolokol (Die Glocke) heraus, mit der er großen Einfluss auf die intellektuelle Opposition seines Heimatlandes ausübte und einen großen Beitrag zur Entwicklung der Narodniki leistete. Als er 1863 den polnischen Aufstand unterstütze, ging sein Einfluss in Russland zurück. 57)


Hilferding, Rudolf 1877 - 1941
hilferding_rudolf.jpg Sohn bürgerlicher Wiener Eltern. Der Wirtschaftstheoretiker schloss sich der Sozialdemokratie an und ging nach Deutschland. Als Mitglied der USPD ging er 1922 zurück zur SPD. 1923 Mitglied der Regierung Stresemann, 1928/29 in der Regierung Müller wieder Finanzminister. Ging 1933 ins Exil, 1941 in Frankreich verhaftet und im Pariser Gestapo-Gefängnis gestorben. Als Vertreter des Austromarxismus vertrat er besonders in seinem Hauptwerk 'Das Finanzkapital' die sozialdemokratische Hinwendung zum Reformismus. Lenin wurde von ihm bei der Entwicklung seiner Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus beeinflusst. 58)




Jaurès, Jean 1859 – 1914
jaures_jean.jpg Der Sohn eines französischen Textilhändlers wurde 1885 als gemäßigter Republikaner ins Parlament gewählt. 1892 solidarisierte er sich für die streikenden Bergarbeiter von Carmaux und wandte sich als begeisternder Redner dem Sozialismus zu. Er war einer der Mitbegründer der Section Française de l’Internationale Ouvrière SFIO aus den verschiedenen sozialdemokratischen Gruppierungen 1905. Er trat wortgewaltig für Pazifismus und Reformismus ein. Am Vorabend des ersten Weltkrieges erlag er einem Mordanschlag. 59)




Joffe, Adolf Abramowitsch 1883 - 1927
joffe_adolf.jpg Der Sohn eines reichen jüdischen Bourgeois, Freund des Regierungschefs Witte, wurde 1902 Mitglied der RSDRP, studierte in Berlin Medizin und beteiligte sich an der Revolution von 1905. 1906 bis 1912 gab er mit Trotzki die Prawda in Wien heraus. 1912 kehrte er nach Russland zurück, wurde verhaftet und nach Sibirien verbannt. 1917 trat er mit den Meschrajonzi den Bolschewiki bei und wirkte an der Vorbereitung der Oktoberrevolution mit. 1917/18 war er einer der Parteisekretäre und Kandidat des ZK. Er war Mitglied der russischen Delegation bei den Verhandlungen des Vertrages von Brest-Litowsk, dann Botschafter in Deutschland. Er verhandelte 1920 den Frieden von Riga mit Lettland, Teilnehmer der russischen Delegation der Konferenzen von Genua und Rapallo, Botschafter in China, Großbritannien und Österreich. 1926 trat er aus gesundheitlichen Gründen von seinen Posten zurück. Aus Protest gegen den Ausschluss Trotzkis aus der KPSU beging er Selbstmord. 60)

Jogiches, Leo (Tyszka) 1867 - 1919
jogiches_leo.jpg Bereits als Jugendlicher organisierte der Sohn eines Kaufmanns einen Arbeiterzirkel in seiner Heimatstadt Wilna. 1888 wurde er verhaftet und floh 1890 in die Schweiz, wo er mit Plechanow und anderen Sozialdemokraten in Kontakt kam. 1893 war er Mitbegründer der Sozialdemokratie des Königreichs Polens (SDKP), organisierte z.T. von Berlin aus für die illegale Partei, war Lebensgefährte von Rosa Luxemburg. 1905 führte er in Warschau die SDKPiL, wurde verhaftet und floh wieder. Als Teilnehmer am 5.Parteitag der RSDRP in London wurde er ins ZK gewählt. In Berlin stand er auf dem linken Flügel der SPD, war 1918/19 Mitbegründer des Spartakusbundes und der KPD. Im März 1919 wurde er festgenommen und im Gefängnis von Soldaten ermordet. 61)



Judenitsch, Nikolai Nikolajewitsch 1862 – 1933
judenitsch_nikolai.jpg In ersten Weltkrieg war er Kommandeur der russischen Kaukasus-Armee, Kerenski setzte ihn nach der Februarrevolution 1917 ab. Nach der Oktoberrevolution floh er nach Finnland. Als Führer der weißen Armee übernahm er das Kommando, mit Unterstützung der Alliierten sammelte er Freiwillige zum Kampf gegen die Sowjetmacht. Im Juni 1919 wurde er zum Oberkommandierenden der Nordwestlichen Weißen Armee, im August gründete er eine Regierung mit Monarchisten, Sozialrevolutionären und Menschewisten. Im Oktober 1919 stieß er von Estland bis auf die Vororte von Petrograd vor und wurde von der Roten Armee und den Petrograder Arbeitern geschlagen. Die neugebildete estnische Regierung nahm ihn gefangen, auf alliierten Druck kam er nach Frankreich ins Exil. 62)



Jurenew, Konstantin Konstantinowitsch 1888 - 1938
jurenew_konstantin_konstantinowitsch.jpg Er trat 1905 der RSDRP bei, wurde im Krieg zur Armee eingezogen und desertierte 1916. Er war seit 1913 Mitglied der Meschrajonzi-Tendenz und trat mit ihr im Sommer 1917 der bolschewistischen Partei bei. Mitglied der Exekutive des Petrograder Arbeiterrates. Auf dem Parteitag trat er gegen die neue Linie auf, die Losung ‘Alle Macht den Räten‘ aufzugeben, das würde die Bolschewiki isolieren. Er wurde Mitglied im Petrograder Militärischen Revolutionskomitee und war Führer der Roten Garden; im Kriegskommissariat baute er die Rote Armee mit auf. 1921/22 war er Vertreter der Sowjetregierung in Volksrepublik Buchara, später auf diplomatischen Posten in Lettland, der Tschechoslowakei, Italien, in Japan und Deutschland. 1937 wurde er verhaftet und 1938 erschossen. 63)


Kaganowitsch, Lasar Moissejewitsch 1889 – 1991
kaganowitsch_lasar_moissejewiitsch.jpg Sohn jüdischer Eltern arbeitete als Schuster. 1911 schloss er sich der RSDRP an, er arbeitete unter den jüdischen Arbeitern in der Ukraine und Weißrussland. Im Krieg arbeitete er im Donez-Becken. Nach der Februarrevolution wurde er zur Armee eingezogen und arbeitete für die bolschewistische Partei in Saratow. Seiner Verhaftung entzog er sich durch Flucht nach Weißrussland, wo er an der Revolution teilnahm. Er wurde Propagandist in der Roten Armee, 1920 kam er in den Rat der Volkskommissare in Turkestan. Als Anhänger Stalins kam er 1922/23 ins Sekretariat des Zentralkomitees, 1924/25 wurde er Sekretär des Zentralkomitees. Er beteiligte sich am Fraktionskampf gegen Sinowjew und Kamenew, 1925 bis 1928 war er Generalsekretär der Partei in der Ukraine. Er förderte die Ukrainisierung der Sprache und Kultur. 1928 bis 1939 war er wieder Sekretärs des Zentralkomitees. 1930 bis 1957 war er Mitglied des Politbüros der KPSU. Er war Architekt der Kollektivierung und bekleidete zahlreiche Ministerämter. Von Chrustchow wurde er nach Stalins Tod entmachtet. 64)

Kaledin, Alexei Maximowitsch 1861 – 1918
kaledin_general_alexei.jpg Der Kosakengeneral befehligte im Weltkrieg die 8.Armee an der Westfront. Er wurde von der Provisorischen Regierung abgesetzt, da er der Forderung nach Demokratisierung des Heeres nicht folgte. Im Juni 1917 wurde er von den Don- Kosaken zum Ataman gewählt. Nach dem versuchten Staatsstreich flüchtete Kornikow ins Don-Gebiet, nach der Oktoberrevolution erklärte Kaledin das Gebiet für unabhängig. Er fand unter den kriegsmüden Kosaken wenig Unterstützung, vor der anrückenden Roten Armee beging er Selbstmord. 65)





Kalinin, Fedor Iwanowitsch 1882 - 1920
Sohn eines Webers, jüngerer Bruder vom Michail Kalinin. Seine politische Aktivität brachte im 1901 die Strafe der Verbannung ein, 1905 aktiv und wieder drei Jahre Gefängnis. Mitglied der der Bolschewiki, Teilnehmer an den Parteischulen von Capri und Bologna und der Gruppe Wperjod um Lunatscharski und Bogdanow. 1913 Sekretär des Zirkels für Proletarische Literatur in Paris. 1917 wurde er in die Leitung des Proletkult gewählt, im Kommissariat für Volksbildung wurde er Leiter der Sektion Redakteur der Proletarskaja Kultura. 66)

Kalinin, Michail Iwanowitsch 1875 - 1946
kalinin_mikhail.jpg Der Bauernsohn arbeitete ab 1896 als Dreher im Putilow-Werk in Sankt Petersburg, Zu dieser Zeit wurde er Mitglied des Kampfbundes zur Befreiung der Arbeiterklasse und ab 1898 der RSDRP. er wurde verhaftet und arbeitete in vielen Städten und leistete dort Parteiarbeit, er suchte immer wieder in die Hauptstadt zurück zu kehren. 1912 wurde er zum Kandidaten des ZK der bolschewistischen Partei gewählt. Anfang 1917 wurde er zur Verbannung nach Sibirien verurteilt. Nach der Oktoberrevolution wurde er zum Vorsitzenden des Stadtsowjets von Petrograd gewählt. 1919 wurde er ins ZK gewählt und nach dem Tode Swerdlows zum Vorsitzenden de Exekutivkomitees des Sowjets. Damit war er formell ‘Staatspräsident‘, das Amt behielt er bis 1946. Der 10.Parteitag 1921 wählte ihn zum Kandidaten des Politbüros. Er war Anhänger der Stalin-Fraktion. 67)


Kamenew, Lew Borissowitsch 1883 – 1936
kamenew_lew.jpg Der Sohn eines Eisenbahners schloss sich als Student 1901 der russischen Sozialdemokratie an, nach einer Verhaftung ging er ins Ausland und arbeitete mit der Gruppe der Iskra zusammen. Nach der Teilnahme am 3.Parteitag der RSDRP ging der nach Russland zurück und nahm an der Revolution 1905 teil. Auf dem 5.Parteitag 1907 wurde er ins ZK gewählt, nach seiner Verhaftung arbeitete er im Untergrund und floh wieder. Mit Lenin und Sinowjew bekämpfte er die Otsowisten, Bogdanow und Lunatscharski. 1914 kehrte er nach Petersburg und war maßgeblich an der Herausgabe der Prawda beteiligt. Zu Kriegsbeginn wurde er wieder verhaftet und nach Sibirien verbannt. Die Februarrevolution befreite ihn, am 12.März 1917 kehrte er mit Stalin nach Petersburg zurück; in der Prawda forderte er die Unterstützung der Provisorischen Regierung durch die Bolschewiki. Als Lenin im April zurückkehrte, griff er Kamenew für dessen Haltung an. Kamenew wurde ins ZK der Bolschewiki gewählt. Im September stimmte er mit Sinowjew gegen den Beschluss der Bolschewiki, zum bewaffneten Aufstand über zu gehen. In Gorkis Zeitung Novaja Schisn veröffentlichte er seinen Protest. Er trat aus dem ZK der Bolschewiki aus. Nach dem Sieg der Oktoberrevolution trat er für eine Koalitionsregierung mit den linken Parteien ein, die sich gegen den Aufstand ausgesprochen hatten. Im November 1917 war er Vorsitzender des Exekutivkomitees der Sowjets. 1917 bis 1926 war er Mitglied des ZK und 1919 bis 1926 im Politbüro sowie Chef der Moskauer Partei. 1922 bildete er mit Sinowjew und Stalin die ‘Troika‘ im Politbüro und war an der Isolierung Trotzkis beteiligt. 1925 kritisierte er die zu kulakenfreundliche Haltung der Parteiführung und geriet gegenüber dem Bündnis Stalins mit den Parteirechten um Bucharin in die Minderheit, er verlor die Unterstützung der Moskauer Parteiorganisation. Die Anhänger Trotzkis, Sinowjews und Kamenews bildeten 1927 die Vereinigte Opposition, mit bürokratischen Methoden wurde sie ausgeschaltet, ihre Führer als der Partei ausgeschlossen. Kamenew und Sinowjew kapitulierten und wurden 1928 wieder in die KPSU aufgenommen, mit untergeordneten Funktionen betraut, wieder ausgeschlossen und aufgenommen. Mit Sinowjew wurde er im ersten Moskauer Prozess zum Tode verurteilt. 68)

Kamkow, Boris Dawidowitsch (Kats), 1885 - 1938
kamkow_boris2.jpeg Als Sohn eines Landarzt in Bessarabien geboren. Trat 1904 der PSR bei. Nach einem Terroranschlag wurde er zur Verbannung nach Sibirien verurteilt. Floh 1907 nach Westeuropa und studierte. 1911 kehrte er nach Russland zurück und baute die PSR in Petersburg auf. Während des Krieges lebte er wieder in Westeuropa und beteiligte sich an der Konferenz von Zimmerwald. Im März 1917 kehrte er nach Petrograd zurück und wurde in den Petrograder Sowjet gewählt. Er gehörte zu den profiliertesten Vertretern des linken Flügels der Sozialrevolutionäre, deren Parteiführer er 1917 wurde. Nach der Oktoberrevolution war er stellvertretender Vorsitzender des Allrussischen Zentralen Exekutivkomitees des Sowjets. Er war Gegner des Vertrages von Brest-Litowsk und ging nach dem Anschlag auf Graf Mirbach und dem Verbot der PLSR in den Untergrund, 1920 verhaftet, 1921 wieder entlassen, Lebte als Verbannter in der Provinz. 1937 verhaftet, sollte er als Zeuge im Prozess gegen Bucharin aussagen, was er trotz schwerer Folterungen verweigerte, an denen er starb. 69)


Kamo (Semjon Arschakowitsch Ter-Petrosjan) 1882 - 1922
kamo_-_ter-petrosjan.jpg Der georgische Unternehmersohn lernte den jungen Stalin kennen und schloss sich 1902 der sozialdemokratischen Bewegung an. Er baute eine illegale Druckerei auf und organisierte 1903 den ersten Kongress der sozialdemokratischen Organisationen des Kaukasus. 1904 wurde er verhaftet und floh. Er nahm an der Revolution 1905 teil und organisierte Banküberfälle für die Revolutionäre und wurde zum Sprengstoff-Experten und zum Waffenschmuggler. 1907 wurde er durch eine Bombe schwer verletzt und erbeutete bei einem Überfall auf die Bank von Tiflis 250.000 Rubel, die er den Bolschewiki übergab. Er floh nach Deutschland und wurde dort als ‘anarchistischer Terrorist‘ verhaftet. Er wurde 1909 nach Russland ausgeliefert und konnte 1911 nach Konstantinopel fliehen, 1913 wurde er wieder gefasst. Als revolutionärer Bankräuber, Ausbrecherkönig und Hasardeur wurde er in Russland und Deutschland berühmt-berüchtigt. Durch die Februarrevolution befreit, arbeitete er für die Tscheka und baute eine Partisanengruppe hinter der Front der Weißen auf, starb bei einem Unfall. 70)

Karachan, Lev Mikhailovich 1889 - 1937
karakhan_lew.jpg Der armenische Bolschewik trat 1904 der RSDRP bei, er war in der Gewerkschaftsbewegung aktiv und trat 1913 der Meschrajonka-Gruppe bei. Während des Krieges verbannt, wurde er ins Präsidium des Petrograder Sowjets gewählt. Er trat mit seiner Tendenz auf dem 6.Parteitag im Juli 1917 der bolschewistischen Partei bei; Mitglied des Revolutionär-Militärischen Komitees, 1918 Mitglied der russischen Delegation bei den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk. Er arbeitete im Volkskommissariat für Auswärtiges und war Botschafter Polen, China und der Türkei. 1919 verfasste er ein Manifest, in welchen der Sowjetstaat auf sämtliche zaristischen Ansprüche in China verzichtete, das sehr positive Reaktionen hervorrief. In den stalinschen Säuberungen wurde er erschossen. 71)



Karelin, Apollon Andrejewitsch 1863 – 1926
Im Intellektuellenmilieu Sankt Petersburgs aufgewachsen, wurde der Volkstümler mehrmals verurteilt, ins Gefängnis und ins Exil geschickt. 1905 floh er aus Sibirien nach Frankreich und wurde eine Persönlichkeit in der anarchistischen Bewegung. 1917 kehrte er nach Russland zurück und wurde in Petrograd und Moskau als Anhänger Kropotkins der bekannteste Anarcho-Kommunist. Als Führer der Linken Sozialrevolutionäre nahm er an der Oktoberrevolution teil, wurde in die Räte gewählt und gründete die Föderation der Anarcho-Kommunisten, welche die Sowjetherrschaft unterstützte. Er kritisierte die Auswüchse der Unterdrückung der Gegner, die Auflösung und Verfolgung seiner Organisation. 72)

Kautsky, Karl 1854 – 1938
karl_kautsky.jpg Nach der Pariser Commune 1871 trat der Student trat 1874 SDAP des Habsburgerreiches bei. Er lernte 1881 Marx und Engels kennen. 1883 gründete er die Zeitschrift Die Neue Zeit, deren Redakteur er bis 1917 blieb. 1890 ging er nach Deutschland. Nach dem Tode wurden Kautsky und die Neue Zeit zum quasi ‘offiziellen‘ Vertreter des Marxismus, der auch für andere Länder bestimmend wurde. 1903 schrieb er gegen den Revisionisten Bernstein und nahm eine Mittelposition zwischen rechtem und linkem Parteiflügel ein. Beim Kriegsausbruch 1914 brach der linke Parteiflügel um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit Kautsky als nur halbherzigem Gegner der Burgfriedenspolitik der SPD-Parteiführer. 1917 schloss er sich der USPD an und kehrte 1922 wieder in die SPD zurück. Er wurde ein scharfer Kritiker Lenins, Trotzkis und der Oktoberrevolution. 73)


Kerenski, Alexander Fjodorowisch 1881 – 1970
kerenski_aleksandr.jpg Der Sohn eines Gymnasiallehrers wurde Jurist und sympathisierte mit den Sozialrevolutionären. Als Anwalt wurde er durch die Verteidigung antizaristischer Revolutionäre bekannt. 1912 wurde er in die Duma gewählt, trat der Fraktion der Trudowiki bei und wurde 1915 zu ihrem Fraktionsvorsitzenden gewählt. Nach der Februarrevolution wurde als Mitglied der Partei der Sozialrevolutionäre Justizminister in der ersten Provisorischen Regierung, im Mai übernahm er das Amt des Kriegsministers. Die Regierung versuchte den Krieg fortzusetzen und eine Gegenoffensive zu starten, die aber im Juni zusammen brach. Nach dem Juliaufstand übernahm er den Vorsitz der Provisorischen Regierung. Er ernannte General Kornilow zum Oberbefehlshaber, der aber im August 1917 gegen ihn zu putschen versuchte. Er musste die Bewaffnung der Arbeiter zulassen, aber der Widerstand gegen den Kornilow-Putsch stärkte die Bolschewiki, die ihn im Oktober 1917 stürzten. Er fand keine Truppen mehr, die seine Regierung verteidigten und musste aus Russland fliehen. Er leistete den Weißen im Bürgerkrieg keine Unterstützung. 74)

Kerschenzew, Platon Michailowitsch 1881 - 1940
kerzencev_platon.jpg Bolschewiki seit 1904, von 1912 bis 1917 im Exil, wo er das Massentheater studierte. 1919 leitete er die Telegrafenagentur ROSTA. 1920 Unterhändler mit Finnland und Estland beim Frieden von Dorpat 1920, später Botschafter. Journalist, Schriftsteller, Führer des Proletkult und Theoretiker des Massentheaters, Theoretiker der wissenschaftlichen Arbeitsorganisation. Als Proletkult 1921 unter die Kontrolle der KPR gestellt wurde, bekam er eine diplomatische Mission. 1928 wurde er stellvertretender Leiter der Agitprop-Abteilung und zuständig für die Zensur der Kunst. 1936- 1938 Vorsitzender des Komitees für Kunstangelegenheiten und Redakteur des Sowjetenzyklopädie. 75)




Kirow, Sergei Mironowitsch 1886 - 1934
kirow_sergei.jpg Das Kind einer armen Familie wollte studieren, trat 1904 der RSDRP bei. Stattdessen beteiligte er sich an der Revolution 1905 und schloss sich den Bolschewiki an. Er wurde zu Haft verurteilt, ging in den Kaukasus und schloss sich den Menschewiki an. Für die Menschewiki war er Delegierter des Zweiten Sowjetkongresses. In Astrachan trat er zu den Bolschewiki über, dort war er Mitglied des RMK. 1920/21 war er unter Grigori Ordschnikidse sein Vertreter als Politischer Kommissar der Roten Armee im Kaukasus. Er war 1921 wesentlich an der Destabilisierung Georgiens und ihrer Besatzung durch die Rote Armee beteiligt. 1921 wurde er Sekretär der KP in Aserbaidschan, er leitete den Wiederaufbau der Erdölförderung in Baku. Seit 1923 Mitglied des ZK der KPSU. 1926 Leiter der Leningrader Parteiorganisation entmachtete er als Gefolgsmann Stalins die Opposition. Seit 1930 Mitglied des Politbüros. Es wird behauptet, dass er als aufstrebender Parteiführer Stalin Konkurrenz machte. Am 1. Dezember 1934 wurde er unter unklaren Umständen von einem Attentäter erschossen. Sein Tod war Vorwand für Verhaftungen von Oppositionellen und Auftakt der Säuberungen Stalins. 76)

Kollontai, Alexandra Michailowa 1872 – 1952
kollontai_alexandra_futrell_nach_p.65.jpg Die Tochter eines Generals schloss sich als Gymnasiastin der populistischen Bewegung an. 1899 trat sie der RSDRP bei. Bei der Spaltung 1903 schloss sie sich keiner Fraktion an. 1906 unterstützte sie die Menschewiki, 1915 trat sie den Bolschewiki bei und nahm sie an der Zimmerwalder Konferenz teil. Sie wurde in Russland mehrmals verhaftet und angeklagt. Nach der Februarrevolution wurde sie ins Exekutivkomitee des Petrograder Sowjets gewählt. Nach der Oktoberrevolution wurde sie Volkskommissarin für Volkswohlfahrt, damit erste weibliche ‘Ministerin‘ der Welt; sie gründete 1919 Shenotdel,die Frauenabteilung im ZK der KPR, mit. Kollontai, alleinerziehende Mutter und Volkskommissarin für soziale Fürsorge, setzte in der jungen Sowjetunion durch, dass das Eherecht gelockert und der Mutterschutz verbessert wurde. Sie erkämpfte das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und schlug Volksküchen und kollektive Kindererziehung vor. Sie propagierte sogenannte Kommunehäuser sowie freie Sexualität. Unter den Bedingungen der Isolation Russlands und dem Bürgerkrieg waren diese Vorstellungen nicht zu verwirklichen. Kollontai war zeitlebens überzeugte Feministin und Sozialistin. Sie war mit den Linken Kommunisten Gegnerin des Vertrages von Brest-Litowsk. 1920 schloss sie sich der Arbeiteropposition mit ihrem Lebensgefährten Schljapnikow an, sie übte Kritik an der steigenden Bürokratisierung des Landes. 1922 zog sie sich von der Opposition zurück, sie wurde daraufhin im diplomatischen Dienst eingesetzt und zog sich nach dem zweiten Weltkrieg von allen Ämtern zurück.77)

Koltschak Alexander Wassiljewitsch 1874 – 1920
koltschak_alekandr.jpg 1916/17 war er Oberbefehlshaber der zaristischen Schwarzmeerflotte. Im November 1918 baute er in Sibirien eine Freiwilligenarmee im Kampf gegen die Sowjetmacht auf, ernannte sich zum ‘Obersten Regenten Russlands‘ und kämpfte mit britischer und französischer Unterstützung bis April 1919 in Sibirien, drang bis Kasan und über die Wolga vor und erlitt bei Samara im November eine Niederlage gegen die Rote Armee. Er musste sich nach Sibirien zurück ziehen, ein französischer General stellte ihn unter ‘alliierten Schutz‘, die tschechoslowakische Legion erkaufte sich den Durchzug durch Irkutsk nach Osten mit der Auslieferung Koltschaks an die Rote Armee, die ihn exekutierte. 78)




Konowalow, Alexander Iwanowitsch 1875 -1949
konovalow_alexander.jpg Der Textilunternehmer und Kadett. In der vierten Duma vertrat er als Mitglied des Progressiven Blocks die Interessen der Unternehmerklasse. Während des Krieges war er Vizepräsident der Kriegsindustrie-Komitees, in mehreren Kabinetten der Provisorischen Regierung war er Handels- und Industrieminister. Er emigrierte nach der Oktoberrevolution. 79)






Kornilow, Lawr Georgijewitsch 1870 -1918
kornilov_lavr.jpg Der General der zaristischen Armee geriet 1915 in österreichische Kriegsgefangenschaft und konnte 1916 entkommen. Nach der Februarrevolution wurde er Kommandeur des Petrograder Militärbezirks und stellte in dieser Eigenschaft im März 1917 die Zarenfamilie unter Arrest. Im Juli wurde er von Ministerpräsident Kerenski zum Obersten Befehlshaber der russischen Armee ernannt. Kornilow war entschlossen, den Krieg fortzusetzen. Infolge des Juliaufstandes linker Gruppen wurde Kornilow von Kerenski damit beauftragt, zuverlässige Truppen in die Nähe der Hauptstadt zu entsenden. Kornilow war bereit, offensiv gegen die Bolschewiki vorzugehen und forderte von Kerenski diktatorische Vollmachten. Am 27.August setzte Kerenski Kornilow ab und suchte beim Petrograder Arbeiter- und Soldatenrat um Hilfe nach. Die Bolschewiki konnten die Arbeiter und Soldaten gegen den Putsch Kornilows mobilisieren, seine Truppen wurden durch Eisenbahner aufgehalten und durch Agitatoren zersetzt, er wurde verhaftet. Nach der Oktoberrevolution versuchte er im Dongebiet, eine weiße Freiwilligenarmee gegen die bolschewistische Herrschaft aufzustellen. 1918 wurde er von einer Granate getötet. 80)

Krasikow, Pjotr 1870 – 1939
1892 trat er der Gruppe Befreiung der Arbeit bei. Während der Iskra-Zeit war er ein wichtiger Mitarbeiter Lenins in Russland. nach der Oktoberrevolution wurde er stellvertretender Volkskommissar für Justiz und 1924 erster General-Staatsanwalt der Sowjetunion.

Krassin, Leonid Borissowitsch 1870 - 1926
krassin_1903_williams_p.71.jpg Krassin entstammte dem gebildetene Kleinbürgertum, er war Ingenieur, als Student wurde er zeitweise nach Nischni Nowgorod verbannt. In den 1890er Jahren trat er der RSDRP bei, Er wurde im gleichen Jahrzehnt nach Sibirien verbannt und ging 1900 nach Baku, wo er die illegale Druckerei der Partei etablierte. 1903 wurde er Mitglied des Zentralkomitees der Bolschewiki und Herausgeber der Prawda. Er leitete den illegalen Apparat in Russland. Gleichzeitig hielt er Kontakt zu Morosow, der als Unternehmer mit den Bolschewiki sympathisierte um Waffenkäufe und Parteiaktionen finanzierte. Er war für den technischen Apparat und unter anderem für die Banküberfälle zur Geldbeschaffung verantwortlich, die sogenannten ‘Expropriationen‘. Als Teilnehmer der Revolution musste er 1908 nach Deutschland emigrieren. Er war eine qualifizierter Ingenieur und arbeitete bei den Siemens&Schuckert-Werken in Berlin, kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde er Direktor der Werke in Russland. 1910 verließ er die Bolschewistische Partei, war nicht politisch aktiv und wurde Vorsitzender des Kriegs-Industrie-Komitees. 1918 trat er wieder den Bolschewiki bei, er war Mitglied der russischen Verhandlungsdelegation in Brest-Litowsk, verhandelte 1921 das anglo-russische Handelsabkommen und 1922 das Rapallo-Abkommen mit Deutschland. 1918 wurde er Volkskommissar für Handel und Industrie, bis 1923 für Außenhandel. 1924 wurde er ins ZK der KPSU gewählt und Sowjet-Botschafter in Paris, 1925 in London. 81)

Krasnow, Pjotr Nikolajewitsch 1869 - 1947
krassow_pjotr.jpg Im ersten Weltkrieg war er Divisionskommandant. Nach der Oktoberrevolution erhielt er von Kerenski den Auftrag, die Revolutionäre in Petrograd zu unterdrücken. Er scheiterte mit einer improvisierten Kosakeneinheit an den bewaffneten Arbeitern und Frontsoldaten. Er wurde gefangen genommen und mit dem Ehrenwort, nicht gegen die Sowjetmacht zu kämpfen, freigelassen. Im Bürgerkrieg bildete er eine Kosakenarmee und belagerte erfolglos Zaryzin. Er emigrierte nach Deutschland und versuchte im zweiten Weltkrieg eine Kosakeneinheit gegen die Sowjetunion aufzubauen. Zum Kriegsende versicherte ihm die britische Armee, er werde nicht an die Sowjetunion ausgeliefert. Das passierte im Mai 1945, er wurde zum Tode verurteilt. 82)



Kremer, Arkadi 1865 -1935
kremer_arkadi.jpg Der Sohn einer jüdisch-religiösen Familie wurde in der Nähe von Wilna geboren. Als Student wurde er Mitglied der ersten polnischen sozialistischen Organisation Proletariat. Er wurde aus Petersburg verbannt und ging nach Wilna, wo er die erste jüdische Gruppe unter den Arbeitern aufbaute. Mit Martow schrieb er 1893 eine Broschüre 'Über Agitation', welche die illegale Arbeit für den Aufbau einer Arbeiterpartei propagierte. Er war 1897 Mitbegründer des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbund in Litauen, Polen und Russland (Bund). Den Zionismus lehnte der Bund ab, er verstand sich als Vertreter der jüdischen Arbeiterklasse für das gesamte Zarenreich. In der 1898 gegründeten RSDRP hatte er einen autonomen Status. Mit den anderen Führern der neuen Partei wurde er nach der Gründung verhaftet, 1900 ging er ins Exil. Der Bund verteidigte die autonome Vertretung der jüdischen Arbeiter auf dem 2.Parteitag der RDSRP 1903 und lehnte den Zentralismus ab. 1905 nahm er an der Revolution in Sankt Petersburg teil und wurde in den Sowjet gewählt. 1907 wurde er verhaftet, kam 1908 wieder frei. 1912 emigrierte er nach Frankreich und wurde führender Auslandsvertreter des Bundes. Er arbeitete als Ingenieur. Während des Krieges unterstütze er möglicherweise die Entente. 1921 kehrte er ins zu Polen gehörige Wilna zurück, unterrichtete Mathematik und war weiterhin Mitglied des Bundes. 83)

Krestinski, Nikolai Nikolajewitsch 1883 - 1938
krestinski_nikolai.jpg Der Lehrersohn trat der RSDRP 1903 und beteiligte sich an der Revolution 1905. Er kandidierte für die Bolschewiki für die Dumawahl 1907. Zu Beginn des Weltkrieges wurde er nach Jekaterinburg verbannt, Im August 1917 wurde er vom 6.Parteitag ins ZK gewählt, 1919 bis 1921 war er als Nachfolger Swerdlows Sekretär des ZK, 1918 bis 1922 wurde er Volkskommissar für Finanzen. Als Anhänger Trotzkis verlor er 1921 seine Mitgliedschaft im ZK. Er wurde Botschafter in Deutschland. Er distanzierte sich 1927 von der Opposition. 1938 wurde er im letzten Moskauer Prozess zum Tode verurteilt. 84)




Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch 1842 – 1921
kropotkin_pjotr.jpg Das Adels- und Großgrundbesitzerkind schlug die übliche militärische Ausbildung ein. Unter dem Einfluss der Liberalen verließ er die Armee und brach mit der Adelsgesellschaft. In der Schweiz schloss er sich der libertären Juraföderation an. Nach Russland zurück gekehrt, widmete er sich der anarchistischen Propaganda. 1874 wurde er verhaftet, er konnte zwei Jahre später aus der Peter-Pauls-Festung fliehen. Aus der Schweiz wurde er nach dem Attentat auf Alexander II. ausgewiesen, in Frankreich wurde er wegen seiner Mitgliedschaft zur I.Internationale verurteilt, er konnte 1886 nach London gehen. In seinen Schriften konnte er nachweisen, dass Natur und Geschichte auf Kooperation und nicht auf dem Überleben des Stärkeren beruht. Im ersten Weltkrieg trat er für die Unterstützung Russlands ein, nach der Februarrevolution konnte er nach Russland zurück kehren, die Herrschaft der Bolschewiki lehnte er ab. 85)


Krupskaja, Nadeschda Konstantinowna 1869 - 1939
Als Tochter eines adligen Offiziers und einer Lehrerin in Sankt Petersburg geboren. Sie machte eine Ausbildung als Lehrerin, wurde Sozialistin und unterrichtete 1894 in einem marxistischen Studentenzirkel der Stadt und lernte Lenin kennen. 1896 wurde sie wegen Agitation zu einer Gefängnisstrafe und anschließender Verbannung verurteilt. Um Lenin in seine Verbannung zu begleiten, musste sie ihn heiraten und ging mit ihm nach Sibirien. Nach Ende der Verbannung ging sie mit ihm ins Exil und wurde Mitherausgeberin der Parteizeitung Iskra. 1905 wurde sie Sekretärin des Zentralkomitees.In gleichen Jahr ging sie während der Revolution nach Russland und später wieder ins Exil, sie hielt die Verbindung mit der Partei in Russland aufrecht. Nach der Oktoberrevolution war sie Vertreterin des Volkskommissars für Bildung Lunatscharski und engagierte sich für die Erwachsenenbildung, bei der Gründung des Komsomol und der Pionier-Bewegung. 1924 wurde sie Mitglied des ZK der KPSU, im Fraktionskampf mit der Linken Opposition 1924 stand sie auf der Seite der Mehrheit. 1925 unterstütze sie erst die Opposition Sinowjews und Kamenews, war dann für den Ausschluss der Opposition. 1929 stellvertretende Volkskommissarin für Erziehung. Ihr Versuch, den Einfluss Stalins zu begrenzen, isolierte sie politisch. 86)


Krylenko, Nikolai Wassiljewitsch 1885 – 1938
krylenko_nikolai.jpg Der Sohn eines Sozialrevolutionärs schloss sich als Student den Bolschewiki an, beteiligte sich an der Revolution 1905, wurde 1907 verhaftet. 1913 wurde er in die Ukraine verbannt und floh 1914 in die Schweiz. Die Partei sandte ihn nach Russland zurück, er wurde als Fahnenflüchtiger verhaftet und in die Armee gesteckt. Nach der Februarrevolution wurde er in den Sowjet der 11.Armee gewählt. Er trat der Militärorganisation der Bolschewiki bei, wurde im Juli 1917 verhaftet und nach dem Kornilowputsch wieder frei gelassen. Er wurde im Oktober Mitglied des Militär-Revolutionären Komitees, er war an der Verteidigung Petrograds gegen Kerenskis Versuch der Wiedereroberung der Hauptstadt erfolgreich. Im Dezember wurde zum Oberkommandierenden der zusammenbrechenden zaristischen Armee ernannt, bis 1918 war er in der Roten Armee tätig, dann arbeitete er als Staatsanwalt im Justizapparat. 1929 bis 1931 war er Volkskommissar für Justiz, er war Theoretiker des sowjetischen Justizsystems. und wurde 1938 erschossen. 87)


Kuibyschew, Walerian Wladimirowitsch 1888-1935
kuibyshew_walerian.jpg In Omsk geboren, studierte er an der dortigen Kadettenschule. 1904 schloss er sich den Bolschewiki an. Er wurde mehrmals verurteilt, floh und wurde wieder verhaftet. 1917 wurde er Präsident des Sowjets von Samara. 1918 bis 1920 war er Kommandeur der Roten Armee. Nach dem Zehnten Parteitag wurde er Sekretär des Zentralkomitees der KPR, als Anhänger der Stalinfraktion zeichnete er sich im Kampf gegen Trotzkis Anhänger aus. 1923 bis 1926 war er Vorsitzender der Kontrollkommission und nach dem Tode von Feliks Dserschinski wurde er Vorsitzender des Obersten Volkswirtschaftsrates Wesenka. 1930 bis 1934 leitete er die Staatliche Planungskommission Gosplan. Er entwarf den Fünfjahresplan 1928 mit der forcierten Industrialisierung und der Kollektivierung der Landwirtschaft. Von 1927 bis 1936 war er Mitglied des Politbüros der KPSU. 1935 starb er als eins der einflussreichsten Mitglieder des Politbüros. Für seinen Tod wurde beim Prozess gegen den NKWD-Chef Jagoda verantwortlich gemacht. 88)

Lamanow, Anatoli -1921
Über sein Leben vor Kronstadt ist wenig bekannt. Der Sohn eines Schiffsoffiziers und Bruder des Leutnants Pjotr Lamanow, Kommandeur im revolutionären Kronstadt, war er als Technik-Student oft als populärer Lehrer auf der Insel. Von Arbeitern wurde er in den Sowjet gewählt und ab Mai Vorsitzender des Sowjets. Gleichzeitig wurde er Sprecher der Parteilosen Gruppe und Redakteur des Organs des Sowjets Iswestija (Nachrichten). Er vertrat eine unabhängige linke Position gegenüber Bolschewiki und Anarchisten. Im August wieder zum Vizepräsident des Sowjets gewählt, gründete sich aus der Parteilosen Gruppe die Union der Sozialrevolutionäre-Maximalisten mit rätekommunistischen Vorstellungen: Ablehnung aller Parteien und Föderierung Russlands auf der Basis der Räte; Übergabe des Landes an die Bauern und der Fabriken an die Arbeiter. Sie unterstützten die Oktoberrevolution. und den Frieden von Brest-Litowsk. Nach dem Aufstandsversuch der Sozialrevolutionäre im Sommer 1918 wurden die Sowjetdemokratie stark eingeschränkt, Lamanow wurde 1920 Kandidat der KPR. Während des Kronstadter Aufstandes 1921 erklärte er seinen Austritt aus der KPR und bekannte sich zu seinen rätekommunistischen Vorstellungen, er gab wieder die Iswestija heraus und wurde nach der Niederschlagung der Rebellion erschossen. 89)

Larin, Michail Alexandrowitsch 1882 – 1932
Der Sohn eines Schriftstellers und Rabbiners wurde als Student von der Universität relegiert, seit 1900 beteiligte er sich an der sozialdemokratischen Bewegung in Odessa, 1904 wurde er zur Verbannung in Sibirien verurteilt, 1905 kehrte der Menschewik zurück, gründete eine der ersten Gewerkschaften Russlands. 1907 bis 1912 war er Sekretär der Arbeiter der Ölindustrie. Er unterstützte die Liquidatoren und beteiligte sich am 'Augustblock'. 1913 ging er in die Emigration, 1917 war er Menschewik-Internationalist und schloss er sich im August der bolschewistischen Partei an. Er war Mitglied der Exekutive des Petrograder Sowjets, organisierte die Betriebskomitees und war nach der Oktoberrevolution Mitglied des Obersten Wirtschaftsrates und der Staatlichen Plankommission, Autor mehrerer Bücher über die Juden in Russland. Er starb nach langer Krankheit. 90)

Latsis, Martin Iwanowitsch 1883 – 1938
latsis.jpg Der lettische Bauernsohn wurde Lehrer. 1905 trat er der Lettischen Sozialdemokratie bei und beteiligte sich an der Revolution 1905. 1913 ging er nach Moskau. 1916 nach Sibirien verbannt, entkam er nach Petrograd, 1917 trat er den Bolschewiki bei. In der Oktoberrevolution war er im Revolutionären Militärkomitee tätig., dann im Volkskommissariat für Inneres. Von 1918 bis 1921 war er für die Tscheka tätig, seine Gegner bezichtigten ihn der Grausamkeit. Dann übernahm er Posten in der Wirtschaft. 1932 bis 1937 leitete er das Plechanow-Institut, dann wurde er verhaftet und exekutiert. 91)




Lazimir, Pavel 1891 – 1920
Der Sohn eines Soldaten und linke Sozialrevolutionär wurde 1917 in den Petrograder Sowjet und zum Vorsitzenden der Soldatensektion gewählt. Er war im Oktober 1917 Vorsitzender des Revolutionären Militärkomitees des Petrograder Arbeiter- und Soldatenrats und bereitete militärisch die Oktoberrevolution vor. Ab 1918 im Revolutionären Kriegsrat an der Südfront der Roten Armee, starb er 1920 an Typhus. 92)

Lebedew-Poljanski, Pawel Iwanaowitsch 1882 -1948
In der Provinz Wladimir geboren, schloss sich als Medizinstudent 1902 der RSDRP an, den Bolschewiki und im Exil 1908 bis 1917 der Wjerpod-Gruppe, dan Bolschewik. Nach der Revolution Arbeit im Kommissariat für Volksbildung, Mitglied des ZK des Proletkult. 1918-21 Redakteur der Proletarskaja Kultura, Literaturkritiker, Leiter der Hauptverwaltung für Literatur und Verlagswesen Glavit, damit auch Zensor.



Lenin, Wladimir Iljitsch 1870 - 1924
lenin_1921.jpg Der Bruder des Sohns wohlhabend-kleinbürgerlicher Eltern wurde 1887 wegen eines geplanten Attentatsversuchs auf den Zaren hingerichtet. 1887 wurde Lenin von der Universität Kasan als Jurastudent relegiert und schloss 1891 sein Examen extern ab. 1893 gründete er in Petersburg mit Plechanow, Axelrod, Sassulitsch und anderen den Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse. 1895 wurde er verhaftet und wurde nach Sibirien verbannt. Nach seiner Rückkehr emigrierte er und widmete sich dem Parteiaufbau um die Zeitschrift Iskra. In seiner Schrift Was tun? trat er für den Aufbau einer Organisation von Berufsrevolutionären ein. 1903 kam es auf dem 2. Parteitag der RSDRP zur Spaltung der Partei in Lenins Bolschewiki und Martows Menschewiki in der Frage um die Definition der Parteimitgliedschaft. 1905 kehrte Lenin zur Teilnahme an der Revolution nach Russland zurück, er musste 1907 wieder fliehen. Auf dem Parteitag 1912 spaltete sich die RSDRP endgültig in Bolschewisten und Menschewisten. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 entwickelte Lenin die Position des ‘revolutionären Defaitismus‘, die Niederlage des eigenen Landes sei die beste Voraussetzung der Revolution. Da er sich bei Ausbruch der Februarrevolution 1917 in der Schweiz befand, mussten russische Revolutionäre mit einem plombierten Wagen durch Deutschland in ihre Heimat fahren. Bei seiner Ankunft in Petrograd nahm er in den ‘Aprilthesen‘ den Kampf für den Sturz der Provisorischen Regierung und die proletarische Revolution auf. Er forderte sofortigen Frieden, die Aufteilung des Großgrundbesitzes zugunsten der Bauern und die Übernahme der Macht durch die Arbeiter- und Bauernräte. Da die Provisorische Regierung besonders nach dem Kornilow-Putsch im Sommer immer schwächer wurde und die Bolschewiki in den wichtigsten Zentren Russlands die Mehrheit in den Räten erobern konnten, stürzten Sowjettruppen in der Nacht 25. Oktober 1917 die Provisorische Regierung und lösten die Oktoberrevolution aus. Der gleichzeitig stattfindende zweite Allrussische Rätekongress legitimierte die Revolution. Lenin führte die neue Regierung, den ‘Rat der Volksbeauftragten‘, welche die Landverteilung an die Bauern legitimierte, den Friedensschluss mit Deutschland anging und die Kapitalisten enteignete. Der Friede von Brest-Litowsk 1918 schwächte Russland stark, insgesamt 21 ausländische Armeen unterstützten die Weißen in Russland. 1919 initiierte er die Gründung der Kommunistischen Internationale. Der Bürgerkrieg ruinierte nach dem Weltkrieg das Land. 1921 machten die Bolschewiki nach dem Aufstand von Kronstadt einen Rückzug und beschlossen mit der ‘Neuen Ökonomischen Politik‘ (NEP) die teilweise Rückkehr kapitalistischer Beziehungen auf dem Land. Gleichzeitig wurde auf dem 10. Parteitag das Fraktionsverbot in der Kommunistischen Partei beschlossen, was die Bürokratisierung Russlands förderte. 1922 erlitt Lenin einen Schlaganfall, der ihn arbeitsunfähig machte und seine Bemühungen um die Absetzung Stalins als Generalsekretär der Partei verhinderten.

Liber, Mikhail Isaakowitsch (Mark) 1880 – 1937
liber_mikhail_i.jpg Mikail Goldman wurde in einer laizistischen jüdischen Familie als Sohn eines Büroangestellten und Dichters in Wilna geboren. Er trat 1900 dem jüdischen Arbeiterbund (Bund) bei und wurde 1902 in dessen Führung gewählt. Delegierter auf dem 2.Parteitag der RSDRP 1903, den die Vertreter des Bundes wegen der Unvereinbarkeit verlangten Zentralismus verließen. In der gespaltenen RSDRP stand der Bund auf der Seite der Menschewiki. 1905 für den Bund in den Petersburger Sowjet gewählt, 1906 war er Delegierter auf dem 4. Parteitag und trat der vereinigten RSDRP bei, auf dem 5,.Parteitag 1907 wurde er ins ZK gewählt. Beim Niedergang der Revolution von 1905 vertrat er die Positionen der ‘Liquidatoren‘, welche die legale Arbeit der Partei sichern wollten. Beim Ausbruch des Krieges 1914 vertrat er internationalistische Positionen. In der Februarrevolution 1917 vertrat er Bund und Menschewiki im Exekutivkomitee des Petrograder Arbeiterrates, in der Exekutive des Allrussischen Sowjetkongresses und unterstützte die Provisorische Regierung Kerenskis. Nach der Oktoberrevolution trat er für eine Koalitionsregierung aller sozialistischen Parteien ein. Er arbeitete weiter für die Menschewiki und den Bund. Ab 1922 wurde er 15 Jahren lang immer wieder verhaftet und frei gelassen. Ob er 1937 erschossen wurde oder eines natürlichen Todes starb ist ungeklärt. 93)

Liebknecht, Karl 1871 – 1919
liebknecht_karl.jpg Der Sohn des SPD-Gründers Wilhelm Liebknecht wurde Rechtsanwalt. Der Sozialdemokrat war Mitbegründer der Sozialistischen Jugendinternationale und engagierte sich gegen den Militarismus. 1912 in den Reichstag gewählt. Am 2. Dezember 1914 stimmte er als einziger sozialdemokratischer Abgeordneter gegen die Kriegskredite, seine Haltung traf auf ein riesiges nationales und internationales Echo. Er wurde Mitglied der Spartakusgruppe. Als Soldat sprach er am 1.Mai 1916 auf einer Demonstration in Berlin gegen den Krieg, er wurde wegen Hochverrats verurteilt. Im Oktober 1918 wurde er begnadigt und stürzte sich für den Spartakusbund in die deutsche Revolution. Am 9. November rief er die ‘Freie Sozialistische Republik‘ aus, in den Rätekongress wurde er nicht gewählt. Zur Jahreswende 1918/19 wurde er Mitbegründer der KPD. In den Januarkämpfen versuchte er vergeblich, die Regierung Ebert zu stürzen. Am 15. Januar wurde er von Freikorpstruppen festgenommen und ermordet. 94)

Litwinow, Maxim Maxinowitsch 1876 - 1951
litvinofw_maxim.jpg In Polen als Sohn eines jüdischen Bankiers geboren. 1989 schloss er sich der RSDRP an, arbeitete in Kiew und wurde 1901 verhaftet. Im Folgejahr organisierte er den Ausbruch von elf Gefängnisinsassen und ging in die Schweiz, wo er in der Iskra-Redaktion arbeitete. 1903 schloss er sich den Bolschewiki an und kehrte nach Russland zurück und arbeitete in der Revolution 1905 in der Zeitung Novaja Schisn mit. 1906 musste er wieder ins Ausland gehen und beschaffte mit Leonid Krassin und Stalin Geld und Waffen. 1908 wurde er wegen illegaler Geldbeschaffung verhaftet als er versuchte, Geld aus dem Raubüberfall auf die russische Reichsbank in Tiflis einzutauschen. Er übernahm 1914 Lenins Sitz im Internationalen Sozialistische Büro. 1918 wurde er von London gegen den in Moskau festgenommenen Konsul ausgetauscht. Im revolutionären Russland war er im diplomatischen Dienst tätig. 1930 wurde er Volkskommissar für Äußeres, 1939 wurde er durch Molotow ersetzt. 95)

Losowski, Solomon Abramowitsch 1878 – 1952
losowski_solomon.jpg Der Sohn eines jüdisches Lehrers trat 1901 der RSDRP und dann den Bolschewiki bei. 1905 nahm er an der Revolution in Kasan teil, er war Delegierter der Konferenz der Bolschewiki in Tampere, wurde 1908 zu Verbannung verurteilt und floh, 1909 bis 1917 lebte er vorwiegend in Frankreich und engagierte sich in den Gewerkschaften und der Sozialistischen Partei,bis zum Krieg führte er die kleine Gewerkschaft der jüdischen Hutmacher. Innerhalb der Bolschewiki gehörte er 1910 zur Gruppe der 'Versöhnler', die gegen den Ausschluss der Liquidatoren und der Wperjod-Gruppe war, 1912 verließ er die Partei der Bolschewiki; Er schloss sich im Krieg der internationalistischen Exilgruppe um Nasche Slowo an. Im Juni 1917 konnte er nach Russland zurück kehren, in Russland wurde er Mitglied der Meschrajonzi-Gruppe, die im August der bolschewistischen Partei beitrat, sowie der allrussischen Gewerkschaftszentrale. Nach der Oktoberrevolution vertrat er wie Kamenew eine sozialistische Allparteien-Regierung und wurde Anfang 1918 aus der Partei ausgeschlossen. Er führte eine zwischen Bolschewiki und Menschewiki stehenden Gruppe Sozialdemokraten-Internationalisten, die sich im Dezember 1919 wieder der KPR anschloss. In der 1920 gegründeten Roten Gewerkschaftsinternationale Profintern war er bis zu ihrer Auflösung 1937 Sekretär und Anhänger Stalins, sowie Kandidat bzw. Mitglied des ZK. Als Mitglied des Jüdischen Antifaschistischen Komitees, wurde er 1948 er in der antijüdischen oder antizionistischen Kampagne 1949 verhaftet und unter dem Vorwurf der Spionage zum Tode verurteilt. 96)

Lunatscharski, Anatoli Wassiljewitsch 1875 - 1933
anatoliy_lunacharskiy.jpg Er wurde in der Ukraine als illegitimes Kind eines höheren Beamten geboren. Als Schüler kam er mit der revolutionären Bewegung in Kontakt, ihm wurde die Aufnahme in die Universität verweigert, er ging 1893 zum Studium in die Schweiz, trat 1897 den Sozialdemokraten und 1904 den Bolschewiki bei. Mehrmals in Verbannung und Exil, ging er 1905 während der Revolution nach Russland zurück, wurde verhaftet und emigrierte wieder. 1908 unterstützte er seinen Freund Alexander Bogdanow im Fraktionsstreit um die Vereinbarkeit von Politik und Religion. Mit Maxim Gorki baute er 1910 die Parteischulen auf Capri und in Bologna auf. Sein 'Gottesbildnertum' versuchte den Sozialismus in den Kontext religiöser Systeme zu stellen. 1913 gründete er in Paris einen Zirkel für proletarische Kultur. Im Krieg nahm er internationalistische Positionen ein und näherte sich den Bolschewiki wieder an. Nach seiner Rückkehr im Mai 1917 trat er mit der Gruppe der Meschrajonzi und Trotzki (nach anderen Quellen Gorkis Sozialdemokraten-Internationalisten) der Bolschewistischen Partei bei. Neben Trotzki war er einer der populärsten Redner der Bolschewiki. Nach der Oktoberrevolution wurde er bis 1929 Volkskommissar für Bildung. Er trat aus Protest gegen die Zerstörung von Kulturmonumenten bei den Kämpfen in Moskau zurück, Lenin konnte ihn zur Rücknahme seiner Entscheidung bewegen. Er prägte die Kulturpolitik seines Landes, kämpfte für die Alphabetisierung Russlands, unterstützte die Entfaltung der Künste, wandte sich gegen den ‘sozialistischen Realismus‘ und half der Proletkult-Bewegung Bogdanows. Aus den Fraktionskämpfen hielt er sich raus. Als die Stalin-Fraktion die Opposition ausschaltete, verlor er seinen Job als Volkskommissar. 1930 vertrat er die Sowjetunion beim Völkerbund, 1933 wurde er Botschafter in Spanien. 97)

Luxemburg, Rosa 1871 – 1919
luxemburg_rosa.jpg 1871 als Tochter eines wohlhabenden jüdischen Holzhändlers in Russisch-Polen geboren. Bereits als Schülerin engagierte sie sich ab 1886 in der ersten polnischen Arbeiterorganisation Proletariat. 1889 musste sie in die Schweiz fliehen und wurde zur führenden Theoretikerin der polnischen Arbeiterbewegung. 1893 gründete sie gemeinsam mit Leo Jogiches und Julian Marchlewski die Sozialdemokratie des Königreichs Polens (ab 1900:) und Litauens SDKPiL. Sie bekämpfte den Einfluss der PPS, die für eine polnische Republik und vielleicht später für eine sozialistische Revolution eintrat. Luxemburg griff deren Nationalismus an, Polen könne nur durch eine Revolution in Russland, Deutschland und Österreich-Ungarn unabhängig werden. Vorrang müsse der Kampf gegen Monarchie und Kapitalismus haben, erst wenn sie geschlagen seien, könne das Selbstbestimmungsrecht der Völker verwirklicht werden. Über diese Frage führte sie auch einen Disput mit Lenin. 1898 ging sie nach Berlin und engagierte sich in der deutschen Sozialdemokratie, führte ab 1899 die Revisionismusdebatte und den Streit über den Generalstreik, sie stand auf dem linken Flügel. 1907 nahm sie am Parteitag der RSDRP in London teil. Sie stritt gegen den Krieg und für Internationalismus. Als die Reichstagsfraktion der SPD 1914 für die Kriegskredite stimmte, gründete sie die Gruppe Internationale, aus der später der Spartakusbund hervorging. 1915 bis 1918 war sie inhaftiert, im Gefängnis begrüsste sie die Oktoberrevolution. Vom Ausbruch der deutschen Revolution wurde sie 1918 befreit. Sie kämpfte für die Revolution und war zum Jahreswechsel 1918/919 Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands (Spartakusbund) KPD. Sie wurde von Militärs ermordet.

Lwow, Georgi Jewgenjewitsch 1861 – 1925
Der Fürstensohn war bis 1893 im Staatsdienst tätig, kündigte dann aus Unzufriedenheit mit der Politik des Zaren Alexander III. den Staatsdienst auf wurde Vorsitzender des Provinz-Semstwo in Tula. 1905 wurde er für die Kadetten in die Duma gewählt. 1914 wurde er Präsident des allrussischen Semstwo-Verbandes. Nach der Februarrevolution 1917 wurde er Ministerpräsident und Innenminister der Provisorischen Regierung, nach den Juliunruhen wurde er von Kerenski abgelöst; im Februar 1918 wurde er verhaftet und floh in die USA, wo er Geld für die Weiße Armee beschaffte. 98)

Mach, Ernst 1838 – 1916
<SAMSUNG DIGITAL CAMERA> Der österreichische Physiker und Philosoph gilt als ein Mitbegründer des Empiriokritizismus. Er ging von der Erfahrung als der Quelle menschlicher Erkenntnisse aus, außersinnliche Erklärungen der Welt seinen haltlos, Diskussionen über den Wahrheitsgehalt von Theorien also überflüssig. Seine Theorien wurden zum Anfang des 19.Jahrhunderts breit diskutiert, er fand Anhänger in der RSDRP wie Bogdanow und Lunatscharski, die sich auf Mach beriefen, als die Idee des ‘Gottbildnertums‘ vertraten. Lenin unterzog Machs Theorien in seinem Buch ‘Materialismus und Empiriokratizismus‘ der Kritik, er warf ihm Solipsismus vor, einen Angriff des Idealismus auf den Marxismus. 99)




Machno, Nestor Iwanowitsch 1884 -1934
machno_nestor_in_guliai-pole.jpg Das Kind einer armen Bauernfamilie kam als Arbeiter in der Revolution 1905 mit dem Anarchismus in Kontakt. 1908 wurde er verhaftet und zum Tode verurteilt, seine Strafe wurde in lebenslängliches Arbeitslager umgewandelt. Die Februarrevolution 1917 befreite ihn, er ging in die heimatliche Ukraine zurück und arbeitete unter Arbeitern und Bauern. Durch den Vertrag von Brest-Litowsk wurde die Ukraine von der deutschen Armee besetzt. Machno organisierte eine bis zu 50.000 Soldaten umfassende Volksarmee, die von den ukrainischen Bauern unterstützt wurde und sehr mobil war. Seine Bewegung enteignete die Großgrundbesitzer und organisierte ein Netzwerk freier Kommunen, die nach dem Rätesystem organisiert waren. Im Juni 1918 versuchte die Sowjetregierung Machno für die Unterstützung der Bolschewiki in Charkow zu gewinnen. Als die Deutschen im November 1918 abziehen mussten, vertrieb Machnos Armee deren Statthalter Skoropadski. Zeitweise im Bündnis mit der Roten Armee führte er einen Partisanenkampf. Bis 1920 verteidigte sich seine Armee gegen Weiße, Polen und Rote Armee. Die Rote Armee besiegte Machnos Truppen 1921. Er floh nach Paris. 100)

Malinowsli, Roman Wazlawowitsch 1876 – 1918
malinowski_roman.jpg Sohn polnischer Bauern. 1906 trat er in die RSDRP und war in der Metallarbeitergewerkschaft von Sankt Petersburg tätig. 1910 wurde er verhaftet und wurde von der Geheimpolizei Ochrana als Agent benutzt. Er wurde 1912 ins Zentralkomitee der Bolschewiki gewählt und vertrat die Bolschewiki in der Duma. Viele Bolschewiki wurden durch seine Tätigkeit enttarnt, Martow beschuldigte ihn 1913 der Agententätigkeit. 1914 legte er sein Mandat in der Duma nieder, ging in die Armee und wurde deutscher Kriegsgefangener.. 1918 kehrte er nach Russland zurück, er wurde erkannt und zum Tode verurteilt. 101)




Manuilski, Dmytro Zakharovych 1883 – 1959
Der Sohn eines Dorfpriesters war 1905/6 Mitglied der Bolschewiki und Anhänger des Duma-Boykotts. Während des Krieges kurierte er seine Lungenkrankheit in der Schweiz. Der Sorbonne-Absolvent arbeitete mit Trotzki an der Zeitschrift Nasche Slowo in Paris mit. 1917 kehrte er nach Petrograd zurück und schloss sich bis August den Meschrajonzi um Trotzki an. 1920 war er Volkskommissar der kurzlebigen Sowjetregierung der Ukraine unter Rakowski. Der Anhänger der Stalinfraktion war von 1923 bis zu seinem Tode Mitglied des Politbüros, arbeitete in der Komintern 1922 bis 1930 vorwiegend mit der KP Frankreichs. 1929 unterstützte er die ‘Sozialfaschismus-Theorie‘ zur Charakterisierung der Sozialdemokratie; seit 1930 war einer der wichtigsten Führer der Kommunistischen Internationale bis zu ihrer Auflösung 1943. 1950 wurde er politisch entmachtet. 102)


Marchlewski, Julian 1866 – 1925
marchlewski_julian.jpg Er wurde in Kongresspolen in einer jüdischen Familie geboren und wurde Färber. Er gründete den Verband Polnischer Arbeiter, 1983 die SDKP, die spätere SDKPiL. Er musste in die Schweiz fliehen und studierte dort. 1902 kam er nach Deutschland und arbeitete unter dem Namen Karski; Teilnehmer des 5.Parteitages der RSDRP 1907 in London. 1916 wurde er Mitbegründer des Spartakusbundes, 1916 war er inhaftiert und wurde 1918 ausgewiesen. 1919 war er Vorsitzender des Provisorischen Polnischen Revolutionskomitees, als die Rote Armee Polen eroberte. Er lebte in Moskau, kehrte illegal nach Deutschland zurück und arbeitete in der Führung der KPD. 1922 bis 1925 war er Vorsitzender der Internationalen Roten Hilfe (IRH). 103)



Martow, Julius (Zederbaum) 1873-1923
martow_julius.jpg Sohn jüdischer Kleinbürger, gründete er 1895 u.a. gemeinsam mit Lenin den Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse. Im gleichen Jahr wurde er verhaftet und nach Sibirien verbannt. 1900 wurde er Mitbegründer der Zeitschrift Iskra bis 1901, als er emigrierte. Auf dem 2. Parteitag der RSDAP in London 1903 stritt er mit Lenin um den Charakter der revolutionären Partei, er vertrat die Positionen einer offeneren Organisationsstruktur. In der russischen Arbeiterbewegung wurde dieser Streit nicht als extrem wichtig angesehen. Mit Plechanow, Dan und Zereteli wurde er zum wichtigsten Führer der Menschewiki. In der Revolution 1905 sah er die Rolle der Revolutionäre in der Opposition zur neuen bürgerlichen Regierung, bis die sozialen und ökonomischen Bedingungen für die proletarische Revolution reif seien. 1914 stand der gegen den Krieg und stand mit seinen Menschewiki-Internationalisten gegen die Mehrheit seiner Partei. Er war Mitbegründer der Zimmerwalder Bewegung. Nach der Februarrevolution kritisierte er die Unterstützung der Menschewiki für die Provisorische Regierung. Beim Wiedervereinigungs-Kongress der Menschewiki im August 1917 unterstützte ihn ein Drittel der Delegierten. In der Oktoberrevolution blieb er isoliert, er gewann die Mehrheit der Menschewiki, unterstütze die Bolschewiki halb-loyal und im Bürgerkrieg. 1920 ging er nach Deutschland und baute die Internationale ‘zweieinhalb‘ auf. 104)

Marx, Karl 1818 -1883
marx_karl_.jpg Der junge Anhänger Hegels wurde durch die deutsche Reaktion ins Exil gezwungen; in der Kritik gegen die Linkshegelianer entwickelte er die materialistische Geschichtsauffassung, eine scharfe Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft und in den Studien zum ‘Kapital‘ eine Analyse der kapitalistischen Produktionsweise. In der Revolution von 1848 aktiv, war er 1864 Mitbegründer der Ersten Internationale. Seine mit seinem Mitkämpfer Friedrich Engels entwickelten Theorien hatten prägenden Einfluss auf die Entwicklung der Arbeiterbewegung. In Russland wandte sie Plechanow auf die russischen Verhältnisse an.




Matuschenko, Afanasi 1879 - 1907
matuschenko.jpg (im weißen Hemd)
Das Kind ukrainischer Bauern arbeitete in verschiedenen Städten Russlands und wurde 1898 Sozialist. Mit 21 Jahren wurde er zur Marine eingezogen. 1902 wurde er als Unteroffizier auf den Panzerkreuzer Potemkin versetzt. Er trat der revolutionären Matrosenorganisation Tsentralka bei. Im Juni versammelten sich über hundert Matrosen außerhalb von Sewastopol, Matuschenko entwarf eine ‘Resolution der Schwarzmeer- Matrosen‘, die ein Ende des Zarismus und eine konstituierende Versammlung forderte. Er war Führer der Meuterei auf der Potemkin wenige Tage später. Er konnte die Potemkin nach Konstanza in Sicherheit bringen, er ging nach Westeuropa und traf sich mit Führeren der Sozialrevolutionäre und der Sozialdemokraten, gehörte selbst keiner Partei an. 1907 kehrte er nach Russland zurück, wurde gefangen genommen, verurteilt und gehenkt. 105)

Medem, Wladimir Dawidowitsch 1879-1923
medem_wladimir.jpg Der Sohn eines assimilierten jüdischen Militärarztes wuchs in Minsk auf und interessierte sich als Student in Kiew für die jiddisch-sprachige Arbeiterklasse im jüdischen Siedlungsgebiet. Er wurde zum wichtigen Theoretiker des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes (Bund). Beim 2. Parteitag der RSDRP wandte er sich gegen den Zentralismus Lenins, die jüdische Arbeiterklasse leide sowohl unter der sozialen als auch an der nationalen Unterdrückung, sie müsse sich also in der russischen Arbeiterbewegung föderalistisch organisieren und der Bund sei die Vertreterin aller jüdischen Arbeiter in ganz Russland. Der Bund brach daraufhin mit der RSDRP. Seit 1906 war er im ZK des Bundes bis 1917. 1918 ging er nach Polen, 1921 emigrierte es nach New York. 106)



Medwedew, Sergei Pawlowitsch 1885-1937
medwedew_sergei.jpg Der Bauernsohn aus der Provinz Moskau wurde Metallarbeiter. Mit 13 Jahren begann er in der Obuchow-Fabrik in Petersburg zu arbeiten, mit 15 Jahren wurde er Sozialist und schloss sich 1903 den Bolschewiki an. Mehrmals wegen seiner Parteiaktivität verbannt, beteiligte er sich 1912-1914 an der Arbeiter-Versicherungsbewegung. Er verbrachte den größten Teil des Krieges in Sibirien, wo er 1917 einen lokalen Arbeiter- und Soldatenrat initiierte. 1918 kehrte er nach Petrograd zurück, im Bürgerkrieg war er Politischer Kommissar der Roten Armee. 1920 wurde er Mitglied der Leitung der Metallarbeiter-Gewerkschaft. Gemeinsam mit Schljapnikow war er Mitglied der Arbeiteropposition. 1921 wurde er Kandidat des Zentralkomitees. 1924 schrieb er einen 'Brief an einen Oppositionellen in Baku' und wandte sich gegen Konzessionen an die Bauern. Er verlor seine Arbeit im Kommissariat für Schwerindustrie vor 1930. Er vertrat wie Schljapnikow 1926 die Vorstellung, der Thermidor habe sich im Sowjetstaat durchgesetzt und müsse mit einer neuen Partei gestürzt werden, 1933 wurde er aus der Partei ausgeschlossen, nach der Ermordung von Kirow wurde er festgenommen und erschossen. 107)

Mehring, Franz 1846-1919
mehring_franz.jpg Der zunächst liberale Historiker wandte sich in seiner Ablehnung des Sozialistengesetzes und nach dem Studium der Werke von Marx der Sozialdemokratie zu und trat 1891 der SPD bei. Als Historiker des Sozialismus und der Arbeiterbewegung stand er auf dem linken Flügel der Sozialdemokraten, 1910 war er Mitglied eins Kommission, die ein russisches Erbe zwischen den Fraktionen der RSDRP teilen sollte. Er war Gegner von Bernsteins Revisionismus, als Kriegsgegner Mitglied des Spartakusbundes und Mitbegründer der KPD. 108)





Mikojan, Anastas Hovhannessi 1895 – 1978
mikojan_anastas.jpg Der Sohn eines armenischen Handwerkers trat 1915 der Bolschewistischen Partei bei. Er ging nach Baku und arbeitete dort für eine armenisch-sprachige und eine russische bolschewistische Zeitung. Er wurde 1917 Mitglied des Sowjets von Baku und entging der Ermordung der ’26 Kommissare von Baku‘. Er wurde Parteiführer in Aserbaidschan, war führendes Mitglied der Stalin-Fraktion und 1923 wurde er Mitglied des ZK der KPSU, 1926 bis 1946 Volkskommissar in verschiedenen Wirtschaftsressorts.





Miljukow, Pawel Nikolajewitsch 1859-1943
miljukow_pawel.jpg Der Historiker entstammte bürgerlichen Verhältnissen. Wegen politischer Unzuverlässigkeit wurde er 1895 in die Provinz verbannt. Er war Mitbegründer des Befreiungsbundes und Mitarbeiter von Struves Zeitschrift Oswoboshdenije und wurde zum Sprecher der Liberalen Russlands. 1905 war er einer Organisatoren des Verbandes der Verbände, eine ‘Gewerkschaften‘ der Intellektuellen und Gründer der Konstitutionellen Demokraten (Kadetten), deren Programm er verfasste. 1907 bis 1917 der Sprecher der Kadetten. 1914 trat er für den Krieg ein. In der ersten Provisorischen Regierung März bis Mai 1917 übernahm er das Amt des Außenministers, er lehnte die Friedensforderungen ab und sicherte den Alliierten im April 1917 die Fortsetzung des Krieges Russlands zu. In der daraus entstehenden Regierungskrise musste er zurücktreten und setzte seine Tätigkeit als Vorsitzender der Kadettenpartei fort. Im Bürgerkrieg schloss er sich den Weißen an und führte im Mai 1918 in Kiew Verhandlungen mit der deutschen Heeresleitung. Daraufhin musste er als Parteichef der Kadetten zurücktreten. Er starb im Exil. 109)

Miljutin, Wladimir Pawlowitsch 1884 – 1937
miljutin_wladimir_pawlowitsch.jpg Miljutin trat der RSDRP 1903 bei und stand auf der Seite der Bolschewiki. Er wurde acht Mal verhaftet, fünf Mal zu Gefängnisstrafen und zweimal zur Deportation nach Sibirien verurteilt. 1917 wurde er ins ZK der Partei gewählt, nach der Oktoberrevolution wurde er Volkskommissar für Landwirtschaft. Im ZK setzte es sich im Oktober/November 1917 für eine Koalitionsregierung aller sozialistischen Parteien ein und trat aus dem ZK zurück. 1937 wurde er rechter Abweichungen beschuldigt und erschossen. 110)





Mjasnikow, Gawril Iljitsch 1889-1945
mjasnikow_gawriil.jpg Der Metallarbeiter aus Perm trat in der Revolution 1905 kurzzeitig der Sozialrevolutionären Partei bei, 1906 wurde er Bolschewik. Er leitete revolutionäre Kampfgruppen und beteiligte sich an Enteignungen. Dafür wurde er zur Verbannung verurteilt, floh 1908, wurde mehrere Male erneut verhaftet und erst 1917 befreit. In Kasan wurde er Chef der Bolschewiki und des Sowjets. 1918 war er für die Ermordung der Zarenfamilie in Perm verantwortlich, um sie nicht in die Hände Denikins fallen zu lassen. Er wurde 1919 Kommandeur der Roten Armee. Im Parteikomitee der KPR Perm kritisierte er, die Arbeiter seien aller Rechte beraubt, die Macht liege in den Händen der bolschewistischen Parteibürokratie, er forderte die Umsetzung von Lenins 'Staat und Revolution' und die Pressefreiheit. Lenin lehnte in einem Briefwechsel mit ihm die Pressefreiheit als Mittel ab, dass dem Bürgertum eine tödliche Waffe in die Hand geben würde. 1922 wurde er aus der KPR ausgeschlossen, er war Mitverfasser der Plattform der Arbeitergruppe. 1923 erneut verhaftet, wurde er aus Sowjetrussland ausgebürgert. Er kehrte zurück, wurde bis 1927 wieder inhaftiert, 1927 nach Eriwan exiliert, vom Iran in die Türkei abgeschoben, wo er 1928 Trotzki traf. 1930 ging er nach Frankreich, war oppositionell tätig und arbeitete als Mechaniker. 1941 von der Gestapo verhaftet, konnte er in die unbesetzte Zone fliehen, wurde erneut verhaftet und floh wieder. Nach der Befreiung erhielt er von der sowjetischen Botschaft das Angebot, in die Sowjetunion zurück zu kehren. 1945 wurde er vom NKWD verhaftet, gefoltert und zum Tode verurteilt.111)

Molotow, Wjatscheslaw Michailowitsch 1890 – 1986
molotow_wjatscheslaw.jpg Der Sohn eines Handelsangestellten trat als 16jähriger 1906 der RSDRP bei. 1909 wurde er verhaftet und verbannt. 1911 studierte er und schrieb für die illegale Prawda, 1913 wurde er wieder verbannt und entkam 1915, in Petrograd wurde er Mitglied des Parteikomitees. Während der Februarrevolution führte er mit Schjapnikow und Salutzki die Bolschewiki und forderte eine provisorische revolutionäre Regierung. Im März übernahmen die aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Kamenow, Stalin, Muranow und Swerdlow die Parteiführung. Sie änderten die Parteilinie der sofortigen Machtübernahme der Räte zugunsten einer ‘kritischen Unterstützung‘ der Provisorischen Regierung. Nach der Rückkehr Lenins setzte der sich mit seinen Aprilthesen und der Forderung aller Macht für die Räte durch. Molotow wurde Mitglied des Petrograder Sowjets und wirkte an der Vorbereitung der Oktoberrevolution im Militärischen Revolutionskomitee mit. 1920 und 1921 war er erster Sekretär der KP der Ukraine. Als Gefolgsmann Stalins arbeitete er ab 1921 im Sekretariat des ZK, 1926 wurde er ins Politbüro gewählt und blieb dort bis 1957. 1930 bis 1941 wurde Vorsitzender des Rats der Volkskommissare, übernahm zusätzlich das Amt des Außenministers und schloss 1939 den Hitler-Stalin-Pakt ab Molotow führte die Außenpolitik Stalins auch nach dessen Tod weiter. 112)

Morosow, Sawwa Timofejewitsch 1862 – 1905
Der Sohn altgläubiger Industrieller war Mäzen und Besitzer einer Moskauer Textilfabrik. Er unterstützte das Moskauer Kunsttheater. Politisch unterstützte er oppositionelle Gruppierungen von den Liberalen bis zu den Bolschewiki. Er informierte 1905 Ministerpräsident Witte, dass Russland eine Verfassung und bürgerliche Freiheiten brauche. Als seine Arbeiter im Februar 1905 streikten, forderte er die Aktionärsversammlung seiner Fabrik vergeblich auf, den Forderungen nach zu kommen. Er war mit Maxim Gorki und Leonid Krassin befreundet, unterstützte die Iskra und finanzierte sozialdemokratische Waffenkäufe. 1905 beging er Selbstmord. 113)

Muranow, Matvej Konstantinowitsch 1873 – 1959
muranow_matvej_konstantinowitsch.jpg Der ukrainische Bauernsohn ging um 1900 als Eisenbahnarbeiter nach Charkow. 1904 schloss er sich den Bolschewiki an. 1912 wurde er von der Arbeiterkurie Charkow als Abgeordneter in die vierte Duma gewählt, als einziger bolschewistischer Abgeordneter war er 1913 gegen den Bruch mit den menschewistischen Duma-Abgeordneten. Wegen seiner Kriegsgegnerschaft wurde er wie die übrigen bolschewistischen Abgeordneten im November 1914 verhaftet und im Februar 1915 zur Verbannung nach Sibirien verurteilt. Nach der Februarrevolution kehrte er im März 1917 nach Petrograd zurück, mit Stalin und Molotow übernahm er die Redaktion der Prawda und die Inlandsleitung der Bolschewiki. Sie unterstützen die Provisorische Regierung bedingt, ‘solange diese gegen die Reaktion und Konterrevolution‘ kämpfe. Diese Linie wurde von der allrussischen Konferenz der Bolschewiki im April unterstützt. Als Lenin aus dem Exil zurück kam, konnte dieser die Partei für einen Sturz der Provisorischen Regierung gewinnen. Muranow wurde wieder nach Charkow geschickt. Im Sommer wurde er vom 6. Parteitag ins ZK gewählt. Auf dem zweiten allrussischen Sowjetkongress im Oktober wurde er ins Präsidium gewählt. Er unterstützte Lenins Kurs bei den Auseinandersetzungen um Brest-Litowsk. 1919 bis 1923 war er Mitglied des ZK. In den Fraktionskämpfen war er Anhänger Stalins. 114)

Murawow, Mikhail Artemjewitsch 1880 – 1918
Der Bauernsohn trat 1898 in die zaristische Armee ein und kämpfte im russisch-japanischen Krieg und im 1.Weltkrieg als Offizier. 1917 wandte er sich den linken Sozialrevolutionären zu. Im Oktober 1917 leitete er die Verteidigung Petrograds gegen Kerenskis Truppen unter Krasnow. 1918 kämpfte er in der Ukraine gegen die Rada und Kaledin. Im Juli 1918 war er Kommandant der Truppen an der Wolga, er hörte er vom Aufstand der linken Sozialrevolutionäre gegen die Bolschewiki und verließ die Front beim Kampf gegen die Tschechische Legion, die dadurch Simbirsk erobern konnte. Er wurde daraufhin von bolschewistischen Soldaten erschossen. 115)

Natanson, Mark Andrejewitsch (Bobrow), 1850-1919
natanson_mark.jpg Als Sohn eines reichen jüdischen Kaufmanns in der Provinz Wilma geboren. Studierte Medizin in Petersburg, wurde wegen revolutionärer Aktivitäten relegiert. 1876 war er Mitbegründer der sozialrevolutionären Zeitschrift Semlja i Wolja und wurde im Folgejahr nach Sibirien verbannt. 1893 gründete er in Saratow eine sozialrevolutionäre Organisation und ein Jahr später zu zehnjähriger Verbannung verurteilt. 1905 schloss er sich der PSR an und wurde 1906 in ihr ZK gewählt, dem er bis 1917 angehörte. Im Exil nahm er an der Zimmerwalder Konferenz teil. Kehrte im Mai 1917 nach Russland zurück und wurde einer der Organisatoren der Linken Sozialrevolutionäre. In deren ZK war er Gegner des Regierungsaustritts der LSR und des Attentats auf Mirbach. Gründete die Partei der Revolutionären Kommunisten. Ging 1919 in die Schweiz. 116)



Nekrassow, Nikolai Wissarionowitsch 1879–1940
nekrassow_nikolai.jpg Der Ingenieur war 1905 Mitbegründer der Partei der Kadetten, 1907 wurde er in die Duma gewählt und 1916 zum stellvertretenden Vorsitzenden des Parlaments. 1916 machte er Pläne zur Abdankung des Zaren und zur Umwandlung Russlands in eine konstitutionelle Demokratie. Nach der Februarrevolution wurde er in der Provisorischen Regierung Verkehrsminister. Über die Frage der Autonomie der Ukraine überwarf er sich mit seiner Partei und trat aus der Regierung aus. Im Juli wurde er in der zweiten KoalitionsregierungKerenski stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister. Im September trat auch er mit der Regierung zurück und Generalgouverneur Finnlands. Die Oktoberrevolution und die Unabhängigkeitserklärung Finnlands im Dezember setzten seiner Tätigkeit ein Ende. Er zog sich aus der Politik zurück und wurde 1939 verhaftet und 1940 erschossen.



Newski, Wladimir Iwanowitsch 1876-1937
newski_wladimir.jpg Der Sohn eines reichen Händlers aus Rostow trat 1898 in die RSDRP ein. Besuchte Lenin 1904, war 1905 bis 1908 Mitglied des Petersburger Komitees. 1913 Mitarbeiter der Prawda und des Russischen Büros des ZK. Nach der Februarrevolution kehrte er aus der sibirischen Verbannung zurück und baute mit Podwoiski die Bolschewistische Militärorganisation auf, Herausgeber der Soldatskaja Prawda. In den Julitagen versuchte er seine Partei zum Aufstand zu treiben. Im Oktober war er gegen ein vorzeitiges Losschlagen und konnte erst kurz vor dem Aufstand von dessen Notwendigkeit überzeugt werden. In der Sowjetregierung wurde er Volkskommissar für das Eisenbahnwesen. 1919 war er stellvertretender Vorsitzender des allrussischen Exekutivkomitees des Sowjet. Mitglied der Arbeiteropposition. Am Ende des Bürgerkrieges wurde er Vorsitzender der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Revolution (Istpart). Seine Darstellung der Geschichte der Revolution führte zu seiner Verhaftung als Anhänger der Opposition, er starb im Gefängnis. 117)


Nikolaeva, Klavdija Iwanowna 1893-1944
nikolaewa_klawdija.jpg Sie stammte aus einer Petersburger Arbeiterfamilie, nahm an den Streiks 1905 bis 1907 teil. Mitglied der Bolschewiki seit 1909, in der Führung der Druckergewerkschaft tätig. 1914 war sie Mitbegründerin der Frauenzeitung Rabotnitzka (Die Arbeiterin), für die sie auch nach der Revolution arbeitete. Sie bereitete den ersten Allunionskongress der Arbeiterinnen und Bäuerinnen vor. Mitbegründerin der Frauenabteilung der Bolschewiki Schenotdel, deren Vorsitzende sie 1924 bis 1925 war. Mitglied des ZK 1924-1925 , wegen des Vorwurfs der Sinowjewistischen Opposition wurde sie 1925 abgesetzt. Bis 1930 leitete sie die Agitpropabteilung im Nordkaukasus, 1930-1933 in der Abteilung der Massenagitation des ZK, bis 1936 zweite Sekretärin des Gebietskomitees der WKP in Iwanowo, 1936 Sekretärin des Gewerkschaftsverbandes. 118)



Nogin, Wiktor Pawlowitsch 1878 – 1924
nogin_vp.jpg Der Sohn eines Landenbesitzers in Moskau war Arbeiter und trat 1898 der RSDRP bei. Er wurde verhaftet, floh 1903 nach Europa, kehrte zurück und wurde Verbindungsmann der Iskra. 1907 wurde er auf dem 5.Parteitag ins ZK gewählt. Der gute Organisator versuchte 1910 vergeblich, Bolschewiki und Menschewiki zur Parteifusion zu bewegen, er gehörte zu den sogenannten ‘Versöhnlern‘. 1917 war er in Moskau mit Kamenew und Bubnow einer der wichtigsten Führer der Bolschewiki. Im April 1917 wurde er in das ZK gewählt als Gegner Lenins, er riet zum vorsichtigen Vorgehen. Im September 1917 wurde er zum Vorsitzenden des Moskauer Stadtsowjets gewählt und bereitete die Oktoberrevolution in Moskau vor. Nach der Revolution wurde er Volkskommissar für Handel und Industrie, trat aber im November aus der Regierung und dem ZK gemeinsam mit Kamenew, Sinowjew und anderen zurück, weil er eine Koalitionsregierung aus den sozialistischen Parteien durchsetzen wollte. Er leitete den Wiederaufbau der Textilindustrie des Landes, 1923 verhandelte er mit Krassin das Englisch-Russische Handelsabkommen und bemühte sich um die Wiederaufnahme der Beziehungen zu den USA. 119)

Obolew siehe Ossinski

Olminski, Michail S. 1863 – 1933
olminski_michail.jpg In Moskau als Sohn eines adligen Beamten geboren, als Student von der Petersburger Universität relegiert, Schriftsteller. In den achtziger Jahren trat der der Bewegung der Sozialrevolutionäre bei, 1898 der RSDRP, 1903 den Bolschewiki bei. Mehrmals verhaftet, drei Jahre in Einzelhaft und im Exil. Schrieb für die bolschewistischen Zeitungen, erklärte sich als einer der ersten für die Aprilthesen Lenins, in die Konstituierende Versammlung gewählt. Wandte sich gegen die Exzesse der Tscheka während des 'roten Terrors'. 120)





Ordschonikidze Grigori Konstantinowitsch 1886 - 1937
ordschonikidse_sergo.jpg Der Sohn eines mittellosen georgischen Adligen kam als Medizinstudent mit den Revolutionären in Kontakt, er trat 1903 der RSDRP bei und unterstützte die Bolschewiki. 1905 wurde er verhaftet und ging nach Deutschland ins Exil. 1907 ging er zurück und wurde in Baku wieder verhaftet und nach Sibirien verbannt. 1909 flüchtete er nach Paris und studierte an der Parteischule in Longjumeau. 1912 wurde er auf der 6.Parteikonferenz der Bolschewiki ins ZK gewählt. 1912 kehrte er nach Petersburg zurück und wurde wieder verhaftet, er kam auf die Festung Schlüsselburg und wurde 1915 nach Jakutien verbannt. Im Juni 1917 kehrte er nach Petrograd zurück und beteiligte sich an der Oktoberrevolution. Ab Dezember 1917 war er Kommissar für die Ukraine. Er organisierte die Getreideversorgung und baute eine militärische Verteidigung gegen die Mittelmächte auf. Bis 1920 war er im Bürgerkrieg. Er wurde Vorsitzender des Kaukasischen Büros der KPR und organisierte 1922 die Eingliederung der Transkaukasischen Republik in die Sowjetunion. 1926 wurde der Anhänger Stalins zum Vorsitzenden der Zentralen Kontrollkommission der KPSU und beteiligte sich am Kampf gegen die Vereinigte Opposition. Seit 1930 Mitglied des ZK und des Politbüros war er ab 1932 Volkskommissar der Schwerindustrie. 1937 wurde er tot aufgefunden, Gerüchte kursierten, er habe Stalin im ZK anklagen wollen. 121)

Ossinski, Nikolai (Obolew) 1887-1938
ossinski_nikolai_obolenski_.jpg Der Teilnehmer der Revolution von 1905 schloss sich den Bolschewiki an und studierte Wirtschaftswissenschaften in Moskau. 1910 verhaftet, nahm er 1917 an der Revolution in Moskau teil. Nach der Revolution leitete den Obersten Wirtschaftsrat. 1918 Linkskommunist und Mitherausgeber der Zeitschrift Kommunist. Er nannte die Wirtschaftsform des Sowjetstaat staatskapitalistisch. 1920 wurde er Mitglied der Gruppe der Demokratischen Zentralisten. 1921 stellvertretender Volkskommissar für Landwirtschaft. 1923/24 war er Mitglied der Linken Opposition, brach dann mit ihr. 1938 im Prozess gegen Bucharin und Rykow angeklagt und erschossen. 122)




Parvus, Alexander (Helphand) 1867-1924
parvus_alexander.jpg Israel Lasarewitsch Helphand wurde als Sohn jüdischer Eltern in Minsk geboren, sammelte als Jugendlicher in Odessa revolutionäre Erfahrungen und musste 1886 in die Schweiz fliehen, wo er mit dem Marxismus in Kontakt kam. Er schrieb für die deutsche und russische sozialdemokratische Presse. Er nahm an der Revolution von 1905 teil, mit Trotzki entwickelte er die Theorie der permanenten Revolution. 1906 verhaftet, floh er aus der Verbannung in Sibirien. Die Bolschewiki beschuldigten ihn 1907 der Unterschlagung. Im Krieg wurde er als Rüstungslieferant reich. 1915 unterstützte ihn die deutsche Regierung bei ihrer Propagandaarbeit in Russland finanziell. 1917 organisierte er die Reise Lenins und anderer von der Schweiz durch Deutschland nach Russland. Die Bolschewiki lehnten Kontakt mit ihm ab. 123)



Peters, Jakow Christoforowitsch 1886 – 1938
peters_jakow.jpg Der Sohn eines lettischen Bauern trat 1904 der Lettischen Sozialdemokratischen Partei (LSD) bei, 1907/08 saß er im Gefängnis. 1910 wurde er unter dem Verdacht eines anarchistischen Mordes in London verhaftet und 1911 frei gelassen. Im Frühjahr 1917 kehrte er mach Russland zurück, trat ins ZK der LDS und beteiligte sich an der Oktoberrevolution. Im Dezember 1917 wurde er Mitglied der Tscheka. Er beteiligte sich an der Unterdrückung des Aufstandes der linken Sozialrevolutionäre 1918 und vertrat Dserschinski bei dessen zeitweiser Suspendierung. 1923 bis 1934 war er Mitglied der Zentralen Kontrollkommission der KP. 1937 verhaftet, wurde er erschossen. 124)




Petljura, Simon Wassyljowytsch 1879 – 1926
petljura_simon.jpg Der Kosakensohn wurde 1903 wegen antizaristischer Artikel verhaftet. 1904 emigrierte er nach Österreich-Ungarn. Während der Revolution 1905 war er in Petersburg und Kiew aktiv. Er entwickelte sich zum ukrainischen Nationalisten. Nach der Februarrevolution war er an der Proklamation der Rada zur Unabhängigkeit der Ukraine beteiligt und verhinderte Anfang 1918 die Übernahme der Macht durch die Bolschewiki. Nach Skoropadskis Putsch im April 1918 wurde er festgenommen, nach dem Rückzug der Deutschen wurde er Befehlshaber der Armee und 1919 Regierungschef. Er verteidigte die Ukraine gegen die Rote und Weiße Armee sowie gegen Machnos ‘grüne Armee’. In seinem Herrschaftsbereich ereigneten sich zahlreiche Judenpogrome. Im Dezember 1919 floh er vor der Roten Armee nach Polen, in Polnisch-Russischen Krieg konnte er zeitweise wieder in Kiew herrschen, musste sich mit der polnischen Armee zurück ziehen und führte bis 1923 eine ukrainische Exilregierung. Er wurde von einem jüdischen Anarchisten in Paris erschossen. 125)


Petrischenko, Stepan Maximowitsch 1892 – 1947
petrischenko_stepan_maximowitsch.jpg Er wurde in der Provinz Kaluga in eine Bauernfamilie geboren. Er arbeitete als Metallarbeiter und wurde 1913 in die Marine rekrutiert. Auf seinem Schlachtschiff Petropawlowsk kam er nach der Evakuation Estlands nach Helsingfors (Helsinki) und Kronstadt. Nach der Februarrevolution wurde er Anarcho-Syndikalist, trat 1919 der Kommunistischen Partei bei, trat später wieder aus. Während des Bürgerkrieges kämpfte er in der Machno-Armee und kehrte wieder auf sein Schiff zurück. Als Schreiber führte er das Provisorische Revolutionskomitee des Kronstadter Aufstandes im März 1921 an. Bei der Niederschlagung des Aufstand floh er nach Finnland, unterstütze 1940 die Sowjetunion im Winterkrieg gegen Finnland, wurde 1945 an die Sowjetunion ausgeliefert und starb im Gefängnis. 126)



Petrowski, Grigori Iwanowitsch 1878 – 1958
petrowski_grigori.jpg Das Kind einer ukrainischen Handwerkerfamilie musste mit 11 Jahren arbeiten. In Jekaterinoslaw wurde er Metallarbeiter und trat 1897 der entstehenden RSDRP bei und 1903 optierte er für die Bolschewiki. 1905 war er einer der Führer im Arbeiterrat von Jekaterinoslaw. Er musste nach Deutschland fliehen, kam 1907 wieder zurück. 1912 wurde er von der Arbeiterkurie der Provinz in die Duma gewählt, er war auch Redakteur der Prawda. 1914 wurden die Mitglieder der bolschewistischen Duma-Fraktion verhaftet und zum Exil in Sibirien verurteilt. Nach der Oktoberrevolution wurde er bis 1919 Volkskommissar für Inneres und 1918 Delegierter der russischen Delegation bei den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk. 1922 bis 1938 war er Vorsitzender der Ukrainischen Zentralexekuivkomitees. Während der stalinschen Säuberungen verlor er nur seine Mitgliedschaft der Partei und wurde 1940 Direktor des Revolutionsmuseums in Moskau. 127)


Pilsudski, Jozef 1867 – 1935
pilsudski_jozef.jpg Der Sohn eines polnischen Kleinadligen schloss sich als Student der Gruppe Volkswille an und beteiligte sich an der Vorbereitung auf ein Attentat auf den russischen Zaren. Die Verschwörer wurden 1887 verhaftet, Lenins Bruder Alexandr Uljanow wurde gehängt, Pilsudski zur Verbannung verurteilt. 1892 beteiligte er sich an der Gründung der Polnischen Sozialistischen Partei PPS, deren führendes Mitglied er wurde. Die PPS war für die nationale Befreiung Polens, in einer dann geschaffenen polnischen Republik wollte sie für sie sozialistische Revolution kämpfen. Während der Revolution 1905 führte er die Militärorganisation der PPS, die zaristische Beamte terrorisierte und Expropriationen machte. 1909 wurde er wieder verhaftet und konnte fliehen. Im ersten Weltkrieg kämpfte er auf Seiten von Österreich-Ungarn gegen Russland. 1918 wurde er mit der Führung des polnischen Staates beauftragt und führte 1920 Krieg mit Sowjet-Russland und Litauen. 1926 machte er einen Staatsstreich, nahm das Präsidentenamt nicht an und agierte als der starke Mann im Hintergrund. 128)


Pjatakow, Georgi Leonidowitsch 1890 – 1937
pjatakow_georgi.jpg Der Sohn eines ukrainischen Ingenieurs und Fabrikbesitzers wandte sich 1907 dem Anarchismus zu, seine Gruppe bereitete 1907 ein Attentat auf den Generalgouverneur von Kiew vor. 1910 wandte er sich dem Bolschewiki zu. In Kiew arbeitete am Wiederaufbau der von der Ochrana zerschlagenen Gruppe. 1912 wurde er verhaftet und nach Sibirien verbannt, er konnte in die Schweiz fliehen. 1915 ging er nach Schweden, während der Februarrevolution 1917 kehrte er nach Kiew zurück und spielte während der Oktoberrevolution in der Stadt eine bedeutende Rolle. Er war innerhalb der Bolschewistischen Partei schärfster Gegner von Lenins Nationalitätenpolitik. Im November 1917 holte ihn der Rat der Volkskommissare nach Petersburg und machte ihn zum Hauptkommissar der russischen Staatsbank. Er war Linker Kommunist und gegen den Frieden von Brest-Litowsk. Aus Protest trat er zurück und schloss sich in der Ukraine den roten Partisanen an, die gegen die deutsche Armee kämpften. Er wurde im Oktober 1918 zum Regierungschef der zweiten Sowjetrepublik der Ukraine. Im Bürgerkrieg nahm er im Kampf gegen Denikin und die polnische Armee 1920 teil. Nach dem Bürgerkrieg kehrte er in die Wirtschaftsverwaltung zurück, 1922/23 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des staatlichen Planungskomitees Gosplan. 1923 bis 1927 und 1930 bis 1936 war er Mitglied des ZK der KPSU. Nach Lenins Tod wurde er Mitglied er Linken Opposition und wandte sich gegen die NEP, die das Proletariat auf dem Weg der Erfüllung seiner historischen Mission bremse. 1927 wurde er aus der KPSU ausgeschlossen und in die Handelsvertretung nach Frankreich geschickt. 1928 sagte er sich von der Opposition los, wurde wieder in die Partei aufgenommen und 1929 zum Leiter der russischen Staatsbank ernannt. Er arbeitete den Fünfjahresplan 1930 aus. 1936 wurde er als Mitglied einer angeblichen trotzkistischen Organisation verhaftet und zum Tode verurteilt. 129)


Pjatnizki, Ossip Aronowitsch 1883 – 1938
pjatnitski_ossip.jpg Der Sohn einer litauisch-jüdischen Familie trat als Schneider 1898 revolutionären Zirkeln des Bundes und der Gewerkschaft bei, in Wilna organisierte er 1899 und 1900 Maiveranstaltungen und den Vertrieb der Iskra in Russland. 1902 wurde er verhaftet, er konnte fliehen und nahm am 2. Parteitag der RSDRP teil, wo er sich auf die Seite der Bolschewiki stellte. Er ging nach Russland zurück und baute in Odessa die Partei mit auf. Er organisierte Streiks und die Demonstrationen 1905, und arbeitete bis 1908 konspirativ in Moskau. Im Exil organisierte er bis 1912 den Transport der Literatur von Deutschland nach Russland, kehrte dann nach Russland zurück, leitete die politische Arbeit unter Eisenbahnern und wurde in Moskau Mitglied der Stadtleitung der Bolschewiki. 1914 wurde er verhaftet und zur Verbannung verurteilt, wo er von der Revolution befreit wurde. Er leitete zögerlich die Machtergreifung in Moskau. Im Dezember 1917 führte er den außerordentlichen Kongress der Eisenbahnergewerkschaft, überwand den Boykott der alten Führung gegen die Sowjetregierung und wurde ihr Vorsitzender. 1918 und 1919 war er mit Radek in Berlin. 1921 bis 1926 arbeitete er im EKKI. Mitte der dreißiger Jahre kritisierte er die Volksfrontpolitik der Komintern, 1935 wurde er nicht mehr ins EKKI gewählt. 1937 soll er eine Rede im ZK der KPSU gegen die Repression der Opposition gehalten haben. Als Trotzkist und Rechtsabweichler wurde er verurteilt und erschossen. 130)


Platten, Fritz 1883-1942
platten_fritz.jpg 1906 beteiligte sich der schweizer Sozialdemokrat an der revolutionären Bewegung in Lettland. 1911-1921 war er Mitglied der schweizer Leitung der Sozialdemokratie. Während des Weltkrieges war er aktiver Teilnehmer des linken Flügels der Zimmerwalder Bewegung. Im April 1917 arrangierte er die Fahrt russischer Revolutionäre durch Deutschland nach Russland. In den folgenden Jahren arbeitete er für die Komintern in Mitteleuropa. Er war Gründungsmitglied der Schweizer Kommunistischen Partei. Ab 1923 leitete er eine Kommune schweizer Immigranten in Russland. 131)




Plechanow, Georgi Walentinowitsch 1856-1918
plechanow_grigori.jpg Der ehemalige Narodnik war der ‘Vater‘ des Marxismus in Russland. 1880 ging es in die Schweiz, wo er bis 1917 blieb. Die Gruppe Befreiung der Arbeit, die von Plechanow, Pawel Axelrod, Wera Sassulitsch, L. Deutsch und W. Ignatow 1883 gegründet wurde, bekämpfte die Narodniki und verbreitete den Marxismus in Russland. Er betonte die führende Rolle der Arbeiterklasse im Kampf gegen die Zarenherrschaft. Die Arbeiterklasse müsse die Europäisierung Russlands zum Abschluss bringen und um demokratische Freiheiten kämpfen, bevor sie für den Sozialismus kämpfen könne. Seine Arbeiten zum historischen Materialismus waren bedeutend und sehr deterministisch. Er unterstützte im Exil die Entwicklung Lenins, bevor er sich auf die Seite der Menschewiki stellte. Im Weltkrieg nahm er Positionen der Vaterlandsverteidigung ein. 1917 kehrte er nach 37 Jahren Exil nach Russland zurück, seine kleine Gruppe und Zeitschrift Jedinstwo (Einheit) war für die Fortsetzung des Krieges bis zum Sieg und eine Koalitionsregierung mit den bürgerlichen Parteien. Seine Furcht vor einer verfrühten proletarischen Revolution führte in zur Gegnerschaft zu den Bolschewiki. 132)


Plehwe, Wjatscheslaw Konstantinowitsch 1846-1904
plehwe_wjatschesklw.jpg In den achtziger Jahren machte er im Polizei- und Justizdienst Karriere. 1903 denunzierte er Finanzminister Witte beim Zaren als Teilnehmer einer jüdischen Verschwörung und erreichte dessen Absetzung. Er wurde 1902 Innenminister, war für die Repression und war für die Unterdrückung von Minderheiten verantwortlich. 1904 wurde er von Sozialrevolutionären in Sankt Petersburg durch eine Bombe ermordet. 133)






Podwoiski, Nikolai Iljitsch 1880 – 1948
podwoiski_nikolai_foto_chronos.jpg Als Sohn eines Lehrers in einem Dorf der Provinz Tschernigow geboren, aus dem Priesterseminar wegen revolutionärer Tätigkeit 1901 ausgeschlossen, im gleichen Jahr trat er dem Sozialdemokraten bei, 1903 den Bolschewiki. 1905 war er Streikführer und des Arbeiterrates von Iwanowo-Wosnessensk. 1906/7 ging er ins Exil nach Deutschland und der Schweiz. 1907 ging er nach Russland zurück und arbeitete für die Bolschewiki in Petersburg, Kostroma und Baku, arbeitete an der Herausgabe von Swesda und Prawda mit, 1915-16 an der legalen Zeitschrift für Versicherungsfragen und war im Russischen Büro der Bolschewiki. Im November 1916 verhaftet und im Februar 1917 zur Verbannung nach Sibirien verurteilt, befreite ihn die Februarrevolution. Mitglied des Petersburger Komitees, und des Petrograder Sowjets, in der Bolschewistischen Partei Leiter der Militärorganisation, Herausgeber der Soldatskaja Prawda und anderer Parteizeitungen, Organisator der Roten Garden. Als stellvertretender Vorsitzender des Militärischen Revolutionskomitees war er einer der militärischen Führer des Sturms auf das Winterpalais und Kommandant des Verteidigung der Stadt beim Angriff von Krasnow. Im Rat der Volkskommissare war er einer der drei Kommissare für die Armee und Flotte und Mitglied des Obersten Kriegsrates. 1918 an der Unterdrückung des sozialrevolutionären Aufstandes beteiligt, 1924 bis 1930 war er Mitglied der Zentralen Kontrollkommission der KPSU. Seit 1934 Rentner, entkam er den stalinistischen Säuberungen. 134)


Potressow, Alexandr Nikolajewitsch 1969 - 1934
potressow_aleksandr.jpg Er stammte aus einer adligen Familie, Mitbegründer des russischen Marxismus mit Plechanow, Axelrod und Sassulitsch. Mit Lenin und Martow gründete er 1900 die Zeitschrift Iskra. Der menschewistische Führer war Vertreter des Flügels der ‘Liquidatoren‘, der die illegale Arbeit zugunsten eines legalen Parteiaufbaus aufgeben wollte. Stand 1917 auf dem rechten Flügel der menschewistischen Vaterlandsverteidiger, war von den anderen menschewistischen Fraktionen isoliert. 135)





Preobraschenski, Jewgeni Alexejewitsch 1886 – 1937
preobraschenski_jewgeni.jpg Der Sohn eines Priesters schloss sich 1903 der bolschewistischen Fraktion der RSDRP an, er arbeitete im Ural und in Sibirien. 1918 gehörte er den Linken Kommunisten an, die sich gegen den Frieden von Brest-Litowsk aussprachen. In den zwanziger Jahren war er ein führender Ökonom der Sowjetunion. 1920 schloss er sich dem Demokratischen Zentralisten an. Mit Bucharin veröffentlichte er das bekannten 'ABC des Kommunismus'. Er wandte sich gegen die Einführung der NEP. Der Mitarbeiter der Prawda unterstütze 1924 die Linke Opposition, wurde 1927 aus der Partei ausgeschlossen und brach 1929 er mit dem Trotzkismus. 1930 wurde er wieder aufgenommen und hatte Posten in der Wirtschaft inne. 1936 wurde er wieder verhaftet und 1937 erschossen. 136)



Proschjan, Prosch Pertschewitsch (Sema), 1883-1918
proschjan_prosch.jpg In Armenien geboren, agitierte er seit 1904 unter den Textilarbeitern Odessas, trat 1905 der PSR bei. Nach einem Versuch, politische Gefangene zu befreien, wurde er zu Zwangsarbeit verurteilt. 1910 nahm er seine illegale Tätigkeit für die PSR wieder auf und wurde nach vier Monaten in Freiheit verhaftet und erneut nach Sibirien verbannt. Vor Ausbruch des Weltkrieges floh er nach Westeuropa. Während des Krieges agitierte er unter russischen Kriegsgefangenen in Deutschland und Österreich. Nach seiner Rückkehr im 1917 gab er in Helsingfors sozialrevolutionäre Zeitungen heraus und auf Befehl Kerenskis verhaftet. Wegen seiner kritischen Haltung zur Regierung Kerenski wurde er aus der PSR ausgeschlossen und schloss sich den Linken Sozialrevolutionären an; Ende 1917 bis März 1918 war er Volkskommissar für Post und Telegrafie. Er war Gegner des Vertrages von Brest-Litowsk. Im Mai 1918 trat er der Regierung der Kommune des Nordens als Volkskommissar bei, aus der er nach dem 'Putsch‘ 1918 ausgeschlossen wurde. Er ging in den Untergrund und wurde im November 1918 in Abwesenheit verurteilt. Er verstarb im Dezember 1918 an Typhus. 137)


Pugatschow, Jemeljan Iwanowitsch 1742 - 1775
pugachtschow_jemeljan.jpg Der Kosak war Führer des Bauernaufstandes 1773 bis 1775. Er organisierte die Bauern und nationalen Minderheiten der Tataren, Baschkiren u.a., die religiöse Minderheit der Altgläubigen sowie Arbeiter gegen den Feudalismus und die Bürokratie Katharinas II. Er beherrschte das Gebiet der Ural-Kosaken bis zur Wolga, eroberte Samara und Kasan, vertrieb und tötete die adligen Grundbesitzer, bevor der bei Zaryzin geschlagen und hingerichtet wurde. 138)





Putilow, Alexei Iwanowitsch 1866 - ca.1937
putilow_alexei_i..jpg 1889 trat der Sohn eines Geheimrates in den Staatsdienst. Er wurde von Finanzminister Witte protegiert. 1905 wurde er Vorstandsmitglied der Russisch-Chinesischen Bank und 1910 Vorsitzender des Nachfolgeinstituts Russisch-Asiatische Bank. Unter seiner Führung wurde sie zur größten russischen Bank. Er saß in mehr als 50 Aufsichtsräten, in der Industrie- und Handelskammer und im Vorstand der Metallindustrie. Im Krieg vertrat der Millionär die Rüstungsindustriellen gegenüber dem Kriegsministerium. Nach der Februarrevolution sah er schnell die Schwäche der Provisorischen Regierung. Er gründete die Gesellschaft für die ökonomische Wiedergeburt Russlands, im Sommer unterstützte er den Putsch des General Kornilow politisch und finanziell. Nach dessen Niederlage verließ er Petrograd. Im Dezember 1917 beschlagnahmte der Rat der Volkskommissare sein Vermögen. Während des Bürgerkrieges unterstützte er Deniki, starb in Frankreich. 139)


Radek, Karl 1885 – 1939
radek_karl.jpg Karol Sobelson wuchs in einer jüdischen Familie im österreichisch-ungarischen Lemberg auf. Er trat 1902 der SDKPiL bei. 1907 emigrierte er nach Deutschland und schloss sich mit Rosa Luxemburg dem linken Flügel der SPD an, aus der er 1912 ausgeschlossen wurde. Während des Ersten Weltkrieges arbeitete er in der Schweiz eng mit Lenin zusammen und nahm 1915 an der Zimmerwalder Konferenz teil. Während der russischen Revolution unterstütze er die Antikriegsarbeit der Bolschewiki und nahm 1918 als russischer Delegierter an den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk teil. Ende 1918 reiste er nach Deutschland. Ab 1919 war er Mitglied des ZK der Bolschewiki, und Mitbegründer der KPD. In der Kommunistischen Internationale war er 1921 bis 1924 führend tätig. Er befürwortete die Einheitsfrontpolitik der Kommunisten mit der Sozialdemokratie, war auch für die Gewinnung Rechtsradikaler im Kampf gegen die Ruhrbesitzung (‘Schlageterkurs‘), und bereitete mit seinem Kontakten zu bürgerlichen Politikern den Vertrag von Rapallo vor. Als Mitglied des ZK der KPR war er Anhänger der Opposition Trotzkis, wurde 1927 aus der Partei ausgeschlossen und nach Sibirien verbannt. Er kapitulierte 1929 und wurde zu einem führenden Vertreter des Personenkults um Stalin. Im zweiten Moskauer Prozess 1937 wurde zu Lagerhaft verurteilt. 140)


Rafes, Moisei Grigorewitsch 1883 – 1942
Seit seiner Jugend war er in Wilna aktiv im Jüdischen Arbeiterbund (Bund), seit 1912 Mitglied im Zentralkomitee. Nach der Februarrevolution Vertreter des Bundes im Petrograder Arbeiterat, ebenso der ukrainischen Rada. Erst war er Gegner der Bolschewiki, 1919 gehörte er zu den Gründern des Kombundes. Er wurde einer der Führer der Jewsektia, der jüdischen Sektion der KPR. 1942 wurde er verhaftet und starb. 141)


Rakowski, Christian Georgijewitsch 1873 - 1941
rakowski_christian.jpg Er war Sohn einer wohlhabenden bulgarischen Familie in Ostrumelien, damals noch zum Osmanischen Reich gehörend. Wegen sozialistischer Umtriebe von der Schule entfernt, ging er 1890 zum Studium nach Genf und lernte Plechanow und Luxemburg kennen. 1893 und 1896 vertrat der die bulgarischen Sozialisten auf dem Internationalen Sozialistenkongress in Zürich. 1903 wurde er Mitglied der RSDRP, nahm für keine der Fraktionen Partei. Als Arzt leistete er Wehrdienst in der rumänischen Armee. Nach dem Studium war er in Rumänien Mitbegründer der rumänischen Sozialdemokratie. Er wurde insgesamt sieben Mal aus Bulgarien, Rumänien, Deutschland, Russland, der Ukraine und Frankreich wegen seiner revolutionären Aktivitäten ausgewiesen. 1904 war er Vertreter serbischen Sozialisten auf Amsterdamer Kongress der zweiten Internationale. 1905 verhandelte er für den Matrosen des Panzerkreuzers Potemkin, die nach Rumänien geflohen waren, über ihr Exil. Er vertrat die Idee einer sozialistischen Balkanföderation und initiierte 1915 eine Konferenz der sozialdemokratischen Parteien des Balkans in Bukarest. 1915 war er Teilnehmer der Zimmerwalder Konferenz. Nach dem Kriegseintritt Rumäniens 1916 wurde er als deutscher Spion verhaftet, nach der Februarrevolution von den russischen Besatzungstruppen befreit. Er wurde erst Mitglied von Martows Menschewiki-Internationalisten, vor der Oktoberrevolution trat er den Bolschewiki bei. Nach der Oktoberrevolution war er Präsident der revolutionären Regierung der Ukraine und an den Verhandlungen des Vertrages von Brest-Litowsk beteiligt. Im September 1918 wurde er zu Verhandlungen nach Berlin geschickt, verhaftet und von der deutschen Revolution befreit. 1919 bis 1923 wurde er Präsident der Ukrainischen Sowjetrepublik, als Vertreter der Föderation der kommunistischen Parteien des Balkans nahm er im März 1919 am Gründungskongress der Komintern teil. 1922 nahm er an der Konferenz von Genua und war an der Ausarbeitung des Rapallo-Paktes beteiligt. Er engagierte sich 1923 für die Linke Opposition, er wurde nach Großbritannien und Frankreich geschickt, um die diplomatische Anerkennung der Sowjetunion zu verhandeln. Durch die Entsendung ins Ausland von den russischen Fraktionskämpfen fern gehalten. 1925 bis 1927 wurde er Botschafter in Paris, er wurde wegen seiner Unterschrift unter einer trotzkistischen Plattform ausgewiesen. Nach der Niederlage der Opposition wurde er 1927 aus der Partei ausgeschlossen. Er war sechs Jahre im sibirischen Exil, als einer der letzten der Oppositionellen kapitulierte er angesichts des Sieges Hitlers in Deutschland. 1937 wurde er verhaftet, im dritten Moskauer Prozess 1938 zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und starb im Lager. 142)


Rasin, Stepan ‘Stenka‘ Timofejewitsch 1630 – 1671
rasin_stenka.jpg Im Kampf gegen die Leibeigenschaft griff der Ataman (Militärführer) der Kosaken in die Wirren um die Zarenkrone ein, seiner Rebellion schlossen sich Bauern und die religiöse Minderheit der Altgläubigen an. Vom Kaspischen Meer zog er die Wolga hinauf und eroberte Astrachan und Samara, auf dem Höhepunkt seiner Macht kontrollierte er weite Gebiete Südrusslands. Er wurde hingerichtet, sein Andenken lebte in vielen Geschichten und Liedern des Volkes weiter. 143)





Raskolnikow, Fjodor Feodorowitsch 1892 - 1939
CREATOR: gd-jpeg v1.0 (using IJG JPEG v62), default quality Fjodor F. Iljin wurde 1892 nahe Sankt Petersburg als unehelicher Sohn eines orthodoxen Priesters geboren geboren. 1909 begann er Ökonomie zu studieren. 1910 trat er der dem bolschewistischen Flügel der RSDRP bei. Seit der Gründung der Prawda arbeitete er unter dem Parteinamen Raskolnikow als Redaktionssekretär, wurde verhaftet und verbannt, 1913 amnestiert. Bis zum Krieg arbeitete er wieder an der Prawda mit. Bei Kriegsausbruch ging er zur Marine, wurde Offiziersschüler. 1917 führte er die Kronstadter Matrosen im Kampf gegen die Provisorische Regierung, in den Julitagen bis zum Oktober inhaftiert. 1918 Volkskommissar der Marine. Im Bürgerkrieg übernahm er wichtige Kommandos in der Schwarzmeerflotte, gegen die Tschechoslowaken, in der Wolga-Flotte. Im Dezember 1918 wurde er von den Briten auf einer Aufklärungsmission nach Tallinn festgenommen und in London inhaftiert, kam durch einen Gefangenenaustausch im Mai 1919 frei. Übernahm er das Kommando der Wolga-Kaspisches Meer-Flotte und befreite in einem persischen Hafen Schiffe der Flotte der Weißen. 1920 Kommissar der Baltischen Flotte. Nach dem Bürgerkrieg im diplomatischen Dienst. Bis 1937 kritisierte er die Linie Stalins nicht. Im Juli 1937 wurde er nach Moskau zurück beordert, floh stattdessen nach Paris. 1939 wurde ihm die Staatsbürgerschaft der Sowjetunion entzogen. In einem offenen Brief an Stalin beschuldigte er ihn der Konterrevolution. Er wurde psychisch krank und starb 1939. 144)


Rasputin, Grigori Jefimowitsch 1869-1916
rasputin.jpg Der junge Rasputin war Wanderprediger, dem Wunderheilungen zugeschrieben wurden. Er wurde 1905 an den Hof gerufen, um die Bluterkrankheit des Zarensohnes zu heilen. Zarin Alexandra hielt ihn für einen Heiligen, er übte großen Einfluss auf sie aus. Die Öffentlichkeit und Teile des Hofadels verurteilte seinen unmoralischen Lebenswandel und seinen Einfluss bei Hof. Als der Zar 1915 das Kommando der Armee übernahm, gewann die Zarin und damit Rasputin großen Einfluss auf die Politik. Reaktionäre Politiker ermordeten ihn. 145)





Reed, John 1887-1920
Der Sohn eines Richters und Harvard-Absolvent wurde Kriegsberichterstatter im US-mexikanischen Krieg 1916/17 und kam vor der Oktoberrevolution nach Russland. Er wurde Anhänger der Bolschewiki und schrieb einen fesselnden Augenzeugenbericht über die Revolution (‘Zehn Tage die die Welt erschütterten‘). Nach der Revolution arbeitete er im Büro für Internationale Propaganda. Er wurde Mitbegründer der KP der USA, Mitglied der Exekutive der Komintern und Teilnehmer am zweiten Kongress der Komintern. Nach dem Kongress reiste er nach Baku zum Kongress der Völker des Ostens, wo er amTyphus starb. 146)




Reissner, Larissa Michailnowna 1895-1926
UNICODE��C�R�E�A�T�O�R�:� �g�d�-�j�p�e�g� �v�1�.�0� �(�u�s�i�n�g� �I�J�G�... Sie wurde als Tochter eines Hochschullehrers in Lublin (Kongresspolen) geboren und verbrachte ihre Kindheit in Deutschland und Paris. Nach Unterdrückung der Revolution 1905 besuchte sie in Russland die Schule. Zu Kriegsbeginn nahm sie eine internationalistische Position ein. Sie engagierte sich in Arbeiterorganisationen und arbeitete in einem Schulungszirkel unter den Matrosen von Kronstadt. Während der Bürgerkrieges war sie Kommissarin der Roten Armee. Nach dem Bürgerkrieg studierte und arbeitete sie in Petrograd. Die Einführung der NEP und der Kronstadter Aufstand demoralisierten sie. Mit Raskolnikow ging sie nach Afghanistan und engagierte sich gegen den britischen Imperialismus. 1923 war sie an der gescheiterten Oktoberrevolution beteiligt und berichtete über den Hamburger Aufstand. Sie starb an Malaria. 147)


Rjabuschinski, Pawel, Pawlowitsch 1871 - 1924
rjabuschinski_pawel.jpg Er wurde als Mitglied eine altgläubigen Industriellenfamilie geboren. Ab 1907 veröffentlichte er eine liberale Zeitung Utro Rossii (Russischer Morgen). Er wurde nicht von der Partei der Konstitutionellen Demokraten (Kadetten) aufgenommen, da sie sich nicht mit den ‘engen Klasseninteressen‘ der Industriellen identifizieren wollten. Mit rechten Kadetten gründete er die Progressive Partei. 1915 wurde der zum Vorsitzenden des Moskauer Börsenkomitees gewählt und wurde zum Vorsitzenden des Miltär- Industrie-Komitees ernannt. Er drohte den Arbeitern 1917 mit 'der knochigen Hand des Hungers'. Er wandte er sich gegen die Beteiligung der Sozialisten an der Provisorischen Regierung und ging nach der Revolution ins Exil. 148)



Rjasanow, David Borissowitsch 1870 – 1938
rjasanow_david.jpg Er wurde in Odessa in einer jüdischen Familie geboren. 1885 trat er der Narodniki-Bewegung bei, wurde verhaftet und verbrachte fünf Jahre im Gefängnis. Er trat mit marxistischen Zirkeln in Kontakt, 1891 wurde er zu vier Jahren Arbeitslager verurteilt. 1900 ging er ins Exil, an der Revolution 1905 nahm er als Organisator der Petersburger Gewerkschaften teil. Er wurde wieder zur Verbannung verurteilt und floh wieder nach Westeuropa. Er unterrichtete 1911 an der Parteischule der Bolschewiki in Longjumeau. Während des ersten Weltkrieges nahm er an der Konferenz von Zimmerwald teil, nach seiner Rückkehr 1917 nach Russland schloss er sich erst der Meschrajonzi-Gruppe und mit ihr im August den Bolschewiki an und beteiligte sich an der Oktoberrevolution. 1920 gründete er das Marx-Engels-Institut und widmete sich der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA). Er setzte sich gegen die Diktatur über das Proletariat ein und verteidigte die Unabhängigkeit der Gewerkschaften. 1921 verlor er alle politischen Ämter. 1930 wurde er als Direktor des Marx-Engels-Instituts entlassen, nach Saratow exiliert und 1938 erschossen. 149)


Rodsianko, Mikhaϊl Wladimirowitsch 1859 – 1924
rodsiano_mikhail.jpg Der Sohn eines adligen Großgrundbesitzers war Kavallerieoffizier. Er wurde Oktobrist und in die dritte Duma 1907 und 1911 zu ihrem Präsidenten gewählt. Am 27.Februar 1917 wurde er ins provisorische Komitee der Duma gewählt, er fordert die Generäle auf, Nikolaus II. zur Abdankung zu bewegen. Nach zwei Tagen Verhandlungen mit dem Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten Petrograds wurde eine Provisorische Regierung gebildet, der er aufgrund der Proteste des Sowjets nicht angehörte, da er dem Zarenregime zu nahe stehen würde. Er zog sich aus der Politik zurück, unterstütze im Bürgerkrieg General Wrangel und emigrierte nach dessen Niederlage nach Belgrad. 150)




Romanow, Nikolaj Alexandrowitsch (Zar Nikolaus II.), 1868 - 1918
nicholas_ii.jpg 1894 wurde er nach dem Tod seines Vaters Alexanders III. zum Zaren gekrönt. Er forcierte die Ausdehnung des Russischen Reiches nach Ostasien. Im russisch-japanischen Krieg 1904/1905 erlitten die zaristischen Streitkräfte eine überraschende Niederlage, Truppen schossen am Blutsonntag 1905 auf friedliche Demonstranten und bildeten den Auftakt zur Revolution von 1905. Der Zar musste Zugeständnisse machen und im Oktober 1905 der Wahl einer Duma zustimmen. Ab 1907 ließ er mit dem Ministerpräsidenten Stolypin die demokratische Freiheiten wieder einschränken. 1915 Übernahm er den Oberbefehl über die russischen Truppen, seine Frau Alexandra Fjodorowna wurde damit zur faktischen Regentin in Petrograd. Durch den Einfluss des Wunderheilers Rasputin auf die Zarin und den Hof sank sein Ansehen weiter. Während der Februarrevolution musste Romanow am 2.März 1917 abdanken. Er wurde interniert, wegen der Bedrohung von Petrograd im März 1918 in den Ural verbannt. Am 13.Juni 1918 wurde er mit seiner Familie ermordet, um ihn nicht den vordringenden weißen Truppen in die Hände fallen zu lassen. 151)


Romanow, Nikolai Nikolajewitsch 1856 – 1929
romanow_nikolai_nikolajewitsch.jpg Der Cousin des Zaren Nikolaus II. war 1905 Oberbefehlshaber des Petersburger Militärbezirks. Obwohl er nie eine Armee kommandiert hatte, wurde er nach Kriegsbeginn 1914 zum Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte. Fehlende Koordination und Ausrüstung führten nach Anfangserfolgen zu schweren Niederlagen gegen die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn. Im August 1915 übernahm der Zar selbst das Kommando. Mit der Abdankung des Zaren am 2.März 1917 wurde er erneut Oberbefehlshaber, der Ministerpräsident der Provisorischen Regierung Fürst Lwow zwang ihn am 11.März zum Rücktritt. Er starb im französischen Exil. 152))




Romanowa, Alexandra Fjodorowna (Zarin) 1872 - 1918
romanowa_alexandra.jpg Als Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt geboren, wurde sie 1894 durch ihre Hochzeit mit Nikolaus II. Zarin. Als Deutsche war sie weder am Hof noch im Volk beliebt. Der 1904 geborene Thronfolger Alexei litt an Hämophilie, die Ärzte konnten wenig helfen, stattdessen vertraute sie auf den Wunderheiler Rasputin, der großen Einfluss gewinnen konnte. Als Nikolaus II. 1915 das Oberkommando über die Armee übernahm, überließ er seiner Frau politische Verantwortung. Als Deutsche wurde sie der Kollaboration beschuldigt, immer wieder ernannte und entließ sie Minister. 1916 wurde Rasputin in einer Hofintrige ermordet. Nachdem Nikolaus in der Februarrevolution abdanken musste, wurde sie mit ihm Juni 1918 in Jekaterinenburg ermordet. 153)



Roschal, Semjon Grigorjewitsch 1896 – 1917
roschal_semjon.jpg Der Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Sankt Petersburg wurde als Gymnasiast wegen revolutionärer Aktivitäten der Schule verwiesen und trat1914 Mitglied der Bolschewistischen Partei bei. 1915 wurde er zur Armee eingezogen und bald wegen revolutionärer Tätigkeit inhaftiert. Durch die Februarrevolution befreit, wurde er von der Partei als Leiter des Stadtkomitees der Bolschewiki nach Kronstadt geschickt und in die Leitung des Sowjets der Inselstadt gewählt. Bei der Mobilisierung der Kronstadter Matrosen im Juli 1917 spielet er eine zentrale Rolle, nach den Juliereignissen verhaftet und erst im Oktober wieder freigelassen. Im Dezember 1917 wurde er Regierungskommissar an der rumänischen Front, von rumänischen Behörden wurde er in der rumänischen Stadt Jassy festgenommen und erschossen. 154)



Rudnew, Wadim 1884 - 1940
Das Kind von Adligen studierte Medizin. 1902 wurde er für die Teilnahme an einer Studentendemonstration nach Sibirien verbannt, 1905 schloss er sich den Sozialrevolutionären an. Der Teilnehmer am Moskauer Aufstand wurde wieder verbannt. Er beendete sein Studium im Ausland und war Kriegsfreiwilliger. Im Frühjahr 1917 wurde er nach dem Wahlerfolg der Sozialrevolutionäre Moskaus zum Bürgermeister gewählt und unterstützte die Provisorische Regierung Kerenskis. Nach der Oktoberrevolution gründete er in Moskau das Komitee für Öffentliche Sicherheit, das den blutigen Machtkampf in Moskau gegen die Bolschewiki führte. 1919 ging er ins Exil und forderte eine Intervention gegen den Sowjetstaat. 155)



Rudzutak, Janis Ernestowitsch 1887 - 1938
rudsutak_janis.jpg In einer lettischen bäuerlichen Familie geboren, wurde er Stahlarbeiter in Riga. 1905 trat es der LSD bei, 1907 Delegierter der Partei auf dem Fünften Parteitag der RSDRP in London, bei seiner Rückkehr wurde er verhaftet. 1909 zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, kam er durch die Februarrevolution wieder frei. Der Bolschewik wurde in die allrussische Zentrale der Textilarbeiter-Gewerkschaft gewählt. Nach der Oktoberrevolution im Nationalen Wirtschaftsrat und in der Gewerkschaftszentrale tätig. 1921 Mitglied des ZK. Gegen Trotzki verteidigte er die Unabhängigkeit der Gewerkschaften. Auf dem 12. Parteitag 1923 wurde er Kandidat des Politbüros, 1924 – 1930 Volkskommissar für die Eisenbahn, er unterstützte Stalin im Kampf gegen die Opposition. Er stand auch im Kampf gegen die rechte Opposition auf Stalin Seite. 1937 der Unterstützung der Rechten beschuldigt und erschossen. 156)


Rykow, Alexei Iwanowitsch 1881 - 1938
rykow_alexei.jpg Der Bauernsohn trat 1898 der RSDRP bei und schloss sich 1903 den Bolschewiki an. 1902 entkam er knapp den Schwarzhundertschaften, die ihn lynchen wollten. Er arbeite für die Partei in Moskau und Sankt Petersburg und nahm an der Revolution von 1905 teil. 1905 wurde er ins ZK der Bolschewistischen Partei gewählt. Er unterstützte Lenin im Kampf gegen Bogdanow. 1910 gehörte er zur Gruppe der ‘Partei-Bolschewiki,' die eine Versöhnung mit den Menschewiki anstrebten. Zur Verbannung in Sibirien verurteilt, kehrte er nach der Februarrevolution zurück und wandte sich gegen Lenins Aprilthesen. Er wurde Mitglied der Sowjets in Moskau und Petrograd. Auf dem 6. Parteitag im Sommer 1917 wurde er wieder ins ZK gewählt. In Moskau wurde er Mitglied des Revolutionären Militärkomitees. Nach der Oktoberrevolution wurde er Volkskommissar für Inneres. Im November trat er als Volkskommissar und aus dem ZK wieder zurück, als Lenin und die Mehrheit sich weigerte, eine vom der Führung der Eisenbahnergewerkschaft geforderte sozialistische Koalitionsregierung einzugehen. 1918 wurde er zum Vorsitzenden des Obersten Wirtschaftsrats. Er vertrat 1921 den erkrankten Lenin als Vorsitzenden des Rats der Volkskommissare. Er unterstütze Stalin, Kamenew und Sinowjew im Fraktionskampf gegen die Linke Opposition um Trotzki und die Stalinfraktion gegen die Vereinigte Opposition 1926/27.und führte mit Bucharin die Rechte Opposition. 1929 verlor er seinen Job als Vorsitzender des Sownarkom, 1930 seinen Platz im Politbüro, 1934 wurde er zum Kandidaten des ZK herunter gestuft, 1937 aus der KPSU ausgeschlossen, 1938 im Moskauer Prozess zum Tode verurteilt. 157)

Saluzki, Pjotr Antonowitsch 1887-1937
saluzki_pjotr_antonowitsch.jpg Der Teilnehmer der Revolution von 1905 schloss sich 1911 den Bolschewiki an. Er arbeitete in der Französisch-Russischen Fabrik und schrieb für die Swesda und die Prawda. 1916 wurde er in die Inlandsleitung mit Schljapnikow und Molotow aufgenommen, er bereitete die Oktoberrevolution im Revolutionären Militärkomitee vor, 1918 bis 1920 in der Roten Armee. 1923 bis 1925 Mitglied des ZK der KPR. 1926-1927 Mitglied der Opposition, 1937 in den stalinistischen Säuberungen erschossen. 158)





Samoilowa, Konkordija Nikolajewna 1876 - 1921
samoilowa_konkordija_evans_p.134.jpg Als Tochter eines Popen in Sibirien geboren, überzeugte sie ihre Familie, mit ihrer Schwester nach Petersburg zum Studium geschickt zu werden. Als Studentin Mitglied der Sozialdemokratie. 1907 war die Bolschewikin Teilnehmerin des Fünften Parteitages der RSDRP, wurde mehrmals verhaftet. 1912 wurde sie in Petersburg Herausgeberin der Prawda. Hier engagierte sie sich für die Arbeit unter den weiblichen Arbeiterinnen, ihr Vorschlag der Begehung des internationalen Frauentages 1913 war erfolgreich, 1914 konnte sie die bolschewistische Frauenzeitung Rabotnitza herausgeben. Zuvor wurde sie festgenommen. 1917 konnte sie nach Petrograd zurückkehren, sie arbeitete als Parteisekretärin und war Mitherausgeberin der wieder erschienenen Rabotnitza. 1919 war sie Mitbegründerin des Schenotdel, des Frauenseketariats der RKP. 1921 starb sie auf einer Agitationstour an der Wolga. 159)


Sapronow, Timofei Wladimirowitsch 1887 - 1939
sapronow_tomofei.jpg Der Anstreicher schloss sich 1912 den Bolschewiki an. Er war während der Revolution im Sowjet der Provinz Moskau aktiv. 1918 Mitglied der Linken Kommunisten um Bucharin, führte er 1919 auf dem 8. Parteitag die Gruppe der Demokratischen Zentralisten mit Wladimir Smirnow und Nikolai Ossinski an. 1923 brachte er seine Kritik an der Bürokratisierung des Sowjetstaates in die Linke Opposition ein. 1926 bezeichnete seine Gruppe die Sowjetunion nicht mehr als Arbeiterstaat, in der der Kapitalismus restauriert sei, seine Gruppe trat für die Notwendigkeit einer neuen revolutionären Partei gegen die neue Kapitalistenklasse ein, deren Repräsentantin die Bürokratie sei. 1927 aus der Partei ausgeschlossen, auf die Krim verbannt. 1928 kapitulierte er.1932 wieder verhaftet, die Zeit bis zu seiner Ermordung verbrachte er in einem Isolator in Sibirien. 160)


Sassulitsch, Wera Iwanowna 1849 - 1919
sassulitsch_wera.jpg Als Tochter eines verarmten Adligen kam sie mit Anarchisten in Kontakt. 1877 schoss sie auf Trepow, den Stadtkommandanten von Moskau, wurde vom Gericht freigesprochen. Sie wurde eine Heldin der Narodniki. Im Exil wandte sich dem Marxismus zu und gründete mit Plechanow und Axelrod die Gruppe Befreiung der Arbeit. 1900 bis 1903 gehörte sie der Redaktion der Iskra an. Sie war die moralische Autorität der Gruppe, schloss sich den Menschewiki an. 1905 kehrte sie nach Russland zurück, blieb nach der Revolution dort und war aber politisch nicht mehr aktiv. Sie unterstützte Russland im ersten Weltkrieg und war Gegnerin der Oktoberrevolution. 161)




Sawinkow, Boris Wiktorowitsch 1879 – 1925
savinkow_boris_wiktorovitsch.jpg Der Sohn eines Richters wurde als Student 1899 von der Universität relegiert. 1903 wurde er Mitglied der Sozialrevolutionären Partei. Er war an der Ermordung von Innenminister Plehwe und des Gouverneurs von Moskau beteiligt. Dafür wurde er 1906 zum Tode verurteilt. Er konnte entfliehen und ging in die Organisation. Als Asef als Provokateur der Ochrana entlarvt wurde, wurde er Leiter der sozialrevolutionären Kampforganisation, die aber bereits zu schwach war, um terroristische Aktionen durchzuführen. Zu Kriegsbeginn Vaterlandsverteidiger, kam er 1917 wieder nach Russland. Im Juli 1917 wurde er stellvertretender Kriegsminister unter Kerenski. Wegen seiner Unterstützung für den Kornilow-Putsch trat er zurück und wurde aus der Sozialrevolutionären Partei ausgeschlossen. Als ein Führer der Gesellschaft zur Verteidigung des Vaterlandes und der Freiheit organisierte er den Widerstand der Weißen im Bürgerkrieg, im russisch-polnischen Krieg 1919/20 war er auf polnischer Seite aktiv. In der Sowjetunion wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, er starb im Gefängnis. 162)


Schahumyan, Stepan (Schaumjan, Stepan Georgijewitsch) 1878 - 1918
schahumjan_stepan.jpg Der Sohn eines armenischen Textilkaufmanns studierte in Petersburg und Riga, trat 1900 der Sozialdemokratie bei und gründete 1902 die Armenische Sozialdemokratische Partei. In der Verbannung ging er nach Deutschland, wo er Martow, Lenin und Plechanow kennen lernte. Während der Revolution 1905 baute ab 1907 mit Stalin und Ordschonokidse die bolschewistische Organisation in Baku auf. 1914 führte er einen Generalstreik an, er wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Die Februarrevolution befreite ihn, er wurde zum Vorsitzenden des Arbeiterrates von Baku gewählt und kam ins ZK der Bolschewiki. Nach der Oktoberrevolution wurde er außerordentlicher Kommissar für den Kaukasus. Im Bürgerkrieg 1918 konnten sich die Bolschewiki gegen die bürgerlichen türkischenNationalisten der Müssawad behaupten, Baku wurde von britischen Truppen erobert und Shahumyan verhaftet. Während die Türken Baku besetzten, wurde er befreit und konnte zusammen mit 25 anderen Bolschewisten auf einem Dampfer entkommen. Sie wurden von den Briten festgenommen, die ‘26 Kommissare von Baku‘ wurden erschossen. 163)


Schljapnikow, Alexander Gawrilowitsch 1885 - 1937
schliapnikow_alexander.jpg Aus einer armen Familie kommend wurde er mit 13 Jahren Fabrikarbeiter und wurde mit 16 Jahren Revolutionär. 1903 schloss der sich der RSDRP an, beteiligte sich an der Revolution 1905 und wurde mehrmals verhaftet. 1908 ging er nach Frankreich, wo er als Fabrikarbeiter arbeitete. Er war der einzige bolschewistische Führer, der in der Emigration Fabrikarbeiter war. 1914 kehrte er nach Russland zurück, leitete ab 1916 das Russische Büro und sicherte den Kontakt zur Auslandsorganisation der Bolschewiki. Während der Februarrevolution widersetzte er sich der versöhnlerischen Haltung Stalins und Kamenew gegenüber der Provisorischen Regierung. Er wurde ins Exekutivkomitee des Petrograder Arbeiter- und Soldatenrates gewählt und Führer der Petrograder und der allrussischen Metallarbeiter-Gewerkschaft. Während der Oktoberrevolution führte er die Roten Garden. Er wurde Volkskommissar für Arbeit. Obwohl er im November für eine Koalitionsregierung aller Sozialisten war, trat er anders als andere nicht von seinem Posten zurück. Im Dezember 1918 wurde er abgelöst und wurde im Bürgerkrieg Chef des Militärrats an der kaspisch-kaukasischen Front. Er kritisierte die Tendenzen zu autoritärer Bevormundung der Arbeiter und sah die Errungenschaften der Revolution durch die Zurückdrängung der Arbeiterrechte gefährdet. Mit Alexandra Kollontai wurde er 1919 Führer der Arbeiteropposition in der KPR. Er konnte sich in der Partei nicht durchsetzen und verlor 1921 den Posten des Vorsitzenden der Metallarbeiter-Gewerkschaft. 1922 war er Unterzeichner des ‘Briefes der 22‘ an die Komintern, die Arbeiteropposition wurde ausgeschaltet. Er schloss sich zeitweise der Linken Opposition an und wurde des ‘Fraktionismus‘ beschuldigt. 1933 wurde er aus der KPSU ausgeschlossen, 1935 verhaftet. Er weigerte sich, seine Auffassungen zu widerrufen und starb 1937. 164)


Schmidt, Pjotr Petrowitsch (Leutnant Schmidt) 1867 -1906
schmidt_leutnant.jpg Der Schiffsoffizier führte in Sewastopol am 15.November 1905 eine Rebellion der Matrosen auf dem Kreuzer ‘Otschakow‘, der Matrosen- und Soldatenrat erklärte ihn zum Flottenkommandanten. An der Rebellion nahmen 8.000 bis 10.000 Matrosen und Soldaten teil. Er sandte ein Telegramm an den Zaren mit der Forderung nach einer Konstituierenden Versammlung und der Erklärung der Meuterei. Die kaiserliche Flotte beschoss die Meuterer, Schmidt wurde gefangen genommen und zum Tode verurteilt. 165)





Schmidt, Wassili W. 1886 – 1938
Geboren in Sankt Petersburg, Dreher in der Eisenbahn-Werkstatt. Bolschewik seit 1905, ging zeitweise nach Deutschland. 1914 war er Sekretär des Wiborger Bezirks, Mitglied des ZK 1918-1919 und in den zwanziger Jahren. 1917 Sekretär des Petersburger Komitees der Partei, des Zentralrats der Gewerkschaften sowie des Revolutionären Militärkomitees. 1917-1923 war er Volkskommissar für Arbeit, er war zeitweise Mitglied der 'rechten' Fraktion der KPSU. Im Volkskommissariat der Landwirtschaft beteiligte er sich an der Kollektivierung der Landwirtschaft. 1937 verhaftet, wurde er erschossen. 166)



Schordania, Noe 1868 – 1952
schordania_noe.jpg Der Sohn georgischer Bauern kam in den 1890er Jahren zum Marxismus und wurde einer der Führer der ersten georgischen marxistischen Organisation Mesame Dasi (Die dritte Gruppe) Als Vertreter der Unabhängigkeitsbewegung wurde er vom Zarenregime verfolgt. Auf dem 2. Parteitag der RSDRP schloss er sich der menschewistischen Fraktion an und wurde einer ihrer Führer. Während der Revolution von 1905 trat er für eine legale Aktivität der Partei ein und verurteilte den bewaffneten Kampf. 1906 wurde er in die erste Duma gewählt und wurde ein Sprecher der Menschewiki. 1907 vertrat er die Menschewiki im beim Londoner Parteitag gewählten ZK der RSDRP. Während des ersten Weltkrieges trat er für die Vaterlandsverteidigung ein und arbeitete an Plechanows Zeitschrift mit. Nach der Februarrevolution wurde er zum Vorsitzenden des Sowjets von Tiflis gewählt und trat für eine parlamentarische Republik ein. 1918 wurde er Chef der unabhängigen Republik Georgien. Seine führte eine Landreform durch und verabschiedete eine weitgehende Sozialgesetzgebung, das sicherte ihm die Unterstützung der Bauern. Im Februar/März 1921 eroberte die Rote Armee Georgien, er ging ins Exil. 167)


Sinowjew, Grigori Jewsejewitsch 1863 - 1936
sinoviev_grigori.jpg Er wurde in der Ukraine als Kind jüdischer Bauern geboren. Als Student wurde er Sozialist und trat 1901 der RSDRP bei, er musste 1902 ins Exil fliehen. 1903 wurde er Bolschewiki und war ein enger Mitarbeiter Lenins. 1907 wurde er ins ZK der RSDRP gewählt. 1905 kehrte er nach Russland zurück, seine revolutionäre Tätigkeit wurde durch Krankheit unterbrochen. 1908 wurde er festgenommen, aufgrund seiner schlechten Gesundheit frei gelassen. Seit 1914 in der Schweiz, kehrte er im plombierten Zug im April 1917 mit Lenin nach Russland zurück. Mit Kamenew opponierte er im Oktober öffentlich gegen die Machtübernahme durch die Bolschewiki. Als die Eisenbahnergewerkschaft nach der Revolution eine breite Koalitionsregierung forderte, konnten sich Sinowjew und Kamenew nicht durchsetzen und traten aus dem Zentralkomitee zurück. Seit 1918 Führer der Petrograder Parteiorganisation, 1919 zum Vorsitzenden der Kommunistischen Internationale gewählt. Als guter Redner trug er auf den USPD-Parteitag 1920 für den Anschluss der USPD-Linken an die Komintern bei. 1921 ins Politbüro gewählt. Während der Krankheit Lenins ab 1922 war er einer führenden Parteichefs, 1923 und 1924 übernahm er Lenins Aufgabe und erstattete die Rechenschaftsberichte auf dem 17. und 18. Parteitag. Nach dessen Tod bildete er mit Kamenew und Stalin die ‘Troika‘ der Parteiführung. Er war der Sprecher der ideologischen Offensive gegen Trotzki. 1925 gerieten Kamenew und er gegenüber den Anhängern Bucharins und Stalins in der Parteiführung in die Minderheit, er beklagte die fehlende innerparteiliche Demokratie und schloss sich mit den Anhängern Trotzkis zur Vereinigten Opposition zusammen. Er verlor die Unterstützung der Petersburger Parteiorganisation und den Vorsitz der Komintern. Im November 1927 wurden die Führer der Vereinigten Opposition aus der KPSU ausgeschlossen. 1928 kapitulierten Sinowjew und Kamenew und wurden wieder in die Partei aufgenommen. 1936 wurden beide in den Moskauer Prozessen verurteilt und erschossen. 168)


Skobelew, Matwei 1885 – 1938
skobelew_matwei.jpg Der Sohn eines wohlhabenden Ölmagnatenaus Baku schloss sich 1903 der SDPRP an, nach der Revolution von 1905 ging er nach Wien ins Exil und schloss sich der Gruppe um Trotzki an und arbeitete an dessen Zeitschrift Prawda mit. 1912 ging er in den Kaukasus zurück und wurde in die vierte Duma gewählt und schloss sich den Menschewiki an. Beim Kriegsausbruch 1914 unterstützte er den Krieg bei Kritik an der Regierung. 1917 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Exekutivkomitees des Petrograder Sowjets. Am 5. Mai 1917 trat er als Arbeitsminister in das neue geschaffene Ministerium der zweiten Provisorischen Regierung ein. Auf dem ersten allrussischen Rätekongress im Juni 1917 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Exekutivkomitees. Im September verlor er seinen Ministerposten. 1919 kehrte er nach Aserbaidschan zurück und nach der Besatzung des Landes durch die Rote Armee floh er 1920 nach Paris. Während der NEP versöhnte er sich mit der Sowjetmacht, kehrt nach Russland zurück und trat 1922 der Kommunistischen Partei bei. Er arbeitete im russischen Außenhandel, 1938 wurde er verhaftet und exekutiert. 169)


Skoropadski, Pawlo 1873 – 1945
skoropadski_pawlo.jpg Es war Großgrundbesitzer und zaristischer General. Nach dem Friede von Brest-Litowski im März 1918 rief das ukrainische Parlament Rada die Mittelmächte gegen die Rote Armee zu Hilfe. Die Mittelmächte stürzten im April 1918 die Rada und verhalfen Skoropadski als Hetman zur Macht, der sich mit Hilfe der deutschen und österreichisch- ungarischen Truppen zu behaupten versuchte. Mit der Niederlage der Mittelmächte 1918 brach seine Herrschaft zusammen und er musste nach Deutschland fliehen, wo er gegen die sowjetische Herrschaft arbeitete. 170)





Skrypnik, Nikolai Oleksijowitsch 1872 - 1933
skrypnyk_mikolai.jpg Der Sohn eines ukrainischen Eisenbahners war früh vom ukrainischen Nationalismus angezogen. Er begann in Sankt Petersburg ein Studium, trat 1897 der SDRPR und dann den Bolschewiki bei. Delegierter des dritten Parteitages, musste er 1907 ins Exil. 1913 war er Chefredakteur der Woprossy Strachowanija (Fragen des Versicherungswesens), 1914 verbannt. Im Juni 1917 wurde er Generalsekretär der Fabrikkomitees, ebenso Mitglied des Revolutionären Militärkomitees RMK. 1917 und 1918 war er Kandidat des Zentralkomitees. Bei der Verteidigung Petrograds gegen die Truppen Kerenskis und Krasnows war er aktiv. Er setzte sich für die Unterordnung der Fabrikkomitees unter die Gewerkschaften ein. 1917/18 war er Volkskommissar für Arbeit und Industrie in der Sowjetrepublik der Ukraine und trat für eine unabhängige KP der Ukraine ein. Seit der Gründung Mitglied der Tscheka. In der Ukraine dirigierte er die Bekämpfung der Aufstände und führte den Kampf gegen die Linke Opposition und die Rechten. 1927 Volkskommissar für Bildung der Ukraine, trat er für die Förderung der ukrainischen Kultur ein. 1933 wurde seine Politik der Ukrainisierung von den Stalin-Anhängern rückgängig gemacht, er wurde als Bildungskommissar abgesetzt und verübte Selbstmord. 171)


Smilga, Iwar Tenissowitsch 1892 – 1938
smilga_iwar.jpg Der Sohn eines lettischen Försters, der in der Revolution 1906 von russischen Truppen exekutiert wurde, trat 1907 der SDRPR bei. 1915 nach Sibirien verbannt, kehrte er 1917 zurück, im April wurde er ins ZK der Bolschewiki gewählt. In Finnland wurde er Vorsitzender des Zentrobalts, des Zentralkomitees der baltischen Flotte und Mitglied des Sowjets von Helsingfors. Für die Verbreitung der Revolution unter den Matrosen und Soldaten Finnlands spielte er eine große Rolle. Im Während des Bürgerkrieges war er Politkommissar und geriet mit Stalin in Konflikt. 1921-1928 war er Vizepräsident des Obersten Wirtschaftsrates und der Staatlichen Planungsbehörde Gosplan. Er war Mitglied der Linken Opposition, wurde 1927 aus der KPSU ausgeschlossen und kapitulierte 1929. 1932 nahm er die oppositionelle Tätigkeit wieder auf und zu fünf Jahren Haft verurteilt, 1938 ohne Gerichtsurteil hingerichtet. 172)



Smirnow, Iwan Nikititsch 1881 - 1936
smirnow_iwan.jpg Als Bauernsohn geboren, arbeitet als Fabrikarbeiter in Moskau und trat er 1899 der RSDRP bei, mehrmals verhaftet. 1916 wurde er in die Armee eingezogen, wo er revolutionäre Aktivitäten leitete. Während des Bürgerkrieges war er Mitglied des Revolutionären Militärrates der Ostfront. Er war der Sprecher der linken Opposition gegen Trotzkis Konzept der Militarisierung der Arbeit 1920.1922 bis 1923 Mitglied im Obersten Wirtschaftsrat, dann Volkskommissar für das Postwesen. 1923 wurde er Mitglied der trotzkistischen Opposition, 1927 als Volkskommissar abgesetzt und vom 15. Parteitag aus der Partei ausgeschlossen und nach Sibirien ins Exil geschickt. 1929 brach er mit der Opposition, wurde in die Partei wieder aufgenommen und arbeitete im Volkskommissariat der Schwerindustrie. 1933 wurde er wieder verhaftet und zu Arbeitslager verurteilt. 1936 in den Moskauer Prozessen zum Tode verurteilt. 173)



Smirnow, Wladimir Mikhailowitsch 1887 - 1937
smirnow_wladimir.jpg Der Moskauer Beamtensohn arbeitete in Semstwo-Organisationen. Als Teilnehmer der Revolution 1905 schloss er sich den Bolschewiki an. 1914 wurde er als Soldat eingezogen. Auf dem Vierten Parteitag war er Delegierter der Moskauer Organisation, als Mitglied des MRK war er an der Oktoberrevolution in Moskau beteiligt. Nach der Revolution war er in verschiedenen Verwaltungsposten tätig. 1918 Linker Kommunist, 1920/21 Mitglied der Demokratischen Zentralisten und Sprecher der 'Militäropposition' gegen Trotzki, 1923 trat er der Linken Opposition bei, von der er sich bald durch seine Befürwortung einer neuen Arbeiterpartei unterschied. 1927 wurde er aus der KPSU ausgeschlossen, 1927 verhaftete und in den Ural verbannt. 1935 nach der Ermordung Kirows erneut verhaftet, 1937 zum Tode verurteilt. 174)



Sokolnikow, Grigori Jakowlewitsch 1888 - 1939
sokolnikow_grygori.jpg Der Sohn eines jüdischen Arztes schloss sich 1905 den Bolschewiki an, wurde 1908 nach Sibirien verbannt und floh. Er kehrte 1917 aus der Schweiz mit Lenin nach Russland zurück, mit den Meschrajonzi trat er im August den Bolschewiki bei, wo er bis 1919 ins ZK gewählt wurde. Nahm an der Revolution in Moskau teil. Er ersetzte Trotzki bei den Verhandlungen von Brest-Litowsk und unterschrieb 1918 den Vertrag. Während des Bürgerkrieges kämpfte er gegen die Weißen 1923 gehörte er zur russischen Delegation, welche die Revolution in Deutschland unterstützen sollte. Der Sinowjew-Anhänger verlor 1926 seinen Posten im ZK, wandte sich von der Opposition ab und unterstützte die Stalin- Fraktion. 1926 war er im Komitee für Wirtschaftsplanung. 1929 wurde er Botschafter in London. 1936 wurde er verhaftet und während der Moskauer Prozesse zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. 1939 wurde er vom NKWD erschlagen. 175)


Spiridonowa, Maria Alexandrowna 1884 - 1941
spiridonowa_maria.jpg In Tambow als Tochter eines Kollegiensekretärs geboren. 1906 verübte sie ein Attentat auf einen Staatsrat, der einen Bauernaufstand blutig niedergeschlagen hatte. Dafür wurde sie zu Zwangsarbeit verurteilt, die sie bis zur Februarrevolution verbüsste. In Tschita gründetesie 1917 eine PSR-Organisation, auf ihre Anregung wurde das örtliche Gefängnis gesprengt. Auf dem ersten Parteitag der PLSR 1918 wurde sie ins ZK gewählt. Sie war Vorsitzende des Außerordentlichen, des 2. und 3. Sowjetkongresses der Bauerndeputierten, die vorzügliche Agitatorin und genoss unter den Bauern große Popularität. Sie war eine Befürworterin des Vertrages von Brest-Litowsk, wandelte sich zu einer Gegnerin der bolschewistischen Außen- und Agrarpolitik. Im Juli 1918 wurde sie mit der Fraktion der LSR im Zusammenhang mit dem 'Juliputsch‘ verhaftet, im April 1919 von ihren Genossen aus dem Gefängnis befreit. Sie war gesundheitlich schwer angegriffen, eine Ausreise wurde ihr verweigert, bis 1937 lebte sie in der Verbannung, als sie wieder wegen einer vorgeblichen Attentats- Vorbereitung verhaftet wurde. Als sich deutsche Truppen dem Gefängnisort Orel näherten, wurde sie im Herbst 1941 erschossen. 176)

Stalin, Jussif Wissarionowitsch 1878 – 1953
stalin_jussif.jpg Jussef Dschugaschwili wurde als Sohn eines Schuhmachers in Georgien geboren. Er besuchte das Priesterseminar in Tiflis. Als Jugendlicher kam er mit marxistischen Zirkeln in Kontakt, 1898 trat er in die RSDRP ein. 1902 wurde er festgenommen und nach Sibirien verbannt, er wurde insgesamt acht Mal verhaftet und verurteilt, konnte aber immer wieder fliehen. Nach dem Parteitag 1903 schloss er sich den Bolschewiki an. Er beteiligte sich an der Revolution 1905, 1907 war er für ‘Expropriationen‘ verantwortlich. Er wurde 1912 ins ZK gewählt und nahm den Kampfnamen Stalin an. Während der Februarrevolution kehrte er früh aus Sibirien zurück und führte bis zu Lenins Ankunft im April mit Kamenew die Bolschewistische Partei, die eine schwankende Haltung zur Provisorischen Regierung einnahm. Im Oktober 1917 übernahm es das Volkskommissariat für Nationalitätenfragen. Im Bürgerkrieg wurde er Befehlshaber der Südfront in Zaryzin. 1922 wurde er Generalsekretärs der RKP. Kurz vor dem Tode Lenins hatte sich dieser für die Ablösung Stalins wegen seiner Machtfülle und seines groben Verhaltens ausgesprochen. In der Parteiführung verbündete er sich mit Sinowjew und Kamenew zur Ausschaltung Trotzkis. Als Generalsekretär beherrschte er den Apparat der Partei. Er nutze die Theorie vom Aufbau des Sozialismus in einem Land zur Ausschaltung der Opposition. Stalin schaltete die Opposition erst politisch, dann auch physisch aus. 1929 spitzten sich die Widersprüche auf dem Land so zu, dass er sich zur Kollektivierung der Landwirtschaft entschloss; ohne notwendige industrielle Grundlage und Zustimmung der Bauern führte das zu einer riesigen Hungersnot. Als Kirow 1934 ermordet wurde, nutzte er das zu einer gigantischen Säuberungswelle zur Ausschaltung jeglichen politischen Widerstandes. Die ‘alte Führung‘ der Bolschewiki wurde in Schauprozessen zum Tode verurteilt, bis 1938 wurden möglicherweise bis zu 1,5 Millionen Menschen umgebracht, um Stalin entwickelte sich ein Personenkult. Die Bürokratie wurde zu einer herrschenden Schicht. 1939 schloss die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt mit dem faschistischen Deutschland, was das Land neben der Liquidierung der Militärführung beim deutschen Angriff auf die Sowjetunion maßgeblich schwächte. Stalin erklärte den ‘vaterländischen Krieg‘ und sich zum obersten Kriegsherrn. Ganze Völker wurden unter dem Verdacht der Kollaboration deportiert. Durch die Volksfrontpolitik verbündete er sich mit imperialistischen Staaten, liquidierte die Komintern, kommunistische Parteien beteiligten sich an Regierungen und unterstützte die Unterdrückung revolutionärer Bewegungen.

Stassowa, Jelena Dmitrijewna 1873 – 1966
stassowa_elena.jpg Die Tochter eines angesehenen Juristen kam um 1893 mit Nadeschda Krupskaja in Kontakt, beide arbeiteten an Sonntagsschulen und propagierten dort die Ideen des Sozialismus. 1898 trat sie dem Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse bei. Sie wurde Sekretärin des Petersburger Komitees und des Nordbüros der Partei. 1907 bis 1912 Vertreterin des ZK in Tiflis. 1913 bis 1916 war sie nach Sibirien verbannt. Bis 1921 war sie ständig Sekretärin der russischen Leitung. 1917 wurde sie Kandidatin, 1918 bis 1920 Mitglied des ZK. Von 1921 bis 1925 arbeitete sie als Vertreterin des Exekutivkomitees der Komintern und in der KPD in Berlin. 1925 kehrte Stassowa in die Sowjetunion zurück und war bis 1937 Vorsitzende des sowjetischen Zentralkomitees der Internationalen Roten Hilfe und stellvertretende Vorsitzende des Exekutivkomitees der Organisation. 1948 wurde sie als Rentnerin für die ‘Lobpreisung Bucharins‘ gerügt.177)


Steinberg, Isaak Sacharowitsch (Nachman), 1888 - 1957
steinberg_isaac.jpg In einer wohlhabenden orthodox-jüdischen Familie in Dwinsk geboren. 1906 Beitritt zur PSR. Wegen politischer Tätigkeit von der Universität 1907 relegiert, studierte Steinberg in Westeuropa. 1910-1914 als Rechtsanwalt in Moskau tätig. Der Sozialrevolutionär war während des Ersten Weltkriege Internationalist. Abgeordneter der Verfassunggebenden Versammlung und Mitbegründer der LSR. Von Dezember 1917 bis März 1918 Volkskommissar für Justiz. Nach einer Rückkehr aus Westeuropa von den Bolschewiki verhaftet. 1923 wurde er als sowjetischer Delegierter zum Kongress der ‚Internationalen Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Parteien‘ mit der Auflage gesandt, nicht mehr nach Russland zurück zu kehren. 1923-1933 war er Mitglied der Auslandsleitung der LSR in Berlin, machte Solidaritätsarbeit für russische Oppositionelle. Nach dem Sieg des Faschismus engagierte er sich für die jüdische Siedlungsbewegung. 178)


Stolypin, Pjotr Arkadjewitsch 1862-1911
stolypin_pjotr.jpg Stammte aus einer großbürgerlichen Familie, Sohn eines Generals im diplomatischen Dienst. Nach der erfolgreichen Unterdrückung der Revolution von 1905 in Saratow wurde er zum Innenminister und 1906 zum Ministerpräsidenten ernannt. Er löste 1907 die zu linke zweite Duma auf und verhängte das Kriegsrecht. 1906 setzte er das Recht auf Landbesitz der Bauern durch. sein Ziel war die Schaffung eines bäuerlichen Mittelstandes. Arbeiterparteien und Kadetten sahen in ihm den Unterdrücker der Revolution, die Konservativen setzten seinen Plänen Widerstand entgegen. Als 1911 ein Gesetzentwurf für die Ausweitung der Rechte der Semstwos abgelehnt wurde, trat er zurück. Kurz darauf wurde er von einem Sozialrevolutionär in Kiew erschossen. 179)



Struve, Petr Berngardowitsch 1877 - 1944
struve_petr.jpg Als Jurastudent kam er zum Marxismus und verteidigte ihn gegen die Narodniki. Er war Vertreter des ‘legalen Marxismus‘, er publizierte in legal erscheinenden Büchern. 1898 schrieb er das Programm der RSDRAP. 1900 stand er auf dem revisionistischen Flügel der Partei. 1902 ging er nach Deutschland und propagierte den Liberalismus. 1905 wurde er in Russland Mitbegründer der Kadetten-Partei. 1914 unterstützte er den Krieg und trat aus der Führung der Konstitutionellen Demokraten aus. Im Bürgerkrieg unterstützte er die Weißen. 180)





Stuchka, Pyotr (Peteris) Ivanovich 1865 – 1932
Der Jurist engagierte sich ab 1895 in der Sozialdemokratie und wurde 1904 ins ZK der Lettischen Sozialdemokratischen Partei gewählt. Er war Teilnehmer der Revolution 1905 und verteidigte Revolutionäre vor Gericht. Er wurde zum Führer der Bolschewiki in Lettland.Im Februar 1917 wurde er als Vertreter LSD ins Exekutivkomitee des Arbeiterrates von Petrograd aufgenommen. Während des Bürgerkrieges 1919 war er Chef der bolschewistischen Regierung Lettlands, 1923 bis 1932 Volkskommissar für Justiz der Sowjetunion. 181)





Stürmer, Boris Wladimirowitsch 1848 – 1917
Der Adlige machte als Staatsdiener Karriere, im Februar 1916 wurde der Vertraute des Zaren russischer Ministerpräsident. In allen Schichten war er sehr unbeliebt wegen seiner reaktionären Politik und seiner scheinbaren deutschfreundlichen Haltung, als ihm Geheimverhandlungen mit dem Kriegsgegner unterstellt wurden. Im November 1916 wurde er entlassen, von der Provisorischen Regierung wurde er interniert und starb in der Peter-und-Pauls-Festung. 182)





Subatow, Sergej Wasiljewitsch 1864 - 1917
subatow_sergei.jpg In seiner Jugend gehörte er der revolutionären Bewegung an und wurde ab etwa 1893 Mitarbeiter der zaristischen Geheimpolizei Ochrana. 1896 wurde er Mitglied des Moskauer Büros. Er systematisierte die Polizeiarbeit. Da er nicht an die Zerschlagung der Revolutionäre glaubte, organisierte er regierungstreue Gewerkschaften, um die Arbeiter von den Sozialisten fern zu halten. Seine Taktik wurde ‘Polizeisozialismus‘ oder nach ihm ‘Subatowschina‘ genannt. In Moskau initiierte er die Gründung eine Gesellschaft der Moskauer Maschinenarbeiter, andere regierungstreue Gewerkschaften entstanden in Petersburg, Odessa, und Minsk. Er hatte die Unterstützung des Moskauer Generalgouverneurs. 1903 wurde er von Innenminister Plehwe entlassen. Er zog sich ins Privatleben zurück und beging 1917 nach der Abdankung des Zaren Selbstmord. 183)



Suchanow, Nikolai Nikolajewitsch 1882 – 1940
suchanow_nikolai.jpg Am Ende der neunziger Jahre wurde der Student wegen sozialrevolutionärer Aktivitäten verhaftet. Der Ökonom wurde mehrmals festgenommen und in die Provinz Archangelsk verbannt. Er wurde Sozialdemokrat. In der Februarrevolution war er führendes Mitglied des Petrograder Sowjets. Er entwarf die Richtlinien, welche zur Bildung der Provisorischen Regierung und zur Doppelherrschaft zwischen ihr und dem Petrograder Sowjet führte. Nach der Ankunft Zeretelis und dem Block zwischen den Menschewiki und Sozialrevolutionären Ende März 1917 wurde er in die zweite Reihe verdrängt, er arbeitete für Gorkis Novaja Schisn und war Mitglied bei Martows Menschewiki-Internationalisten. Nach der Oktoberrevolution griff er die Bolschewiki wegen ihres Terrors und der Verfolgung der Presse an; in den zwanziger Jahren arbeitete als Ökonom; er wandte sich gegen die zu breite Definition der Kulaken bei der Kollektivierung, als Menschewiki wurde er verurteilt. Seine ‘Erinnerungen über die russischen Revolution‘ sind ein wertvolles Dokument über den Ablauf der Revolution. 184)


Swerdlow, Jakow Michailowitsch 1885 – 1919
sverdlov_1918-1.jpg Der Sohn eines jüdischen Kleinunternehmers trat nach seiner Relegation vom Gymnasium der 1901 der RSDRP bei und wurde mehrfach verhaftet. 1903 schloss er sich den Bolschewiki an, 1905 war er während der Revolution in Jekaterinburg tätig. 1907 wurde er wieder verhaftet, von den 32 Jahren vor der Revolution verbrachte Swerdlow zwölf Jahre in Gefängnissen und der Verbannung. 1912 wurde er ins Zentralkomitee der Bolschewiki kooptiert und arbeitete an der Parteizeitung Prawda mit. 1913 wurde er durch die Denunziation des Ochrana-Spitzels Malinowski wieder gefasst und kam erst durch die Februarrevolution 1917 frei. Er wurde ein effektiver Untergrund-Organisator und kannte die Partei an besten. Er übernahm nach der Februarrevolution die organisatorische Leitung der Bolschewiki, Trotzki bezeichnete ihn als ‘Generalsekretär des Oktober-Aufstandes‘. Er führte die Parteiorganisation, als Lenin im Sommer 1917 in den Untergrund gehen musste. Im Oktober wurde er Fraktionsvorsitzender der Bolschewiki im Sowjet, Mitglied der Exekutive und kurze Zeit später Vorsitzenden der Exekutive des Sowjetkongresses. Er war maßgeblich an der Ausarbeitung der ersten Sowjet-Verfassung beteiligt. Als im August Lenin bei einem Attentat verletzt wurde, vertrat er ihn im Rat der Volksbeauftragten. Er starb im März 1919 an der spanischen Grippe, Lenin ehrte ihn als 'den führenden Organisator der Partei und des Sowjetstaates'. 185)


Swjatopolk-Mirski, Pjotr Dmitrijewitsch 1857 - 1914
swjatopolk-mirski_pjotr_dmitrijewitsch.jpg Der Generalssohn wurde Offizier und Mitglied des Generalstabes. 1895 bis 1900 Gouverneur, dann stellvertretender Innenminister und Generalgouverneur von Wilna. Nach Ermordung des Innenminister Plehwe wurde er zum Nachfolger ernannt. Er verfolgte angesichts des Krieges gegen Japan eine etwas liberalere Politik der ‘Öffnung‘. Nach einem vergeblichen Reformversuch des Staatsrates bot er seinen Rücktritt an, wurde aber erst nach dem Blutsonntag 1905 entlassen. 186)





Teodorowitsch, Iwan Adolfowitsch 1875 – 1937
Der Sohn eines revolutionären Landvermessers polnischer Herkunft. 1895 trat der Student in Moskau einem marxistischen Zirkel bei. 1902/1903 war er Mitglied des Moskauer Komitees der RSDRP. 1903 wurde er zur Verbannung verurteilt, floh 1905, schloss sich in der Schweiz Lenin an und kehrte im Oktober 1905 nach Petersburg zurück. 1907 wurde er auf dem Parteitag der RSDRP in London ins ZK gewählt. 1909 wurde er wieder verhaftet und kam erst nach der Februarrevolution 1917 wieder frei. Der Spezialist für die Agrarfrage nahm an der Oktoberrevolution teil und wurde im ersten Rat der Volkskommissare für Landwirtschaft zuständig. Er trat bereits im November wieder zurück, da er eine breite Koalitionsregierung befürwortete. 1922 kehrte er ins Volkskommissariat zurück, 1928 bis 1930 war er Mitglied der Bauern-Internationale. 1930 wurde er als Konterrevolutionär verurteilt, er lehnte Stalins Form der Kollektivierung der Landwirtschaft ab. 1937 wurde er im Moskauer Prozess zum Tode verurteilt.


Tereschchenko Mikhail Iwanovitsch 1886 – 1956
tereschchenko_mikhail.jpg Der Sohn ukrainischer Großgrundbesitzer und Industrieller war einer der bekanntesten Freimaurer Russlands. Er wurde Mitglied der vierten Duma 1912 für die liberale Progressive Partei und ab 1915 stellvertretender Vorsitzender des zentralen Kriegs- Industriekomitees. 1917 wurde er Minister in allen Provisorischen Regierungen als Finanz- und ab Mai 1917 als Außenminister. Während der Oktoberrevolution wurde er im Winterpalais festgenommen und in der Peter- und Paul-Festung inhaftiert. Er floh im Frühjahr 1918 nach Frankreich, unterstützte die alliierte Intervention im Bürgerkrieg und starb als Geschäftsmann in Frankreich. 187)




Tolstoi, Lew Nikolajewitsch 1828 - 1910
tolstoy_leo.jpg Der aus Kreisen des Hochadels stammende entwickelte eine Zuneigung zum Elend des Volkes, er versuchte die Lage der Leibeigenen auf seinem Heimatgut zu verbessern. In seinem literarischen Werk vertrat er einen rigorosen Moralismus. Er war antiklerikal; mit seinem Pazifismus beeinflusste er viele Teilnehmer der Revolution 1905. Auch Anarchisten bezogen sich auf ihn. Nach 1905 wurde er von der Polizei drangsaliert. 188)





Tomski, Michail Pawlowitsch 1880 - 1936
tomski_michail.jpg In Sankt Petersburg wurde er von seiner arbeitenden Mutter aufgezogen. Der gelernte Litograph schloss sich 1904 der bolschewistischen Fraktion der SDRPR an. Er war beim Aufbau der Gewerkschaften aktiv. 1905 ging er nach Estland und half beim Aufbau der Räte in Reval. Er wurde verhaftet und nach Sibirien deportiert. Er entkam und nahm die Arbeit in den Gewerkschaften wieder auf und wurde Vorsitzender der Gewerkschaft der Graveure. 1907 war er Delegierter auf dem Londoner Parteitag der SDRPR. 1908 verhaftet und zu Zwangsarbeit verurteilt. Durch die Februarrevolution wurde er befreit, in Moskau nahm er an der Oktoberrevolution teil. Im März 1919 ins Zentralkomitee der KPR gewählt, 1921 ins Organisationsbüro, 1922 ins Politbüro . 1922 bis 1929 wurde er Vorsitzender des Allrussischen Zentralrats der Gewerkschaften und gehörte dem ständigen Sekretariat der Roten Gewerkschaftsinternationale (Profintern) an. In den Fraktionskämpfen der KPSU gehörte er mit Bucharin und Rykow zum sogenannten rechten Flügel, er wandte sich gegen eine beschleunigte Kollektivierung und für die Fortführung des Klassenbündnisses mit den Bauern. Als die Linke Opposition geschlagen war, wandte sich die Stalinfraktion gegen die Rechte Opposition. 1929 verlor Tomski seine Funktionen. die ‘Rechten‘ kapitulierten im November 1929. 1930 wurde er aus dem Politbüro und ZK ausgeschlossen. Bis 1936 hatte er untergeordnete Funktionen. Als 1936 in den Moskauer Prozessen die alten Bolschewiki angeklagt und erschossen wurden, nahm er sich das Leben. 189)


Trepow, Aleksandr Feodorowitsch 1862 - 1928
trepow_aleksandr.jpg Der Generalssohn war bis Anfang 1905 Kommandant des Winterpalais, dem Sitz des Zaren. 1896 bis 1905 war er Polizeichef von Moskau und unterstützte Subatow im Aufbau einer zarentreuen Arbeiterbewegung. Der Vertraute des Zaren wurde nach dem Blutsonntag Januar 1905 zum Generalgouverneur von Sankt Petersburg ernannt und zum stellvertretenden Innenminister; damit bekam er die Führung der Polizeikräfte vom gesamten Zarenreich. Er wurde auch der Urheberschaft für die Pogrome nach dem Zarenmanifest beschuldigt. 1916-1917 vorletzter Ministerpräsident des zaristischen Russlands, emigrierte er nach Frankreich. Trotz mehrerer Attentatsversuche starb er eines natürlichen Todes. 190)



Trotzki, Lew Dawidowitsch 1878 - 1940
trotzki_1917.jpg In der Ukraine als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Bauern geboren, schloss er sich früh den Narodniki an, kurze Zeit später wurde er Marxist. 1897 wurde er Mitbegründer des Südrussischen Arbeiterbundes. 1898 wurde er verhaftet und nach Sibirien verbannt, floh er 1902 und arbeitete an der Iskra mit. Bei der Spaltung der RSDRP 1903 eine vermittelnde Stellung zwischen den Fraktionen einzunehmen, wandte sich dann den Menschewiki zu. Im Oktober 1905 kehrte er nach Petersburg zurück, wo er eine Führungsrolle im Arbeiterrat einnahm..Mit Parvus entwickelte er die Theorie der 'Permanenten Revolution‘. Zwischen Bolschewisten und Menschewisten nahm er eine unabhängige Position ein. Im Krieg war er in Paris und den USA; auf der Zimmerwalder Konferenz 1915 nahm er eine defätistische Position ein Im Mai 1917 kam er nach Petersburg zurück und schloss im August den Bolschewiki an. Im September wurde er wieder Vorsitzender des Petrograder Sowjets und einer der wichtigsten Führer der Oktoberrevolution. Im Rat der Volksbeauftragten übernahm er das Amt des Volkskommissars für Auswärtiges und führte die russische Verhandlungsdelegation bei den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk. 1918 wurde er zum Volkskommissar für das Kriegswesen, baute die Rote Armee auf und führte den Bürgerkrieg erfolgreich mit autoritären Methoden, wie auch die Niederschlagung des Kronstadter Aufstandes von 1921. In der Sowjetunion entwickelte sich ein bürokratischer Apparat, den Trotzki nach Lenins Tod 1924 bekämpfte. Gegen Stalins ‘Sozialismus in einem Land‘ erweiterte er die Theorie der permanenten Revolution, die Sowjetunion könne nur durch die Revolution in Europa überleben. Seine Oppositionsgruppe wurde mit bürokratischen Methoden unterdrückt, 1926 aus dem ZK und 1927 aus der KPSU ausgeschlossen, wurde er 1928 nach Alma-Ata verbannt und ein Jahr später nach Istanbul ausgewiesen. Im Ausland organisierte er die Linke Opposition und später die Vierte Internationale. Im Kampf gegen den Nationalsozialismus forderte er die Kommunisten auf, mit der Sozialdemokratie eine Einheitsfront gegen den Faschismus zu bilden. Nach der kampflosen Kapitulation der Kommunisten gab er die Politik der Reform der kommunistischen Parteien auf und betrieb die Gründung einer Vierten Internationale, die 1938 vollzogen wurde. 1933 ging er nach Frankreich ins Exil, 1936 nach Norwegen, bevor er 1938 nach Mexico ausreisen konnte. Seine Anhänger in Russland wurden von Stalins Geheimdienst verfolgt und ermordet wie viele Anhänger im Ausland. 1936 bezeichnete er in ‚die verratene Revolution‘ die Sowjetunion als bürokratisch entarteten Arbeiterstaat, der durch eine politische Revolution in einen demokratischen Arbeiterstaat umgewandelt werden müsse. 1940 wurde er von einem stalinistischen Agenten ermordet.


Tschaikowski, Nikolai Wassilewitsch 1851 - 1926
tschaikowski_nikolai.jpg Während seines Studiums in Sankt Petersburg schuf er eine an den Narodniki orientierte erste russische Arbeitergruppe. In den 70er Jahren emigrierte er in die USA und gründete ohne Erfolg eine sozialistische Kommune in Kansas. 1905 kehrte er nach Russland zurück und arbeitete in der Genossenschafts-Bewegung. Er war Vaterlandsverteidiger und Trudowik,vereinigte 1917 seine Gruppe mit den Volkssozialisten. Er gehörte zum rechten Flügel des Petrograder Sowjets. Während des Bürgerkriegs war er 1918 Vorsitzender der Weißen-Regierung in Archangelsk. 191)




Tschcheïdse, Nikolai Semjonowitsch 1864 - 1926
File source: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nikolos_Tschcheidse.jpg Der georgische Aristokratensohn studierte Veterinärmedizin und gründete 1893 mit Zereteli und Nore Schordania die erste georgische sozialistische Partei. 1898 trat die Partei der RSDRP und 1903 der menschewistischen Fraktion bei. 1907 und 1912 wurde er in die dritte und vierte Duma gewählt, 1912 wurde er Fraktionsvorsitzender der Menschewiki. 1914 votierte er gegen die Kriegskredite. Im Februar 1917 wurde er zum Vorsitzenden des Petrograder Sowjets gewählt, im März zum Vorsitzenden der Allrussischen Rätekonferenz und in Juni Vorsitzender des Zentralen Exekutivkomitees des allrussischen Sowjets. Der Freimaurer war Vertreter der 'revolutionären Vaterlandsverteidiger'. Er unterstützte die Provisorische Regierung und bekämpfte die Bolschewiki. Nach der Oktoberrevolution ging er nach Georgien und wurde Präsident des Parlaments der Transkaukasischen Demokratischen Föderativen Republik und später Präsident der Nationalversammlung von Georgien. Nach dem Einmarsch der Roten Armee flüchtete er 1921 nach Frankreich, er beging Selbstmord. 192)


Tschernow, Wiktor Michailowitsch 1973 - 1952
tschernow_wiktor.jpg Er war ab 1893 als Sozialrevolutionär aktiv. Er verfasste das Parteiprogramm und gründete 1902 die Partei der Sozialrevolutionäre SR. Er wurde zum Theoretiker der Sozialrevolutionären Partei. Er nahm an der Konferenz von Zimmerwald teil. Nach der Februarrevolution wurde er in der ersten und zweiten Provisorischen Regierung Landwirtschaftsminister. Im Januar 1918 wurde er Präsident der Konstituierenden Versammlung. Im Bürgerkrieg verweigerte er die Zusammenarbeit mit den Weißen und emigrierte 1920. 193)





Tschitscherin, Georgi Wassiljewitsch 1872 – 1936
Der Sohn eines adligen höheren Beamten und seine Homosexualität nicht versteckende Tschitscherin schloss sich 1904 zuerst den Menschewiki an und bekämpfte die Bolschewiki. Im Krieg wandte er sich dem revolutionären Defaitismus zu. 1905 bis 1917 lebte er in Berlin, Paris und London, wo er 1918 gegen einen britischen Diplomaten in Russland ausgetauscht wurde. Nach seiner Rückkehr nach Russland schloss er sich den Bolschewiki an und wurde 1918 zum Nachfolger Trotzkis bis 1930 Volkskommissar für Äußeres. Er verhandelte 1922 den Rapallo-Vertrag zwischen Russland und Deutschland. Von den politischen Fraktionskämpfen hielt er sich fern. 194)




Tuchatschewski, Michail Nikolajewitsch 1893 – 1937
tuchatschewski_michail.jpg Der Adlige schlug die Militärlaufbahn ein. Im Krieg wurde er 1915 gefangen genommen und konnte im Oktober 1917 bei seinem sechsten Fluchtversuch entkommen. Er trat der Bolschewistischen Partei 1918 bei, baute die Rote Armee mit auf und wurde Kommandant. Gegen die Tschechische Legion nahm er Simbirsk ein und zeichnete sich im Kampf gegen Koltschak aus. Nach mehreren erfolgreichen Operationen im Bürgerkrieg führte er im russisch-polnischen Krieg die Rote Armee bis vor Warschau. 1920/21 unterdrückte er den Bauernaufstand von Tambow sowie Kronstadter Aufstand. 1935 wurde er einer der ersten Marschälle der Sowjetunion. Zwei Jahre später wurden Militärführer der Roten Armee der Verschwörung beschuldigt und ohne Gerichtsverfahren hingerichtet. 195)



Uljanow, Aleksandr Iljitsch 1866 – 1887
uljanow_aleksandr.jpg Der ältere Bruder Lenins war Sohn eines Schulinspektors und Student der Naturwissenschaft in Sankt Petersburg. 1887 trat er der volkstümlerischen Organisation Narodnaja Wolja bei. Seine Gruppe, unter ihnen der polnische Revolutionär Pilsudski, plante ein Attentat auf Zar Alexander II. Er wurde zum Tode verurteilt und gehenkt. 196)






Uljanowa, Maria Iljinitschna 1878 – 1937
uljanowa_maria.jpg Die jüngere Schwester Lenins begann ihre revolutionäre Karriere 1895, als sie als Studentin beim Verteilen von Literatur festgenommen wurde. Sie ging 1898 nach Brüssel, nahm an der Verbreitung der Iskra in Russland teil, wurde oft verhaftet. Ab 1903 arbeitete sie im Sekretariat des ZK der RSRRP, begleitete ihren Bruder oft im Ausland und führte Parteiaufträge durch. Nach der Revolution in der Redaktion der Prawda tätig. 197)






Urizki, Moissei Solomonowitsch 1873 – 1918
urizki_moissei.jpg Der Sohn eines jüdischen Kaufmanns in der Ukraine schloss sich in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts der Sozialdemokratie an. 1897 wurde er wegen des Betreibens einer illegalen Druckerei verhaftet und musste kurzzeitig ins Exil. Er wurde Mitglied des Jüdischen Arbeiterbundes, 1903 Menschewik. Nach der Revolution 1905 musste er wieder ins Exil, mit Parvus organisierte er Untergrundarbeit in Russland. Er war Mitglied der ‘versöhnlerischen‘ Prawda-Gruppe um Trotzki in Wien. 1914 ging er nach Frankreich und schrieb in Nasche Slowo. 1917 kehrte er nach Russland zurück und schloss sich der Meschrajonzi-Gruppe an, die sich im August mit den Bolschewiki vereinte, er wurde ins ZK gewählt. Nach der Oktoberrevolution wurde er Tscheka-Mitglied. Als Gegner des Friedens von Brest-Litowsk trat er aus dem ZK und er Tscheka aus und gab mit den Linken Kommunisten die Zeitschrift Kommunist heraus. Nach dem Putschversuch der Linken Sozialrevolutionäre im Juli 1918 nahm er seine Funktionenwieder auf. Am 30.August wurde er von einem Kadetten erschossen. Zeitgleich mit dem Attentat auf Lenin war sein Tod Anlass für den Beginn des Roten Terrors. 198)



Volin, Wsewolod Michailowitsch 1882 – 1945
volin_wsevolod.jpg Das Kind von Ärzten wurde als Student Sozialrevolutionär. 1905 wurde er verhaftet und nach Sibirien verbannt, 1907 floh er nach Frankreich. Er wurde Anarchist, floh 1915 in die USA und trat der anarcho-syndikalistischen Bewegung bei. 1917 kehrte er nach Russland zurück und wurde ein Führer der Anarcho-Syndikalisten in Petrograd und Moskau, gab dort die Tageszeitung Golos Truda heraus. 1918 ging er in der Ukraine und gründete dort die Anarchistische Föderation, er arbeitete in der Machno-Bewegung und wurde 1920 von den Bolschewiki gefangen. 1921 wurde er ausgewiesen, arbeitete mit der deutschen FAU, schrieb ein Buch über die anarchistische Sicht der Revolution und starb in Paris. 199)




Warski, Adolf 1868 - 1937
warski_adolf.jpg Der Sohn eines kaufmännischen Angestellten war seit 1889 Mitglied der polnischen Sozialdemokraten und 1893 Mitbegründer der SDKPiL. Nach dem Anschluss der Partei an die RDSRP 1906 war er Mitglied des ZKs. Er wurde vom Zarismus mehrmals verhaftet und verbannt. 1910 in die Redaktion des Sozial-Demokrat der formell vereinten RSDRP gewählt. Er wurde ein Führer der 1918 gegründeten Kommunistischen Partei Polens (KPP) mit. 1923 bis 1930 war er Mitglied des Politbüros und nahm an mehreren Kongressen der Komintern teil. Ab 1930 war er in der Sowjetunion in der Emigration und arbeitete am Marx-Engels- Institut. Während der stalinistischen Säuberungen wurde er verurteilt und hingerichtet. 200)




Wazetis, Joakim Joakimotisch 1873 - 1938 (verschiedene Schreibweisen)
wazetis_joakim.jpg Der Landarbeitersohn trat 1891 in die zaristische Armee ein und war am Ende des Krieges Oberst der Lettischen Schützen. Der Parteilose schloss sich mit seinem Verband den Bolschewiki an. Ab Juli 1918 war er Kommandant der Ostfront, ab September 1919 Oberkommandierender der Roten Armee. Er wurde der Mitgliedschaft einer konterrevolutionären Organisation verdächtigt und wurde verhaftet, dann rehabilitiert. Er unterrichtete an einer Militärakademie. 1937 wegen angeblicher Mitgliedschaft einer faschistischen Organisation verhaftet und hingerichtet. 201)




Winnitschenko, Wolodimir 1880 - 1951
winnitschenko_wolodimir.jpg Der Bauernsohn konnte Jura studieren. Er agitierte unter Bauern und Soldaten, schloss sich der Ukrainischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei an. Nach einem Gefängnisaufenthalt floh er 1906 nach Europa, zu Beginn des Weltkrieges kehrte er zurück. Nach der Februarrevolution engagierte er sich in der sozialdemokratischen ukrainischen Bewegung und wurde Regierungschef der Rada-Regierung der Ukraine. Im Januar 1918 wurde die Ukrainische Volksrepublik ausgerufen, aber wenige Tage später von den Truppen der Ukrainischen Sowjetrepublik aus Kiew vertrieben. Unter dem Schutz der deutschen Armee wurde seine Regierung wieder eingesetzt, schloss mit dem Deutschen Reich einen Frieden. Wegen ihrer Unbotmässigkeit wurde die Rada-Regierung von den deutschen Besatzern im März 1918 wieder weggeputscht und durch Skoropadski ersetzt. Nach Ende der deutschen Besatzung im November 1918 wurde Winnitschenko wieder als Vorsitzender des Direktorats (Regierungschef) eingesetzt, trat im Februar 1919 zurück. Er ging ins Exil und näherte sich zeitweise den Bolschewiki an, kehrte aber ins Exil zurück und war schriftstellerisch tätig. 202)


Witte, Sergej Julewitsch 1849 - 1915
witte_sergei.jpg Russischer Unternehmer und Staatsmann. Zuerst im Eisenbahnwesen tätig, 1893 bis 1903 Finanzminister. Er förderte die Industrialisierung und stellte den Ausbau des Bahnnetzes in den Vordergrund. Nach der Niederlage im Krieg gegen Japan führte er erfolgreiche Friedensverhandlungen. 1905 wurde er Regierungschef, im Oktober 1905 setzte er beim Zaren die Reform der Duma in ein gesetzgebendes Organ durch, er leitete nach dem Moskauer Aufstand die Gegenrevolution ein, setzte in Frankreich eine große Anleihe durch und trat 1906 zurück. 203)




Wolodarski, W. 1891 - 1918
wolodarski_w.jpg Moisei Markowitsch Goldstein war der Sohn eines armen jüdischen Handwerkers in der Ukraine. Er musste die Schule wegen seiner revolutionären Aktivitäten verlassen, schloss sich erst dem Bund und dann der menschewistischen Fraktion der RSDRP an. Das W. im Vornamen seines Pseudonyms entsprach keinem Inhalt. Von 1908 bis 1913 wurde er wegen seiner politischen Aktivitäten mehrmals verhaftet und dann verbannt. Nach seiner Freilassung ging er in die USA und schloss sich den Sozialisten an. Gleichzeitig gehörte er zum internationalistischen Flügel der Menschewiki. In New York schloss er sich der von Bucharin und Kollontai herausgegebenen Zeitschrift Nowy Mir an. Im Mai 1917 kehrte er nach Russland zurück und arbeitete in der Meschrajonzi-Organisation; trat bereits im Mai der Bolschewistischen Partei bei. Er war Verantwortlicher für den Peterhof- und Narwa-Distrikt mit den Putilow-Werken, die er als guter Redner und Organisator für die Bolschewiki gewann. Nach der Oktoberrevolution wurde er ins Präsidium des Allrussischen Zentralen Exekutivkomitees der Sowjets gewählt, er kämpfte gegen die 'Versöhnler' Sinowjew und Kamenew gegen eine Koalitionsregierung. Als Gegner des Vertrages von Brest-Litowsk war er Linker Kommunist, verhielt sich gegenüber der Mehrheit loyal. Er wurde im Juni 1918 von einem Sozialrevolutionär erschossen. 204)


Woroschilow, Kliment Jefremowitsch 1881 – 1969
woroschilow.jpg Der Eisenbahnersohn engagierte sich seit 1899 in der Arbeiterbewegung und trat dem bolschewistischen Flügel der RSDRP 1905 bei. 1906 nahm er am Stockholmer Parteitag teil. 1907 verhaftet, leistete er Parteiarbeit im Donezbecken, in Baku und in Sankt Petersburg und wurde mehrere Male verbannt. Nach der Februarrevolution wurde er in den Petrograder Arbeiter- und Soldatenrat gewählt und wurde 1918 Mitglied der provisorischen Regierung der Ukraine. Er trat während des Bürgerkriegs der Roten Armee bei und arbeitete bei der Verteidigung von Zarizyn eng mit Stalin zusammen, später wurde er Kommandierender der Südfront. 1921 wurde er ins ZK gewählt und blieb dort bis 1961. 1925 löste er Frunse als Volkskommissar für Verteidigung ab und behielt den Posten bis 1940. Er beteiligte sich an der Liquidierung des Generalstabs der Roten Armee. 1953 bis 1960 war er Präsident des Obersten Sowjets und damit formal Staatschef; von Chrustschow als Stalin-Anhänger entmachtet. 205)


Wrangel, Pjotr Nikolajewitsch 1878 – 1928
wrangel_pjotr.jpg Der deutsch-baltische Adlige war im Krieg Befehlshaber einer Kavallerieeinheit. Nach der Oktoberrevolution schloss er sich auf der Krim der Weißen Armee in Kampf gegen die Sowjetherrschaft an. Im Frühjahr 1919 übernahm er das Kommando im Kaukasusgebiet und schlug die Rote Armee. Er überwarf sich mit Koltschak und ging kurz ins Exil, im April 1920 wurde zum Oberbefehlshaber auf der Krim. Durch eine Bodenreform versuchte er, auf der Krim seine Macht zu halten. Es wurde besiegt und ging im November 1920 nach Westeuropa. 206)





Zereteli, Irakli 1881 - 1959
zereteli_irakli.jpg Der Sohn eines radikalen georgischen Schriftstellers wurde 1902 nach studentischen Protesten an der Moskauer Universität nach Sibirien verbannt. Nach seiner Rückkehr schloss er sich der RSDRP an und war auf dem Parteitag 1903 einer der Sprecher der Menschewiki. Er ging ins Exil, kehrte 1905 zurück und wurde ab 1907 in die Duma gewählt. Nach ihrer Auflösung wurde er 1913 nach Irkutsk verbannt und wurde nach Kriegsausbruch Anhänger der Zimmerwalder Bewegung. 1917 kehrte er nach Petrograd zurück und wurde im März Vorsitzender des Petrograder Sowjets. Er war für die Beendigung des Krieges, gleichzeitig für die Verteidigung gegen Deutschland. Er war Befürworter der Koalitionsregierung, im Mai wurde er Minister für Post und Telegraphie der Provisorischen Regierung, im Juli/August war er Innenminister. Nach der Revolution kehrte er nach Georgien zurück und begründete die Demokratische Republik Georgien im Mai 1918 mit. Nach ihrer Besetzung 1921 ging er ins Exil, Als Menschewist blieb er seinen internationalistischen Prinzipien treu. 207)


Zetkin, Klara 1857 – 1933
zetkin_klara.jpg Die Tochter eines Volksschullehrers trat 1878 der Sozialdemokratie bei Auf dem linken Flügel der SPD arbeitete sie mit der Herausgabe der Gleichheit für Frauenrechte. 1907 wurde ihr das Sekretariat der Sozialistischen Fraueninternationale übertragen. Als Kriegsgegnerin trat sie 1916 dem Spartakusbund und 1919 der KPD bei. 1933 starb sie im sowjetischen Exil. 208)






Zjurupa, Alexandr Dmitrijewitsch 1870 - 1928
zjurupa_alexandr.jpg 1870 als Sohn eines Verwaltungsangestellten, Student der Landwirtschaft. Bereits 1898 wurde er Mitglied der RSDRP, er wurde mehrmals verhaftet. Im Februar 1917 wurde er Vorsitzender des Parteikomitees von Ufa und leitete in der Oktoberrevolution das RMK der Stadt. Nach der Revolution wurde er als Volkskommissar für Lebensmittelversorgung nach Moskau geholt und führte 1918 die Beschlagnahme des Getreides von den Kulaken mit Hilfe der Komitees der Dorfarmut und den Arbeiterkomitees für die Lebensmittelbeschaffung an. Das führte zu Bauernaufständen. Während Lenins Krankheit leitete er die Sitzungen der Sowjetregierung, 1923 wurde er ins ZK der KPR gewählt. 1923 bis 1925 leitete er die staatliche Planungskommission Gosplan, trat 1926 aus gesundheitlichen Gründen zurück. 209)


INHALTSVERZEICHNIS

1) Wieczynski, Vol.1, p.106; Legett, p.443
3) Shukman, p.298/299
9) Shukman, p.302
22) http://fr.wikipedia.org/wiki/Alexandre_Bogdanov; Haupt, Marie, p.286-292, Fitzpartrick, p.295/296
33) Schwarz: The Russian Revolution of 1905; Trotzki: Die Russische Revolution 1905, p.169; Lunatscharski: Profile der Revolution, p.47; Deutscher: Trotzki, Band 1, p.506
38) http://en.wikipedia.org/wiki/Semyon_Dimanstein; Gitelman, Jewish Nationality and Soviet Politics, p.130-132
41) Wieczynski, Vol.10, p,28/29
53) http://en.wikipedia.org/wiki/Nikifor_Grigoriev; Adams, Bolsheviks in the Ukraine 1918-1919
56) Galili, p. 409/410
66) https://en.wikipedia.org/wiki/Fedor_Kalinin; Mally, Cultur of the Future, p.98
70) http://de.wikipedia.org/wiki/Kamo_(Russischer Revolution%C3%A4r) Haupt, Marie, p.138-141
72) Shotman, p. 327
81) http://en.wikipedia.org/wiki/Leonid_Krasin; Shukman, p.333; Haupt,Marie, p.298-304
89) Getzler, Kronstadt 1917-1921
96) http://de.wikipedia.org/wiki/Losowski; Tossdorff, p. 717-725; Haupt, Marie, p.293-197
117) William Burgess, Larry E.Holmes in: Wieczynski, Vol.24, p.176-181
131) http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Platten; Wieczynski, Vol.28, p.118/119
137) Häfner, p.638/639
144) Vorwort von Brian Pearce zu F.F.Raskolnikov: Kronstadt and Petrograd 1917; Haupt, Marie, p.202-208
146) Shukman, p.371
147) Haupt, Marie, p.404-409
154) , 155) , 158) Artikel aus russischer Wikipedia nicht darstellbar
156) David M.Crowe Jr. in: Wieczynski, Vol.31, p. 238-244
159) Barbara Evans Clements in Wieczynski, Vol.33, p.72/73
174) Die Quelle ist nicht darstellbar
178) http://de.wikipedia.org/wiki/Isaak_Steinberg; Häfner, p.640/641; Wallat, p.13-29
184) Shukman, p.382/383
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